23.08.2021 - 12:32 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Brände, Hochwasser, Schnee und andere Katastrophen: Feuerwehr seit 150 Jahren in Grafenwöhr im Einsatz

Die Grafenwöhrer Feuerwehr ist ständig gefragt und Partner der Gesellschaft, wenn Gefahr in Verzug ist. Seit 150 Jahren sind die Männer und Frauen stets zur Stelle – auch bei besonderen Einsätzen.

1981 gab es eine Schauvorführung.
von Renate GradlProfil

Ein historisches Datum ist der 26. April 1871: An diesem Tag wurde der Verein der Freiwilligen Feuerwehr Grafenwöhr im Gasthof "Specht" gegründet. Wilhelm Specht wurde zum Vorstand gewählt sowie Johann Meiler zum Kommandanten; Georg Brunner wurde Adjutant und Florian Göppl Schriftführer.

In der Anfangszeit mussten 37 Feuerwehrmänner mit einer vierräderigen Druckspritze mit 90 Fuß auskommen, um die Brände zu löschen. Doch bereits 1880 gab es in Grafenwöhr eine verheerende Brandkatastrophe, bei der die gesamte westliche Altstadt mit 29 Anwesen Opfer der Flammen wurde. Deshalb schaffte die Wehr eine neue Druckspritze von der Firma Braun aus Nürnberg an. Die Ausrüstung wurde 1903 mit der ersten fahrbaren Feuerwehrleiter erweitert. 1927 kam das erste Mobillöschgerät mit einer 1000-Liter-Pumpe zum Einsatz.

Neue Möglichkeiten der Brandbekämpfung

Mit dem Bau der Wasserleitung im Jahr 1936 hatte die Feuerwehr neue Möglichkeiten der Brandbekämpfung. Überall wurden Feuerwehrlöschkästen angebracht. 1942 wurde ein modernes Löschgruppenfahrzeug Magirus Deutz angeschafft, um überörtliche Einsätze in Regensburg, Nürnberg und Neumarkt zu stemmen. Bei den Luftangriffen 1945 gab es sogar eine Frauengruppe, die nach Kriegsende wieder aufgelöst wurde.

Weitere Modernisierungen gab es 1954 mit einem Tanklöschfahrzeug und 1960 mit dem TS 8/8. In diesem Jahr wurden erstmals auch die Leistungsprüfungen durchgeführt.

Ein langgehegter Wunsch sollte sich mit 1969/70 mit dem Bau eines neuen Feuerwehrhauses erfüllen. Die Feuerwehr musste in den weiteren Jahren immer schwierigere Aufgaben stemmen, wie der Umgang mit chemischen und plastischen Brennstoffen. Und so wurde 1972 ein modernes Tanklöschfahrzeug mit Atemschutzgeräten angeschafft.

Neue Aufgaben für Feuerwehrleute

Neue Aufgaben kamen auf die Feuerwehrleute 1975 durch die Rettungsschere zu. "Konstrukteur" Werner Schreml fertigte 1991 einen Ölbindemittel-Streuanhänger, der bei größeren Ölspuren eingesetzt wurde. Im Zuge der Außenrenovierung 1995 erhielt das Feuerwehrhaus ein neues Floriansbild und zum Jahrtausendwechsel gab es für die Wehr neue Schutzanzüge. Erstmals wurden für die Atemschutzträger eigene Schutzjacken und Schutzhosen angeschafft.

2003 wurde in Grafenwöhr zum ersten Mal ein hochmoderner Rüstwagen vom Typ RW 2 stationiert und das Mehrzweckfahrzeug ausgetauscht. 2005 wurde dann ein Kommandowagen angeschafft. Von 2006 bis 2011 wurde das bestehende Feuerwehrhaus in drei Bauabschnitten saniert und erweitert und 2018 stellte die Wehr ein neues HLF 20 in Dienst. Im Dezember 2019 folgte der Gerätewagen.

70 aktive Feuerwehrler

Aber nicht nur die Geräte, sondern auch die freiwilligen Feuerwehrleute sind wichtig, beziehungsweise noch wichtiger. "Heut zählt die Wehr knapp 70 aktive sowie 170 passive und fördernde Vereinsmitglieder", informiert Feuerwehr-Chef Alexander Richter.

Richter selbst ist mit der Feuerwehr fest verwurzelt. Bereits 1991 ging er im Alter von 16 Jahren zur Jugendgruppe, wo er später als Jugendwart und stellvertretender Gruppenführer tätig war. Am 30. Januar 1998 folgte die Wahl zum zweiten Kommandanten. Richter übernahm 2012 als Vorsitzender die Amtsgeschäfte des Feuerwehrvereins. Seit 23. Januar 2016 leitet er in einer Doppelfunktion als Vorsitzender und Kommandant die Freiwillige Feuerwehr Grafenwöhr. Im Februar 2019 wurde er außerdem zum 1. stellvertretenden Verbandsvorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbands Neustadt/WN gewählt.

Eine "Institution" in Sachen Feuerwehr ist auch Hans Pappenberger, der von 1998 bis 2016 erster Kommandant war. "Es gab viele spektakuläre Einsätze in dieser Zeit. Aber es fällt mir spontan unser erster Auslandseinsatz im Jahr 2002 in Niederösterreich ein. Damals haben rund zwölf Feuerwehrleute aus Grafenwöhr und den Ortsteilen sowie städtische Beschäftigte den Hochwasser-Geschädigten der Grafenwöhrer Partnerstadt Grafenwöhrth tatkräftig unter die Arme gegriffen und geholfen", erklärt Pappenberger.

"Um auch künftig Hilfe bei allen Notfällen leisten zu können, sucht die Feuerwehr freiwillige Frauen und Männer im Alter von 12 bis 65 Jahren, die aktiven Feuerwehrdienst leisten wollen, um denjenigen zu helfen, die in in Not geraten sind", betont Alexander Richter. Das 150. Jubiläum der Feuerwehr, das coronabedingt ausfallen musste, wird wahrscheinlich nicht nachgefeiert. Aber wenn es möglich ist, soll 2022 wieder ein Maibaum aufgestellt werden. Das Maibaumfest läutete jeweils die Festsaison ein.

Erst kürzlich ging das Fahrzeug "Rosi" der Grafenwöhrer in den Ruhestand

Grafenwöhr

"Es gab viele spektakuläre Einsätze in dieser Zeit."

Feuerwehr-Urgestein Hans Pappenberger

Feuerwehr-Urgestein Hans Pappenberger

 

 

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