"Schön, dass ich Sie endlich auch einmal erreiche." "Bekommt man Sie auch mal an Telefon?" "Bitte rufen Sie mich schnellstmöglich zurück, es ist wichtig!" Kennen Sie das: Manchmal könnte man meinen, bestimmte Leute hätten seit Wochen versucht, einen ans Telefon zu bekommen. In Wahrheit haben sie genau ein- oder zweimal angerufen, vielleicht sogar mittags oder abends. In einer Zeit also, in der es sich manche Menschen tatsächlich noch erlauben, auch einmal Pause oder Feierabend zu machen und ihr Mobiltelefon beiseite zu legen.
Sagen Sie, wann hat das eigentlich angefangen? Seit wann denkt eigentlich jeder, der Besitz eines Handys verpflichte dazu, dieses auch rund um die Uhr zu benutzen? Seit wann gilt es nicht mehr als unverschämt, zu den unmöglichsten Zeiten bei Geschäftspartnern, Mitarbeitern oder entfernten Bekannten anzurufen und sie jederzeit wegen Nichtigkeiten beim Abendessen, im Urlaub oder beim Wochenendausflug mit der Familie zu stören? Ich rate Ihnen: Machen Sie das nicht mehr länger mit.
Denn längst ist wissenschaftlich erwiesen: Zu viel Zeit mit dem Smartphone und ständige Erreichbarkeit machen uns alles andere als glücklich, sondern teilweise sogar richtig krank. Schlafstörungen und Depressionen sind die Folge. "Sei kein Standby-Sklave", appelliert Bloggerin Karoline Mohren, die "Tipps gegen ständige Erreichbarkeit und digitale Ausbeutung" im Internet gibt. Sie ist längst nicht mehr allein mit ihrer Forderung, das Mobiltelefon öfter einfach mal beiseite zu legen.
Im Silikon Valley gibt es bereits handyfreie Tage, in Frankreich müssen Arbeitnehmer sogar laut Gesetz auf Anrufe und E-Mails nach Feierabend nicht mehr reagieren. Allmählich kommt endlich das an, was eigentlich schon lange selbstverständlich sein sollte: Gerade in unserer schnelllebigen Zeit ist es wichtig, sich auch eine Auszeit und ein bisschen Ruhe zu gönnen. Man muss nicht immer und überall erreichbar sein - schließlich gibt es Mobilbox und E-Mail-Speicher. Trauen Sie sich also ruhig auch einmal, Ihr Handy wegzulegen und den Rechner auszuschalten.
Sie werden bald merken: Sie verpassen gar nichts, im Gegenteil, Sie gewinnen einiges dazu. Denn es macht wesentlich glücklicher, sich mal wieder das Vogelgezwitscher im Wald oder das Wasserrauschen am See anzuhören als das oft so sinnlose Geplapper am Telefon. "Je weniger sich die Menschen zu sagen haben, desto höher werden ihre Telefonrechnungen", sagte einmal der deutsche Gebrauchsphilosoph Klaus Klages. Da ist wohl was dran. Unterhalten Sie sich doch einmal nur, wenn Sie wirklich etwas zu sagen haben. Und dann am besten persönlich. (ewa)













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