03.03.2020 - 09:24 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

"Armenbibel" mit Aussagekraft

Die Hungertücher erzählen von Not, Hunger, Ausgrenzung, Begegnung auf Augenhöhe, Klimawandel und noch viel mehr. Im Grafenwöhrer Jugendheim können sie noch bis Sonntag, 8. März, besichtigt werden.

von Renate GradlProfil

Christian Baumann begrüßte im Namen des Pfarrgemeinderates bei der Vernissage der Misereor-Hungertücher "Auf Tuchfühlung" viele Interessierte. Die Hungertücher – früher auch "Armenbibel" genannt, da viele nicht lesen und schreiben konnten – stammen aus den Jahren 1976 bis 2020. "Der Ursprung geht bis ins Jahr 1000 nach Christus zurück. "Die Tücher wurden damals mit Bildern und Motiven aus dem Alten und Neuen Testament bemalt und anschließend in der Kirche aufgehängt. Die Darstellungen reichten von Motiven der Schöpfung bis hin zur Auferstehung Christi", erklärte Baumann.

Die Tücher seien im 12. und 13. Jahrhundert fast verschwunden. Im 15. und 16. Jahrhundert aber wurde die Tradition fortgeführt und hauptsächlich in der Fastenzeit genutzt, um die Leidensgeschichte Christi darzustellen. Auch der Altar wurde mit diesen Tüchern verhüllt. Die Hilfsorganisation Misereor, gegründet 1958, hat die Tradition wieder aufleben lassen, um den armen Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika zu helfen.

1976 wurde das erste Hungertuch entworfen. Neben Motiven aus der Bibel wird seitdem auch die Kultur des jeweiligen Landes des Künstlers, die Not sowie der Hunger dargestellt. Nur durch den Einblick in fremde Kulturen kann man den Austausch fördern und Ideen entwickeln, um notleidenden Menschen zu helfen. Baumann freute sich, dass die Ausstellung nun auch nach Grafenwöhr geholt werden konnte. 2016 wurde diese erstmals angeboten.

Am Samstag, 7. März, kann die Ausstellung von 19 bis 20 Uhr und am Sonntag, 8. März, von 14 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt besichtigt werden. Baumann lud zum Betrachten der Bilder ein, bei denen man "unheimlich viele Dinge entdecken und für sich selbst deuten kann". In einer ausliegenden Broschüre findet die Gäste Erklärungen zu den Bildern und Porträts der Künstler. Der Flyer kann gegen eine Spende mit nach Hause genommen werden. Ein Dankeschön ging an Johanna Rubenbauer und Walter Thurn, die für eine festliche musikalische Umrahmung sorgten. Pfarrer Bernhard Müller schloss sich den Dankesworten an, insbesondere für Christian Baumann, der die Organisation übernommen hatte, sowie für alle Mithelfer.

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