Der Landkreis ist groß. Da bietet sich ein kleinräumigerer Pakt an, um sich in einer überschaubaren Gemeinschaft gegenseitig zu ergänzen und künftige Herausforderungen besser zu bewältigen. Demografie, Strukturwandel, Innerortsentwicklung, Leerstände, medizinische Versorgung, Landwirtschaft, Arbeitsplätze und Tourismus – sie haben etwas gemeinsam: sie wirken sich auf nahezu alle Bereiche der ländlichen Entwicklung aus. Es stellen sich Fragen der Daseinsvorsorge, der Siedlungsentwicklung und der Gestaltung von sozialen Prozessen und müssen neu beantwortet werden. Auf solche und ähnliche Fragen werden die Kommunen im ländlichen Raum überzeugende Antworten geben müssen. Da bietet es sich im Vierstädtedreieck an, vorhandene Kräfte zu bündeln. Das sogenannte Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept soll dabei helfen. Das ist der Grundgedanke von ILEK.
Die endgültige Entwurfsfassung stellte am Montagabend das Planungsbüro STADTSTRATEGIEN in der Aula der Grund- und Mittelschule Grafenwöhr vor. Die Größenordnung der Veranstaltung ähnelte schon einer Plenarsitzung des Landtags. Grafenwöhrs Bürgermeister Edgar Knobloch begrüßte in Gefolge der 10 Bürgermeister aus dem Vierstädtedreieck rund 150 Kommunalpolitiker. Auch Vertreter des Amtes für Ländliche Entwicklung (ALE) und des Landratsamtes interessierten sich für die „finale“ Projektvorstellung durch Dr. Tanja Korzer. Eingebunden waren auch die Bürgermeister der 10 Kommunen. Den Rathauschefs oblag es, jeweils ein Leitprojekt zu erläutern.
In den vergangenen eineinhalb Jahren sammelten die Akteure in Arbeitskreisen, Bürgerwerkstätten und Lenkungsrunden Ideen, wurde eine Stärken- und Schwächenanalyse der Region entwickelt und einen Vitalitätscheck erarbeitet, immer auf der Suche nach Fragestellungen über die wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung und nach verbindenden Elementen, wie Tanja Korzer betonte. Am Montagabend präsentierte die Projektleiterin die gesammelten Ideen und bündelte sie in die sechs Handlungsfelder Wohnraumversorgung und sozialer Zusammenhalt, regionale Identität und Unternehmertum, Landwirtschaft-Naherholung-Tourismus, Kultur-Bildung-Freizeit, Verkehr und Energie und Klima. Die Handlungspunkte untermauerte die Referentin mit einem Maßnahmenkatalog von 125 Einzelvorschlägen.
Aus den „gesammelten Werken“ folgerte Korzer die Notwendigkeit eines generationsübergreifenden Wohnraumangebotes, plädierte für eine Stärkung des lokalen Unternehmertums, entdeckte die touristische Anziehungskraft im Vierstädtedreieck und empfahl eine bessere Vermarktung, beschrieb neue Möglichkeiten eines aktiven Gemeinschaftslebens, untersuchte mit Blick auf die Verkehrsinfrastruktur Mobilitätskonzepte und begrüßte eingeschlagene Wege zur Nutzung innovativer Energielösungen. Daraus entwickelte sie zusätzliche Querschnittsziele. Grundlage eines jeden Handelns sei jedoch zunächst ein Wandel in den Köpfen, der nachhaltige Veränderungen überhaupt erst anstoße, bemerkte die Architektin und Ökonomin. Ihre Schlussfolgerung: Verändertes Handeln braucht verändertes Denken. Eine zukunftsfähige Entwicklung entstehe aus Visionen, nicht aus einer aktuellen Problemlage heraus.
Für Bürgermeister Edgar Knobloch ein Fingerzeig, das ILEK zur Chefsache zu erklären. Erste Kümmerer müssten die Bürgermeister sein, um bei der Umsetzung Entwicklungsaktivitäten zu koordinieren und einen Bewusstseinswandel anzustoßen. Diese Überzeugung äußerte auch Thomas Gollwitzer. In einem Grußwort bezeichnete der Behördenleiter des Amtes für Ländliche Entwicklung die Projektideen als buntes Mosaik mit großer Tragweite. Aus langer Erfahrung wusste Thomas Gollwitzer: „Jetzt geht’s erst so richtig los“. Gleichzeitig empfahl der Behördenchef den Akteuren einen langen Atem. „10 Jahre sind gar nichts“! Als nächste Schritte zeichnete Gollwitzer vor: „Anpacken, Konzept vergeben und einen Manager zur Umsetzungsbegleitung beauftragen“. Gleichzeitig versicherte der Tirschenreuther ALE-Direktor die Förderfähigkeit des Projekts und betonte: „Wir werden Sie intensiv begleiten“. Die Vorstellung der Leitprojekte aus den unterschiedlichen Handlungsfeldern durch die 10 Bürgermeister folgt in einer unserer nächsten Ausgaben.




















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