31.03.2020 - 10:51 Uhr
GeorgenbergOberpfalz

Oberpfälzer Waldverein Georgenberg macht Kohle

Vor zehn Jahren entstand unter Federführung des Zweigvereins ein besonderes Anschauungsobjekt. Die Herstellung von Kohle in der Region reicht bis ins Jahr 1300 zurück.

Der Kohlenmeiler am Ortsausgang von Georgenberg in Richtung Waldkirch
von Josef PilfusekProfil

Inzwischen sind etwas mehr als zehn Jahre ins Land gezogen, als der Oberpfälzer Waldverein den Bau eines Kohlenmeilers ins Auge gefasst hatte. „In unserer Gegend waren bereits um 1300 Kohlenmeiler in Betrieb“, wusste damals Manfred Janker. Und so war für den OWV-Vorsitzenden Ende 2009 festgestanden: „Wir errichten einen Meiler als Anschauungsobjekt und werden ihn für die Öffentlichkeit zugänglich machen.“

Die Idee war nicht nur bei den eigenen Leuten auf große Resonanz gestoßen. Auch der Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald war für die Aktion mit ins Boot gestiegen und hatte eine Förderung von 50 Prozent in Aussicht gestellt. Ein geeigneter Standort war dann auch gleich gefunden. Die Familie Altenöder war ebenfalls spontan bereit, das Projekt zu unterstützen.

Als dann schließlich im Juli 2010 der Bescheid zum vorzeitigen Beginn der Maßnahme vom Naturpark vorlag, konnten Janker & Co. mit dem Bau beginnen. Zu den ersten Arbeiten zählte das Sägen und Spalten von 15 Ster Fichtenholz durch Janker sowie Johann Bock, Andreas Gleißner, Willibald Gleißner, Josef Lang und Johannes Maurer. Die Grundplatte aus Schotter mit 3,5 Metern Durchmesser fertigten Josef Meckl und Siegmund Holfelder vom Bauhof. Weiter ging es mit der Herstellung der Bodenplatte aus Schwachholz auf dem Schotter-Fundament.

An der Aktion mit der Aufschichtung des gespaltenen Holzes waren neben dem Vorsitzenden noch Bürgermeister Johann Maurer, Jürgen Berger, Theresa Berger, Johann Frauenreuther, Ludwig Frauenreuther, Willibald Gleißner, Wolfgang Gürtler und Bernhard Schaller beteiligt.

Das war aber längst nicht alles. Mit Fichtenreisig ummantelten die fleißigen Leute den Meiler, fixierten ihr Werk mit Gitterdraht und verschmierten es mit Sand sowie Kalk- und Zementmörtel. Außerdem stellte Bernhard Schaller die von der Hamburgerin Viola Becker gestiftete Ruhebank auf, bevor die Abdeckung des Schotters rund um den Meiler mit Splitt erfolgte. Neben der Gestaltung des Platzes fertigte Wolfgang Gürtler eine Schautafel mit der Beschreibung an. Insgesamt hatte die OWV-Mannschaft 216 Stunden gearbeitet.

So funktioniert ein Kohlenmeiler:

Als Kohlenmeiler wird ein mit Erde, Gras und Moos luftdicht bedeckter Holzhaufen bezeichnet. Dieser wird von einem Köhler in Brand gesetzt mit dem Ergebnis, dass Holzkohle erzeugt wird.

Der Holzkohlemeiler wird ebenerdig und nach Möglichkeit an einem Ort, der nahe an einem Gewässer liegt, zum späteren Löschen in Form eines Kegels errichtet. Zu Beginn wird ein Schacht, auch „Quandel“ genannt, aus Stangen errichtet, die senkrecht in den Boden gelassen werden. Rundherum werden etwa ein Meter lange Holzstücke aufgeschichtet. Darauf kommt ein Dach aus trockenem Laub, Heu oder Stroh. Zum Abschluss wird der Kohlenmeiler mit Erde, Gras und Moos luftdicht verschlossen. Über dem Schacht wird der Meiler entzündet.

Die Aufgabe des Köhlers ist es nun, über die folgenden Tage oder Wochen – je nach Größe des Meilers – diesen weder erlöschen noch ihn durch zu viel Luftzufuhr abbrennen zu lassen. Dazu bohrt und verschließt er Löcher an der Oberfläche. Durch die Beobachtung des Rauches oder dessen Farbe muss der Köhler erkennen, ob zu viel oder zu wenig Luftzufuhr herrscht.

Nach der vollständigen „Garung“ des Inhalts wird der Meiler dann mit Wasser abgelöscht. Gelingt das nicht vollständig, verbrennt die zuvor entstandene Holzkohle innerhalb kürzester Zeit unter großer Wärmeentwicklung. Die dabei entstehende Hitze ist so groß, dass eine Annäherung an den Kohlenmeiler unmöglich wird.

Aus 100 Kilo Holz können etwa 20 Kilo Holzkohle gewonnen werden. Übrigens werden in Anlehnung an die Form des Kohlenmeilers Kernreaktoren heute noch als Atommeiler bezeichnet.

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