19.06.2018 - 19:21 Uhr

Das Glück lebt auf der Wiese

Belastete Eier und schockierende Bilder aus Legebatterien bringen immer mehr Menschen zu Hühnerhaltung im eigenen Garten. Die Tiere sorgen dabei nicht nur für frische Eier, sondern auch für Entspannung.

Eine große Auswahl gibt es bei den Hühnerrassen. Nicht nur Körpergröße und Eierfarbe unterscheiden sich je nach Rasse, auch die Charaktere sind verschieden. Grundsätzlich lässt sich zwischen Fleisch- und Legehennen unterscheiden. Halter schätzen neben den Erzeugnissen vor allem die beruhigende Wirkung der Tiere. Dominik Eckert
Eine große Auswahl gibt es bei den Hühnerrassen. Nicht nur Körpergröße und Eierfarbe unterscheiden sich je nach Rasse, auch die Charaktere sind verschieden. Grundsätzlich lässt sich zwischen Fleisch- und Legehennen unterscheiden. Halter schätzen neben den Erzeugnissen vor allem die beruhigende Wirkung der Tiere.

Seit vor rund 8000 Jahren die ersten Wildhühner domestiziert wurden, bereichert das Huhn unseren Speiseplan. Durchschnittlich 230 Eier konsumierte jeder Bundesbürger 2017. Allerdings beträgt der Selbstversorgungsgrad der Bundesrepublik nur zirka 70 Prozent, der Rest kommt aus dem Ausland, wo andere Gesetze gelten, wie etwa die mit dem Insektizid Fipronil belasteten Eier aus den Niederlanden gezeigt haben. Doch auch aus deutschen Ställen gelangen immer wieder schockierende Bilder an die Öffentlichkeit: Kahle Hennen, die sich aus Langeweile gegenseitig die Federn auspicken oder das massenhafte Töten männlicher Küken.

Die dadurch entstehende Unsicherheit veranlasst immer mehr Menschen dazu, sich im Garten eine eigene Hühner-Herde zu halten – so wie es bei den Großeltern üblich war. Dabei punktet das Haushuhn nicht nur als regelmäßiger Eierlieferant. Es ist pflegeleicht und trägt auch zur Entspannung bei. Einige Punkte sind jedoch zu beachten.

Nicht täglich, wie ein bekanntes Lied vermuten lässt, sondern etwa alle zwei Tage, legt ein Huhn ein Ei. Sowohl Farbe als auch Form der Eier sind – je nach Alter und Rasse – unterschiedlich. Die Eierfarbe lässt sich übrigens an der Ohrscheibe des Huhns erkennen. Für eine bunte Mischung im Eierkorb eignen sich zum Beispiel Italiener (Weiß), Sussex (Braun) Marans (Dunkelbraun mit schwarzen Punkten) und Grünleger. Ansprechpartner sind hier die regionalen Geflügelhöfe oder private Züchter.

Der Preis pro Huhn beginnt bei etwa neun Euro. Eine preiswerte Alternative sind einjährige Hühner aus Bodenhaltungsbetrieben, die dort nach etwa zwölf Monaten ausgestallt werden und dann – weil wirtschaftlich nicht mehr rentabel – bereits ab zwei Euro zu haben sind. Von der äußeren Erscheinung dieser Tiere sollte man sich nicht abschrecken lassen, denn nach etwa sechs Wochen bekommen sie wieder ihr volles Federkleid und leben in artgerechter Umgebung auch wieder ihr natürliches Verhalten aus.

Aber welche Bedingungen braucht es überhaupt, um Hühner artgerecht halten zu können? Im Garten sollten pro Huhn etwa zwei Quadratmeter Auslauffläche mit natürlichem Untergrund vorhanden sein, am besten ist eine Abwechslung aus schattigen und sonnigen Plätzen. Wichtig ist, dass die Tiere Sand oder trockene Erde für das regelmäßige Bad zur Verfügung haben. Eine zweigeteilte Grünfläche – Hühner lieben Gräser – mit einem flexiblen Zaun ist ideal, so dass sich in einem Teil die Tiere aufhalten und der andere Teil währenddessen regenerieren kann.

Der Hühnermist gilt aufgrund seines hohen Stickstoffanteils übrigens als hervorragender Dünger und kann in der richtigen Dosierung auch fürs Gemüsebeet verwendet werden. Apropos: Salat und Co. sind zu schützen, da auch diese von den Hühnern nicht verschmäht werden. Bei der Frage nach dem Stall gibt es eine große Auswahl: gemauert, aus Holz, umfunktionierte Kinderhäuser und Bauwägen oder Fertigställe inklusive Gehege, die bereits ab 150 Euro erhältlich sind. Gerade letztere sind jedoch vom Platzangebot sehr knapp bemessen und sollten durch einen zusätzlichen Auslauf ergänzt werden. Die Mindestanforderungen an den Stall sind eine gute Durchlüftung, Trockenheit, Schutz vor Beutegreifern wie Fuchs oder Marder und mindestens ein halber Quadratmeter pro Huhn. Zur Einrichtung gehören Sitzstangen, abgetrennte Legenester, Tränken und Futterspender.

Als Einstreu eignet sich am besten trockener Sand. Grundsätzlich gilt: Je weniger Spalten und Ritzen im Stall, umso besser, damit Flöhe oder Milben nicht überhand nehmen. Der beste Schutz gegen Ungeziefer ist neben der regelmäßigen Reinigung ein wachsames Auge. Weitere Ratschläge hierzu geben die örtlichen Kleintierzucht-Vereine oder Veterinäre. Wer einen festen Stall plant, sollte sich vorher mit dem zuständigen Bauamt in Verbindung setzen, um die genehmigungsfreie Größe nicht zu überschreiten.

Damit es mit den eigenen Eiern klappt, benötigen Hühner ausgewogenes Futter. Als Basis eignen sich Weizen, Gerste und Hafer, die durch frisches Gras, Salatabschnitte, Obst und Gemüse ergänzt werden. Zusätzliche Proteine holen sich die Tiere in Form von Würmern oder Insekten und halten somit auch Schädlinge im Zaum. Dadurch tragen Hühner im Obstgarten auch zu einer größeren Ernte bei. Im Winter dienen Hülsenfrüchte wie Erbsen als Ausgleich, für eine feste Eierschale empfiehlt sich Muschelkalk. Hühner benötigen zudem täglich frisches Wasser. Futtermittel gibt es in Fachgeschäften für Tierbedarf, in landwirtschaftlichen Lagerhäuser oder beim Landwirt vor Ort.

Bevor man sich für die eigenen Hühner im Garten entscheidet, sollte man dem Gebot der Rücksichtnahme folgend Rücksprache mit den Nachbarn halten – besonders wenn ein Hahn im Spiel ist. Idealerweise übernimmt der Nachbar auch die Fütterung, während man im Urlaub ist und erhält als Entschädigung die frischen Eier. Auch die Meldung bei beim zuständigen Veterinäramt sowie die Einhaltung regelmäßiger Vorbeuge-Impfungen gehören dazu. Aufwand und Kosten hierfür sind – wenn überhaupt – jedoch sehr gering.

Etwa 15 Minuten sollten Hühnerhalter täglich fürs Füttern und die Eierabnahme sowie eine halbe Stunde pro Woche für die Stallreinigung einplanen. Dafür erhalten sie ein hochwertiges Lebensmittel, kostenlosen Dünger und den beruhigenden Anblick glücklich gackernder Hühner. (edo)

Kreative Möglichkeiten gibt es bei der Wahl des passenden Stalles. Hier wurde ein altes Gewächshaus zum Hühner-Heim umfunktioniert. Sand oder trockenen Erde benötigen die Tiere, um sich von Ungeziefer zu befreien. Die tägliche Fütterung veranschlagt etwa 15 Minuten. Zudem sollte der Stall einmal pro Woche gesäubert werden. Dominik Eckert
Kreative Möglichkeiten gibt es bei der Wahl des passenden Stalles. Hier wurde ein altes Gewächshaus zum Hühner-Heim umfunktioniert. Sand oder trockenen Erde benötigen die Tiere, um sich von Ungeziefer zu befreien. Die tägliche Fütterung veranschlagt etwa 15 Minuten. Zudem sollte der Stall einmal pro Woche gesäubert werden.
Frisches Stroh und eine ruhige Lage sind für die Legenester wichtig. Etwa alle zwei Tage legt ein Huhn ein Ei. Dominik Eckert
Frisches Stroh und eine ruhige Lage sind für die Legenester wichtig. Etwa alle zwei Tage legt ein Huhn ein Ei.
Mit einem Hahn, artgerechter Haltung und etwas Glück klappt es auch mit der natürlichen Nachzucht. Drei Wochen brüten Hennen, danach nehmen sie die Kleinen noch etwa drei Monate unter ihre Fittiche und lernen ihnen das Picken und Scharren. Dominik Eckert
Mit einem Hahn, artgerechter Haltung und etwas Glück klappt es auch mit der natürlichen Nachzucht. Drei Wochen brüten Hennen, danach nehmen sie die Kleinen noch etwa drei Monate unter ihre Fittiche und lernen ihnen das Picken und Scharren.
 
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