Deutsch, Englisch, Mathe, Erdkunde oder Sport? Was war eigentlich Ihr Lieblingsfach? Fragt man die Kinder heutzutage danach, kann es schon mal vorkommen, das die Antwort lautet: „Glück.“ Sicher haben Sie es irgendwie schon mitbekommen, vielleicht mal gelesen, wieder vergessen oder sich gedacht: „Glück lernen, wie soll das denn gehen?“ Oder vielleicht: „Glück als Schulfach, das hätte ich auch gerne gehabt.“ Fakt ist: Inzwischen steht neben Deutsch, Englisch, Mathe, Erdkunde oder Sport inzwischen in sechs Bundesländern auch Glück auf dem Stundenplan der Schulen.
„In dem Fach lernen die Schüler, die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln“, erklärt Ernst Fritz-Schubert, der Erfinder des Schulfachs Glück. „Dazu gehört herauszufinden: Woher komme ich? Welche Stärken habe ich? Welche Ziele? Und wie kann ich sie erreichen? Die Schüler lernen auch, Frust auszuhalten und sich selbst zu motivieren, zum Beispiel durch körperliche Wahrnehmung, Bewegung und Konzentrationsübungen.“ Hört sich doch wirklich gut an, oder? Ich denke, mein Lieblingsfach wäre Glück gewesen, hatte ich das Glück gehabt, dieses auch auf dem Stundenplan zu haben.
Denn gerade für Jugendliche ist es nun wirklich nicht leicht, ihr Glück zu finden. Schon gar nicht heutzutage.
Laut einer aktuellen Studie fühlen sich 43 Prozent der Schüler der fünften bis zehnten Klasse überfordert, immer mehr Leistung wird von ihnen abverlangt – und nach dem Unterricht geht es dann meistens noch in die Musikschule, ins Sporttraining, zur Nachhilfe oder sonstiges, was sich die Eltern für ihre Sprösslinge ausgedacht haben, damit diese auch wirklich zu den Besten und Bestausgebildetsten ihres Jahrgangs gehören. „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“, schrieb der dänische Philosoph Søren Kierkegaard schon im vorletzten Jahrhundert.
Bei den meisten Eltern scheint das allerdings bis heute leider nicht angekommen zu sein. „Allen Jugendlichen gemeinsam ist, dass sie auf der Suche nach Selbstverwirklichung, Orientierung und Geborgenheit in der Gruppe sind“, sagt Ernst Fritz-Schubert, der mittlerweile auch Glückslehrer ausbildet. „Was jedem Einzelnen Freude bereitet, muss er selbst herausfinden.“
Und das ist sicher nicht einfach in einer Zeit, in der die Verlockungen des Konsums an jeder Ecke lauern und vermeintlich Glück versprechen. Die Einführung des Faches Glück klingt vielleicht auf den ersten Blick exotisch, doch bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass sie die Hauptaufgabe der Schule als Vorbereitung auf ein gelingendes Leben erfüllen soll. Jetzt geht es Ihnen vielleicht wie mir und es tut Ihnen vielleicht seit Jahren zum ersten Mal wieder leid, dass die Schulzeit schon lange hinter Ihnen liegt … Aber trösten Sie sich: Glück können wir alle noch lernen – auch wenn es nicht auf dem Stundenplan steht. Wir müssen nur wollen. (ewa)













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