Blick in die Geschichte der Burg in Grafenwöhr, die niemals fertig wurde

Grafenwöhr
19.03.2023 - 09:59 Uhr
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In Grafenwöhr hätte einst eine der größten Burgen der nördlichen Oberpfalz entstehen können. Leider wurde sie nie vollendet. Burgenforscher Matthias Helzel zeigte nun, was von dem einstigen Prachtbau überliefert ist.

Die Burg auf dem Annaberg in Grafenwöhr ist mehr als nur eine Legende. Burgenforscher Matthias Helzel aus Eschenbach beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Burgen und Schlössern in der Oberpfalz und führte nun 60 geschichtsinteressierte Bürger auf den geplanten Standort.

Auch wenn das Gelände bearbeitet wurde und in seiner Beschaffenheit gänzlich anders aussieht, zeigt ein 3D-Scan eine bearbeitete Fläche von etwa 20 000 Quadratmetern. Für "nur" eine Burg viel zu groß und wehrtechnisch ungünstig gelegen. Helzel schließt daraus: "Auf dem Annaberg hätte eine ganze Burgsiedlung entstehen sollen." Der Platz sei dafür ideal: Die Stelle ist ein Kreuzungspunkt für Wege nach Eschenbach über Netzaberg, aus dem Thumbachtal, von Pappenberg nach Pressath, nach Amberg, Nürnberg und Eger.

Imposanter Wohnbau

Das einzig nachweisbare Gebäude – mit dem Ende des 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts begonnen wurde – war der vermutliche Wohnbau mit imposanten Ausmaßen von 35,5 Metern auf 23,5 Metern. Burgreste wurden 1935 bei der Anlage eines Luftschutzbunkers gefunden: "Hätte man das Gebäude fertiggestellt, wäre es einer der größten Burgbauten der nördlichen Oberpfalz geworden." Die Leuchtenberger wollten hier in Grafenwöhr, so Helzel, ihre Macht demonstrieren.

Der Burgenforscher hat ein Modell nach den gefundenen Quellen und kursierenden Vermutungen entworfen, wie die geplante Burg der Leuchtenberger hätte aussehen können. Dabei nahm er Bezug auf die Burgen von Waldeck und Ussel. Dazu gehören ein Pultdach zur Regenwassergewinnung, Bauten für Hofhaltung und Verteidigung.

Schloss bei Brand zerstört

Ein weiteres verlorenes Denkmal der kurfürstlichen und landgräflichen Zeit ist das ehemalige Schloss als Verwaltungssitz der Landgrafen. Helzel beschreibt es als "schönen Bau von etwa 15 mal 12 Metern mit drei Stockwerken". Die Lage soll im Südwesten der Stadt direkt am Stadtweiher in den ersten Formen der Renaissance errichtet worden sein. Das Schloss wurde einst für 8000 Gulden verpfändet.

Eine Auslösung scheiterte an den hohen Schulden der Landgrafen von 10 000 Gulden – heute wohl 5,2 Millionen Euro. Auf alten Abbildungen sind noch Ruinen gezeigt. Vermutlich ist das Schloss 1598 bei einem Brand mitsamt dem Burggut zerstört worden und der kurpfälzische Amtssitz wanderte in das Kastenhaus.

 
 

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