24.09.2018 - 10:55 Uhr
Gmünd bei GrafenwöhrOberpfalz

Wütende "Fabienne"

Entwurzelte Bäume, abgedeckte Dächer, Stromausfall: Sturmtief "Fabienne" wirbelt am Sonntagabend die Region ordentlich durcheinander. Der Schaden ist groß - eine Verletzte gibt es auch.

von Jürgen MaschingProfil

(jma/ü/phs) Die 68-jährige Grafenwöhrerin war in ihrem Renault auf der B 299 unterwegs, als ein Baum wegen der starken Windböen umfiel und auf das Auto krachte. Die Fahrerin wurde laut Polizei Eschenbach dabei leicht verletzt. An ihrem Auto entstand etwa 4000 Euro Schaden. Auf gleicher Strecke entwurzelte "Fabienne" weitere Bäume und rief damit die Feuerwehr auf den Plan.

Auch auf der B 470 versperrten umgefallene Bäume die Straße. Einen davon übersah eine 61-Jährige aus Goldkronach und prallte mit ihrem VW Golf dagegen. Sie blieb unverletzt, der Schaden am Auto beläuft sich auf etwa 3000 Euro. Ähnlich erging es einer 26-jährigen Autofahrerin aus Mehlmeisel, die in ihrem Ford Fiesta von Weiden nach Pressath unterwegs war. Dabei entstand an dem Auto ein Schaden von 1500 Euro. Beide Bundesstraßen waren teilweise komplett gesperrt.

Wie die Polizei berichtete, sorgte das Sturmtief allein in Grafenwöhr für rund 80 Einsätze. Der wohl größte war in Dorfgmünd: Gegen 20.45 Uhr alarmierten Anwohner den Rettungsdienst, weil ein Baum auf das BRK-Alten- und Pflegeheim Hammergmünd gestürzt war. Unterstützung bekamen die Einsatzkräfte von der Lagerfeuerwehr, die mit einer Drehleiter anrückte. Ein umgestürzter Baum versperrte den Notausgang der Einrichtung und beschädigte die Fluchttreppe. Weil ein weiterer großer Baum zu kippen und auf den hintereren Teil des Hauses zu stürzen drohte, wurden zwei Trakte, die in diesem Bereich liegen, evakuiert. Die Einsatzkräfte sägten den Baum ab, die 14 evakuierten Heimbewohner konnten noch am Abend wieder in ihre Zimmer zurückkehren. Über 70 Senioren befanden sich zu diesem Zeitpunkt in der Einrichtung.

Von dem zweistündigen Einsatz machten sich auch Bürgermeister Edgar Knobloch und BRK-Kreisgeschäftsführer Sandro Galitzdörfer ein Bild. Nach einer Besichtigung mit Mitarbeitern der Bayerischen Staatsforsten am Montag warnte Knobloch davor, den Grafenwöhrer Wald zu durchqueren. Weil Äste herabzustürzen drohen, ist das Gebiet vorübergehend gesperrt.

In Eschenbach, Speinshart, Schwarzenbach, Münchsreuth, und Hütten kippte der Sturm ebenfalls Bäume um. Auch durch Kirchenthumbach fegte "Fabienne" - und hinterließ erhebliche Schäden im Gemeindegebiet. Mehrere Straßen waren wegen querliegender Bäume nicht befahrbar. Im Naturdenkmal "Allee Kreuzweg Maria Zell" knickte eine mächtige, 160 Jahre alte Linde um. An weiteren Bäumen riss der Sturm Äste ab, weswegen zwei Häuser beschädigt wurden. Ein Ast warf einen Telefonmasten um und kappte die Leitung.

Ähnlich wüst sah es im "Frauenbild" in der Bayreuther Straße aus. Mit Motorsägen und Schneeschaufeln räumten Helfer Äste und Laub vom Netto-Parkplatz. Im Bereich des Marktplatzes wurden Geranienkästen aus der Halterung gerissen und durch die Luft gewirbelt. Ein Trampolin landete in einem Garten in der Buchberger Straße. In Tagmanns "küsste" "Fabienne" das Bushäuschen so heftig, dass es nur noch zum Verheizen zu gebrauchen ist. Bei der Schlattermühle "entfernte" der wütende Wind eine Birke.

Im gesamten Gemeindegebiet flogen Ziegel von den Dächern. In Neuzirkendorf wurden mehrere Gebäude abgedeckt. Der Schaden dürfte sich auf einen fünfstelligen Betrag summieren. Auf Höhe des Kalkofens lag eine 20-KV-Leitung auf der Straße. Lange Zeit war Kirchenthumbach ohne Strom; die Feuerwehr musste die Leitung mit einer Flex trennen.

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Linde fällt auf Kirche:

Der Sturm hat auch zwei Gotteshäuser in Mitleidenschaft gezogen. In Altzirkendorf ist das äußere Gesamtbild der dem heiligen Sebastian geweihten Kirche aus dem Jahr 1734 zerstört: „Fabienne“ hat die mächtige, uralte Linde vor dem Eingang gefällt. Der Baum beschädigte beim Fallen Dach und Dachrinne, . In Mitleidenschaft gezogen wurden auch die Fassade und Geländer der Außentreppe zeigen ebenfalls Spuren. Der Stamm der schon morschen Linde fiel auf die Kreisstraße, so dass weitere Gebäude verschont blieben. Glück im Unglück: Verkehrsteilnehmer kamen nicht zu Schaden. Die Feuerwehr Neuzirkendorf rückte mit Motorsägen an und übernahm die Aufräumarbeiten. Unterstützt wurden die Brandschützer dabei von Josef Preininger mit seinem Bagger zum Einsatz brachte.

Erheblichen Schaden richtete der Sturm an der „Robertskapelle“ zwischen Neuzirkendorf und Hagenohe an: Ein 60 Zentimeter starker Stamm fiel auf das Dach des kleinen Gebetshauses. Beschädigt wurden auch die Bäume des „Ritter-Marterls“ zwischen Alt- und Neuzirkendorf. (ü)

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