10.05.2019 - 14:17 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Der Golf unter den Elektroautos

Nach dem Diesel-Drama nun das Saubermann-Stück: VW will bei der E-Mobilität Regie führen. In der Hauptrolle ist der ID.3 zu sehen. Und dann kommt auch noch Herbie mit ins Spiel.

Noch mit Tarnfolie beklebt ist der ID.3, mit dem VW ein neues Kapitel der Unternehmensgeschichte aufschlagen will. Seine Publikumspremiere feiert das E-Auto im Golfformat auf der IAA in Frankfurt.
von Berthold Zeitler Kontakt Profil

Der ID.3 spielt eine wichtige Rolle in der Modellpolitik der Wolfsburger. Ein Jahr vor der eigentlichen Markteinführung eröffnete VW jetzt im Beisein von gut 250 Journalisten in Berlin ein Pre-Booking-Portal. Und schon in den ersten 24 Stunden meldeten europaweit über 10 000 Nutzer Interesse an dem Fahrzeug an. Vollelektrisch wird es sein und voller Elektronik stecken. Wie es ausschaut? Noch verstecken die VW-Leute ihr Hätschelkind unter Camouflage-Aufklebern. Die IAA im September in Frankfurt wird dann die große Bühne sein für die Publikumspremiere.

Der ID.3 soll der freundliche Begleiter für den Alltag werden. Er begrüßt seinen Fahrer. Die Scheinwerfer sind so animiert, dass sich die Lider öffnen - wie bei Herbie, dem Kult-Käfer.

Jürgen Stackmann, Mitglied des Markenvorstands, sprach in Berlin von einem tiefgreifenden Systemwechsel. "Wir bekennen uns klar zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens, bis 2050 eine nahezu klimaneutrale Gesellschaft zu schaffen." Der batterie-elektrische Antrieb sei heute die effizienteste und für die Industrie am schnellsten umsetzbare Technologie, um CO2 einzusparen.

Das lassen sich die Wolfsburger auch etwas kosten. Rund neun Milliarden Euro investiert allein die Marke Volkswagen. In den nächsten zehn Jahren sollen dann mehr als zehn Millionen E-Autos die Werke in Europa, China und USA verlassen. Mehr als 20 Modelle sind geplant. Zu attraktiven Preisen. So soll das E-Auto vom Nischen-Produkt zum Massenphänomen werden.

Der erste seiner Art also ist der ID.3. Ein Schelm, der da an Elon Musks Tesla 3 denkt. Die Ziffer 3 steht VW-intern für die Kompaktklasse, signalisiert in dem Fall also, dass die ID-Familie ausbaufähig ist. "Da ist noch ordentlich Luft nach oben, aber auch nach unten", so Jürgen Stackmann. Und schließlich steckt in der "3" nach Käfer und Golf noch das Synonym für das dritte große Kapitel von strategische Bedeutung in der Geschichte der Marke Volkswagen. "ID" könnte zwar für "Intelligentes Design" oder "Intuitive Bedienung" stehen, ist aber keinem bestimmten Begriff zugeordnet.

Der ID.3 baut auf dem Modularen E-Antriebsbaukasten (MEB), soll außen so groß wie ein Golf sein, innen aber das Platzangebot der Mittelklasse bieten. "Kompakt genug für die urbane Welt, erwachsen genug um die Ansprüche eines Familie an ein Erstfahrzeug zu erfüllen."

Dazu gehört auch der Ausbau der Infrastruktur. Bis Ende nächsten Jahres sollen europaweit an den Hauptachsen der Autobahnen alle 120 Kilometer Schnellladestationen mit jeweils sechs Ladesäulen entstehen, bis 2025 werden die 3000 VW-Händler auf ihrem Werksgeländen Ladepunkte etablieren. Und schließlich entwickelt die Konzerntochter "Elli" (Electric Life) ein Portfolio aus Stromtarifen und Wallboxen für Privat- und Firmenkunden.

Wer sich auf dem Pre-Booking-Portal registriert, muss 1000 Euro Gebühr bezahlen. Verbindlich bestellen kann man erst im April nächsten Jahres, wenn die neuen Händlerverträge stehen. Bis dahin kann der Kunde seine Registrierung jederzeit und ohne Gebühren stornieren. Die Auslieferung startet im Sommer 2020.

Daten und Preise:

VW ID.3

Den ID.3 wird es mit drei unterschiedlichen Batteriegrößen (45, 58 und 77 kWh) und damit auch Reichweiten geben. Nach WLTP-Norm sollen so zwischen 330 und 550 Kilometer möglich sein - abhängig von Temperaturen und Fahrverhalten. 80 Prozent der üblichen Fahr- und Reisegewohnheiten wären so abgedeckt. Die meisten Kunden werden sich für die mittlere Batteriegröße mit 58 kWh entscheiden. Serienmäßig integriert ist eine Schnellladefunktion mit maximal 100 bis 125 kW Gleichstrom, so dass während einer halbstündigen Kaffeepause Energie für mindestens 260 Kilometer "getankt" werden kann. Über Preise hüllt sich VW noch in Schweigen, spricht nur von einem Startpreis in Deutschland von unter 30 000 Euro. Die Staatliche Förderung geht da noch ab.

Für Schnellentschlossene gibt es für unter 40 000 Euro eine exklusive, auf 30 000 Fahrzeuge limitierte First-Edition in vier Farben und drei Versionen samt umfangreicher Komfort-Features wie Voice-Control und Navi und bei der Plus-Variante zusätzlich noch IQ-Light, Bi-Colour-Design, Panorama-Glasdach sowie Augmented Reality Head Up Display.

Frühbucher dürfen auch ein Jahr lang kostenlos bis 2000 kWh Strom an allen öffentlichen Ladesäulen zapfen, die an die Volkswagen Lade-App WeCharge angeschlossen sind oder zu Ionity gehören. (bz)

Über seinen gesamten Lebernszyklus aktualisierbar bleibt der ID.3, der in der Basisversion unter 30 000 Euro kosten soll.
Wer jetzt sich für einen ID.3 registrieren lässt, bekommt sein Fahrzeug auch erst im Sommer 2020.
Auf 30 000 Exemplare limitiert ist das Sondermodell First-Edition. Nach 24 Stunden war ein Drittel schon weg.
Tolles Raumgefühl, innovatives Design und intuitive Bedienung verspricht der Elektro-Spross aus dem Hause VW.
Aus einem Nischenprodukt ein Massenphänomen machen will Volkswagen.
Das Platzangebot der Mittelklasse soll im Golfformat zu haben sein.
Die wichtigsten Märkte für den ID.3 sind nach Norwegen und Deutschland die Niederlande, Frankreich, Großbritannien und Österreich.
Volkswagen plant, im Schnitt mehr als 100 000 ID.3 pro Jahr an Kunden auszuliefern.
Die Elektromobilität massentauglich machen will der VW-Konzern. Zunächst soll Europa elektrifiziert werden, dann mit anderen E-Modellen der ID-Familie weitere Regionen der Welt.
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