08.06.2020 - 18:06 Uhr
GleiritschOberpfalz

Orakel- und Fronleichnamsblume

Noch gibt es sie, die Margeritenwiesen, wie hier in der Nähe von Schömersdorf.
von Alois KöpplProfil

Oft sind es die Kleinigkeiten, unbeachtet in einer schnelllebigen Zeit, die jetzt durch Corona abgebremst wird. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen, um die scheinbar unscheinbaren Schönheiten der Landschaft wieder zu entdecken.

Wer kennt es nicht, das Margeriten-Orakel "Er liebt mich, er liebt mich nicht". Bei den Jüngeren ist es vielleicht aus der Mode gekommen, vielleicht fehlt aber auch nur die passende "Margeriten-App". Wer mit offenen Augen die Gegend durchstreift, findet die Margerite, die auch als die kleine Schwester der Sonnenblume bezeichnet wird, von Mai bis Oktober. Zahlreiche Arten der Blume blühen in Europa und dem nördlichen Asien. Das eher anspruchslose Gewächs kann auf fast jedem Boden gedeihen und seine Schönheit entfalten. Nachdem momentan das Gras dank des Regens nur so aus dem Boden schießt, macht mancher Rasenmäher einen Bogen um die üppig blühenden Margeriten im Garten, die als Augenweide für Mensch und Nahrungsquelle für Insekten stehen bleiben dürfen.

Rohkostfans schwören auf Sprosse und Blüten im Frühjahr, deren Geschmack würzig und mild sein soll. Auch von Zucchini ähnlichen Nuancen ist die Rede. In Großmutters Hausapotheke wurden Blüten und Blätter der Margerite zur Linderung bei Prellungen verwendet, auch bei Erkältungssymptomen kam die blühende Schönheit zum Einsatz. Die Margeriten, aus der Familie der Korbblütler, verdanken ihren Namen dem aus der griechischen Bezeichnung abgeleiteten Wort "Perle". In der griechischen Mythologie ist die Margerite der Göttin Aphrodite zugeordnet, während die Blüte im Christentum als Symbol für die Gottesmutter Maria steht.

Als historische Fronleichnamsblume war und ist die Margerite bestens für die Gestaltung der kunstvollen Blumenteppiche vor den Altären geeignet. Diese Kunstwerke aus Blütenblättern sind in vielen Orten der Oberpfalz noch weit verbreitet. Heuer müssen die Prozessionen wegen Corona leider ausfallen. Fronleichnam ist eines der wenigen Feste im Kirchenjahr, bei dem sich die Kirche mit einer Prozession außerhalb des Kirchenraums präsentiert. Papst Urban IV. schrieb 1264 das Fronleichnamsfest vor. Während sich früher im Prozessionszug das gesamte Gemeinwesen widerspiegelte, angefangen von kirchlichen und weltlichen Funktionsträgern, Kindern, Frauen und Männern, verblasst dieses Spiegelbild in der heutigen Zeit immer mehr.

Und wer jetzt immer noch nicht ganz sicher weiß, ob er geliebt wird oder nicht, kann die Blütenblätter nacheinander abzupfen. Sollte es beim ersten Zählen nicht so richtig hinhauen, kann man natürlich auch andersrum zum Zählen anfangen, um die Frage aller Fragen endgültig dank der Margerite zu klären, vielleicht schon beim nächsten gemeinsamen Spaziergang in Coronazeiten.

"Die kleine Schwester der Sonnenblume", hier mit einer Lupine auf einer Brachfläche bei Gleiritsch.
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