17.09.2018 - 10:03 Uhr
GleiritschOberpfalz

Dorfladen kein Routinefall

Das Modell "Dorfladen" kommt gut an, ein kleines Minus ist kein Grund zur Panik. Trotzdem warnen Geschäftsführer Anton Brand und der Bürgermeister davor, allzu selbstverständlich auf einen guten Umsatz zu vertrauen.

Der monatliche Backtag erfreut sich großer Beliebtheit auch weit über die Grenzen der Gemeinde Gleiritsch hinaus
von Susanne GschreyProfil

Zur Gesellschafterversammlung des Dorfladens "Schaut's eina" mit Geschäftsführer Anton Brand waren 35 der 114 Anteilseigner erschienen. Derzeit sind sieben Mitarbeiterinnen in Teilzeit im Dorfladen beschäftigt, ab September sind es dann acht Personen. Dazu kommen noch ehrenamtliche Helfer, die sich um den wöchentlich erscheinenden Flyer kümmern, bei der Buchhaltung oder der Dekoration assistieren sowie beim Backtag und Dorfladenfest. Auch ihr Anteil am Erfolg des Dorfladens wurde gewürdigt. Besonders bedankte sich Anton Brand beim Vermieter und beim "Backofen-Team", er lobte in diesem Zusammenhang die Qualität der Produkte.

Da bei der letzten Versammlung die Frage nach der Arbeit des Beirats aufgeworfen wurde, gab Brand einen kurzen Überblick darüber, was die 6 Beiräte (2 für die Gemeinde und 4 für die stillen Gesellschafter) und der Geschäftsführer im abgelaufenen Jahr besprochen haben. Unter anderem wurde in den zwei Sitzungen über die jeweilige aktuelle Finanzlage, Abschlussdaten, die Ergebnisse einer Kundenumfrage, die Personalstärke des Ladens, die Entlohnung der Mitarbeiter oder über die Organisation des Backofenfestes oder des Weißwurst-Frühschoppens beraten.

Insgesamt liefern nach einer Erweiterung nun 25 Firmen ihre Waren nach Gleiritsch. In seinem Rückblick berichtete Anton Brand vom Besuch zweier Messen. Der erste Weißwurstfrühschoppen auf dem Vorplatz des Dorfladens im September 2017 war gut besucht, ebenso die Einstimmung auf Weihnachten . Zusammen mit der DJK packte der Dorfladen zum ersten Mal Pakete für die Weihnachtstrucker-Aktion der Johanniter. Der Dorfladen unterstützt auch weiterhin mit einer Spendenbox den Verein zur Förderung krebskranker und körperbehinderter Kinder Ostbayern (VKKK).

Im Januar 2018 nahm der Dorfladen an der Grünen Woche in Berlin teil. Hier konnte Anton Brand an Gesprächsrunden beim Bühnenprogramm teilnehmen und dadurch zahlreiche Kontakte knüpfen. Auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung stellte er im März den Dorfladen Gleiritsch in Weiden vor, als es um Perspektiven des ländlichen Raums ging. Auch kürzlich erst interessierten sich Politiker für das Projekt. Außerdem gab es eine gemeinsame Schulung für das personal der Dorfläden in Gleiritsch, Trausnitz und Hohenfels, auch am Faschingszug der Vereinsgemeinschaft beteiligte sich der Dorfladen. Eine Oster-Malaktion für Kinder mit vielen Preisen gehörte ebenso zum Programm wie ein Dorfbackofenfest mit Kinderflohmarkt.

Da der Verkauf von größeren Mengen, beispielsweise bei Backwaren, nicht immer so funktioniert, wie sich der Dorfladen dies wünschen würde, bat Brand, diese vorzubestellen - so könne man besser kalkulieren. Auf Vorbestellung gibt es dienstags neuerdings auch ein Mittagessen, 363 Mahlzeiten wurden bisher neben wechselnden warmen Gerichten verkauft.

Die Auswertung einer Kundenumfrage im Mai, bei der insgesamt 34 Fragebögen abgegeben wurden, brachte ein durchweg positives Ergebnis. Ab 13. September kooperiert der Dorfladen mit der "Brillenmann GmbH": Ein Fachmann kommt in den Laden und bietet dort in 14-tägigem Rhythmus Brillen an.

Täglich besuchen den Dorfladen durchschnittlich 80 bis 100 Kunden, informierte Brand. Im Geschäftsjahr 2017 wurde (wie im Vorjahr) ein kleines Minus erwirtschaftet. Das gilt auch fürs erste Halbjahr 2018. Die Ursachen: steigende Kontoführungsgebühren, Anstieg des Mindestlohns, höhere Kosten beim Wareneinkauf und die Rückzahlung des Darlehens für die neuen Kühlanlagen. Der Dorfladen Gleiritsch kann aber laut Brand unter Mithilfe aller dauerhaft bestehen. Allerdings sei dis nicht selbstverständlich. "Es funktioniert nur, wenn alle an einem Strang ziehen."

Im Anschluss an den Geschäftsbericht wurde Marianne Galli für eine weitere Amtszeit als Mitglied des Dorfladenbeirates gewählt. Bürgermeister Hubert Zwack appellierte an die Bevölkerung, die Verluste des Dorfladens durch eine Umsatzsteigerung auszugleichen. Der Dorfladen dürfe keine Routine werden, die Lebensqualität habe sich durch den Laden deutlich gesteigert. Jeder stille Gesellschafter solle sich denken: "Es ist auch mein Laden".

Immerhin sei der Dorfladen auch ein Ort sozialen Austausches, gab Geschäftsführer Brand zu bedenken. Sein Fazit: "Der Dorfladen kann die ihm gestellten Aufgaben nur dann leisten und bewältigen, wenn eine gesunde wirtschaftliche Basis vorhanden ist. Voraussetzung hierfür ist Ihr regelmäßiger Einkauf im Dorfladen."

Beim Kinderflohmarkt anlässlich des Backofenfestes wechselt so manches Teil den Besitzer

Von Facebook bis Twitter:

Im vergangenen Jahr wurde im Dorfladen weiter an der Öffentlichkeitsarbeit gearbeitet. Der wöchentliche Flyer hat eine Auflage von 585 Stück und wird im näheren Umkreis verteilt. Seit der Eröffnung des Dorfladens in Trausnitz wird dort kein Flyer mehr verteilt, in Ödmiesbach fehlt es an einem passenden Ort für die Verteilung. Geschäftsführer Anton Brand wies auch darauf hin, dass auch Vereine über diese Broschüre kostenlos Veranstaltungen ankündigen können. "Auch die Smartphone-App erfreut sich immer größerer Beliebtheit und kann kostenlos heruntergeladen werden", berichtete er. Der Internetauftritt (www.dorfladen-gleiritsch.de) wurde neu gestaltet, auch Facebook, Twitter und ein wöchentlicher Newsletter informieren über Angebote. Dazu gibt es einen Info-Bildschirm, den ebenso wie die anderen Medien auch Firmen nutzen können. (sgs)

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