21.08.2020 - 09:30 Uhr
GeorgenbergOberpfalz

Wanderer trifft Radfahrer: Vernunft bleibt manchmal auf der Strecke

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Wenn sich Spaziergänger und Mountainbiker in die Quere kommen, kommt es auch immer wieder einmal zu Problemen - gerade auf schmalen Wegen. Momentan scheint es nur einen Ausweg aus dem Dilemma zu geben.

Kurz hinter dem Parkplatz "Planer Höhe" führen ausgewiesene Radwege auf die Silberhütte. Auf dem Wanderweg links geht es ebenfalls auf die Silberhütte, vorbei an der imposanten Burgruine Schellenberg. Diese Strecke ist für Mountainbiker oft reizvoller.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Gerade jetzt in den Ferien und in Zeiten der Corona-Pandemie drängt es die Menschen ins Freie. Warum also nicht mal eine Radtour oder Wanderung unternehmen? Ein beliebtes Ausflugsziel ist die Burgruine Schellenberg bei Waldkirch. Vom Parkplatz "Planer Höhe" führen ein breiter Forstweg und ein Wanderpfad, der streckenweise kaum Platz für zwei Personen nebeneinander lässt, Richtung Silberhütte. Der Forstweg ist ideal für Radfahrer und viele nutzen ihn auch. Allerdings führt er nicht wie der Wanderweg direkt am Schellenberg vorbei.

Doch der Wanderweg scheint für manche Radfahrer natürlich reizvoller zu sein, geht es doch schön über Stock und Stein. Bei viel Betrieb kam es in der Vergangenheit allerdings schon zu gefährlichen Situationen, als Mountainbiker von der Silberhütte kommend bergab bretterten und die Fußgänger, darunter oft auch Familien mit kleinen Kindern und Hunden, zwangen, regelrecht auf die Seite zu springen.

Corona verstärkt Ärger ums Mountainbiken

Nürnberg

Manfred Janker, Vorsitzender des OWV Georgenberg, hat schon einige Beschwerden gehört. Er sieht es auch nicht gerne, wenn Radfahrer die Wanderwege nutzen. "Aber was wollen wir machen? Es sind öffentliche Wege, da dürfen Mountainbiker fahren." Er appelliert daher an die Vernunft der Leute und fordert, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Das bringt mehr als Verbote. "Wenn man das macht, dann halten sich die Leute wieder nicht dran. Das gibt nur böses Blut." Eine Downhill-Strecke auf dem Fahrenberg, die immer wieder einmal im Gespräch ist, hält er für eine Lösung: "Das wäre eine Option." Die Gemeinde Waldthurn hat dafür bereits eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, informiert Bürgermeister Josef Beimler. Bis Herbst oder Winter soll ein Ergebnis vorliegen.

"Schwieriges Thema"

Klaus Nigg, Chef des TV Vohenstrauß, der das Ski- und Snowboard-Zentrum auf dem Fahrenberg betreibt, meint, dass eine Downhill-Strecke nicht so viel bringt. Er schlägt vielmehr vor, in Wäldern spezielle Mountainbike-Strecken anzubieten und die Wanderwege für Radfahrer zu sperren. Geoparkrangerin Eva Ehmann sieht das ähnlich. Sie bietet unter anderem Führungen im Naturschutzgebiet Doost und im Lerautal an - beide Gebiete sind auch Ziele von Radlern. Aber das "ist ein schwieriges Thema", gibt sie zu. "Man muss sich arrangieren, weil es ja eigentlich nicht verboten ist." Radfahrer und Wanderer müssen aufpassen, aber "die gegenseitige Rücksichtnahme ist nicht immer optimal", findet sie. Eins steht für Ehmann jedoch fest: "Wege, die zum Beispiel stark von Familien mit Kindern frequentiert sind, sollten für Mountainbikes gesperrt werden."

Heutzutage denkt ja jeder nur noch an seine Interessen.

Stefan Bösl, Leiter des Forstbetriebs Flossenbürg

Stefan Bösl, Leiter des Forstbetriebs Flossenbürg, bekommt ebenfalls ständig Beschwerden von Spaziergängern. Laut Naturschutzgesetz ist Radfahren im Wald nur auf geeigneten Wegen erlaubt. "Wir sind nicht sehr begeistert. Es sollten nur breite Wege sein." Bösl findet die Rechtslage daher "etwas schwammig". Wegen der Corona-Krise sind die Wälder aktuell stärker frequentiert. Der Forstexperte fordert daher ebenfalls, aufeinander Rücksicht zu nehmen. "Aber heutzutage denkt ja jeder nur noch an seine Interessen."

Mountainbike-Strecke auf der Silberhütte

Separate Wege im Wald ausweisen ist ebenfalls nicht so einfach. "Dann will bald jede Interessensgruppe ihren eigenen Weg." Außerdem ist es auch eine Platzfrage, denn ein Wald muss auch bewirtschaftet werden, verweist Bösl auf die Verkehrssicherungspflicht der Forstbehörde. Gerade wegen der Zunahme an E-Bikes wird man den Trend jedoch nicht aufhalten können. Daher gibt es Überlegungen, auf der Silberhütte eine Mountainbike-Strecke zu schaffen. Die Planungen sind jedoch noch im Anfangsstadium, und manche Ideen wie Sprungschanzen und Ähnliches findet Bösl auch fehl am Platz. "Wald und Tiere brauchen schließlich auch ihre Ruhe." Auf dem Eulenberg zwischen Eslarn und Schönsee scheint es damit oft vorbei zu sein. Mountainbiker fahren dort kreuz und quer durch den Wald. "Das dürfen sie nicht", betont Bösl.

Der Flossenbürger Norbert Haberkorn ist passionierter Radfahrer und Mountainbiker, hält sich aber immer an die ausgewiesenen Wege. "Die Wanderwege sind bei uns normalerweise nicht so frequentiert wie anderswo. Nach Corona könnte sich das wieder entzerren." Er sieht daher noch kein großes Problem und auch keinen Anlass, Wege für Radfahrer zu sperren. Auch er fordert zur gegenseitigen Rücksichtnahme auf.

Ich will jeden Weg fahren, den ich fahren kann.

Herbert Deutschländer, Sportwart des Veloclubs Corona Weiden

Der Veloclub Corona Weiden möchte "ein gutes, reibungsloses Miteinander von Radsportlern, Wanderern, Förstern und Waldbesitzern". Auch der Respekt für die Natur ist Vorsitzendem Ernst Ehl ein Anliegen. Wegen vielen illegalen Trails in und um Weiden hat es schon massive Beschwerden gegeben. Der Kohlberger weist auch darauf hin, dass es beispielsweise "am Fischerberg oder anderen betroffenen Waldgebieten durchaus machbar wäre, jeglichen Bikebetrieb zu verbieten". Solche Konsequenzen will der Verein aber vermeiden. Ehl appelliert daher, den Trail auf der Rennerhöhe zu nutzen.

Politik gefordert

Die illegalen Radstrecken findet auch Sportwart Herbert Deutschländer "nicht schön". Das Problem lässt sich aber nur in gemeinsamen Gesprächen lösen. Hier ist auch die Politik gefordert, meint er. Auf Wegen wie zum Schellenberg gibt es keine andere Lösung als Rücksichtnahme. "Der Langsamere muss dem Schnelleren Platz machen, der Stärkere aber auf den Schwächeren aufpassen. Notfalls müssen Radfahrer auch absteigen oder stehenbleiben, wenn es für Wanderer keine Ausweichmöglichkeit gibt", betont Deutschländer.

Einer Sperre solcher Pfade für Mountainbiker erteilt er jedoch eine deutliche Absage. "Was würde ein Verbot bringen?", fragt er und schiebt die Antwort gleich hinterher: "Nur deren illegale Nutzung oder die Verlagerung auf andere Strecken." Auch separate Wege für Wanderer und Radfahrer hält er für keine gute Lösung. "Ich will jeden Weg fahren, den ich fahren kann", räumt er unumwunden ein. Und: "Wie befriedige ich die verschiedenen Bedürfnisse der Mountainbiker? Der eine will auf dem Forstweg fahren, der andere die holprige Strecke, die macht richtig Laune. Ich würde mich gegen eine Sperrung wehren." Auch seiner Meinung nach ist der Appell an die Vernunft des Einzelnen das einzige, was wirklich hilft. "Wichtig ist, dass nichts passiert und dass die Leute gut miteinander auskommen."

Auf solchen schmalen Wanderwegen wie hier zum Schellenberg ist für Wanderer kaum Platz zum Ausweichen. Da stellt sich die Frage, ob es hier unbedingt sein muss, mit dem Mountainbike zu fahren. Auch, weil es eine Alternativroute auf dem viel breiteren Forstweg gibt.
Kommentar:

Auch einmal verzichten

Viele Aufeinandertreffen zwischen Radfahrern und Wanderern gehen reibungslos über die Bühne, keine Frage. Die einhellige Bitte der Verantwortlichen, sei es in Vereinen, Forst oder Geopark, um Vernunft und gegenseitige Rücksichtnahme beweist jedoch, dass hier auch viel Konfliktpotenzial schlummert. Zu Vernunft und Rücksicht gehört aber auch, einmal zu verzichten und sich zu fragen, ob es denn unbedingt sein muss, auf schmalen Wanderwegen mit dem Rad zu fahren. Selbst wenn es erlaubt ist. Und vor allem, wenn es wie beim Aufstieg zum Schellenberg Alternativrouten für Mountainbiker gibt. Die mögen zwar nicht so viel Spaß machen, aber der Spaß Einzelner darf nicht auf die Kosten von Vielen gehen - und schon gar nicht auf Kosten der Natur. Das bei uns gültige freie Betretungsrecht des Walds ist keine Selbstverständlichkeit, sondern kostbar und für die Naherholung aller wichtig. Es darf nicht durch das unvernünftige Verhalten einiger weniger gefährdet werden. Aber so lange es von der Politik keine klareren und eindeutigeren Vorgaben gibt, scheinen Appelle an die Vernunft die einzige Lösung zu sein.

Thorsten Schreiber

Radfahren im Wald:

Nur auf geeigneten Wegen

In Naturschutzgebieten wie dem Doost ist es unter anderem verboten, die Wege zu verlassen und Pflanzen zu beschädigen, teilt das Landratsamt Neustadt mit. Auch außerhalb eines Naturschutzgebiets ist das Radfahren im Wald nur auf geeigneten Wegen zulässig. Generell ist bei der Ausübung des freien Betretungsrechts jedermann verpflichtet, mit Natur und Landschaft pfleglich umzugehen. Bei entsprechender Sorgfalt und Benutzung der Wege steht dem Radfahren im Doost daher nichts entgegen, informiert die Behörde.

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