Chlorgas wird häufig genutzt, um das Wasser in Schwimmbädern zu desinfizieren. So auch im Waldbad Grafenwöhr. Dort sorgte der giftige Stoff am Donnerstagnachmittag gegen 16.45 Uhr für einen Schockmoment: Der Alarm des Technikhäuschens ging los. Laut Polizei war der Chlorwert im Lager der Chlorflaschen vierfach erhöht. Das integrierte Sicherheitssystem flutete den Raum daher eigenständig. "Das ist ein in sich geschlossener Raum. Wenn Unregelmäßigkeiten auftreten, geht sofort ein Alarm los und eine Art Sprinkleranlage geht an. Dadurch wird das Chlorgas neutralisiert", erklärt Polizeihauptkommissar Thorsten Fiebiger, Leiter der Polizeiinspektion Eschenbach.
Laut Bayerischem Umweltministerium ist Chlorgas giftig und kann starke Verätzungen verursachen. Nach einer mehrstündigen Latenzzeit, also der Zeitspanne zwischen der Ursache und dem Auftreten der Wirkung, kann es auch zum Tod führen.
Technischer Defekt als Ursache
Bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte blieb der betroffene Raum verschlossen. Das Team aus 33 Personen, bestehend aus den Feuerwehren aus Grafenwöhr und Gmünd, öffnete den versperrten Raum dann. "Die Aufgabe der Feuerwehr war es, das Leck zu identifizieren", erläutert Kreisbrandrat Marco Saller im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Schnell sei klar gewesen, dass eine 65-Kilogramm-Chlorflasche die Ursache für den Alarm war. "Das war ein technischer Defekt", erklärt Saller. Die Flasche war offen und entleerte sich, heißt es im Polizeibericht.
"In meiner Amtszeit, das sind jetzt sieben Jahre, habe ich noch keinen Vorfall mit Chlorgas in einem Freibad erlebt", sagt Saller. Obwohl es eher selten vorkomme, sei die Feuerwehr auf solche Vorfälle vorbereitet. "Das war ein sogenannter ABC-Einsatz", erklärt er. Das sind Einsätze, bei denen Gefahren durch atomare, biologische oder chemische Stoffe vorliegen. "Die Kollegen wussten das und hatten auch Kenntnis davon, dass es sich um Chlorgas handelt. Sie hatten dementsprechend Chemikalien-Schutzanzüge an. Chlorgas kann in der Konzentration tödlich sein", ordnet der Kreisbrandrat die Situation ein.
Niemand verletzt
"Man hört immer wieder mal, dass so etwas vorkommt", sagt Fiebiger. Ende Mai mussten mehrere Badegäste ein Freibad im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm verlassen, eine Mitarbeiterin wurde ins Krankenhaus gebracht. Aus einer vermeintlich leeren Gasflasche war Chlor ausgetreten, als die Mitarbeiterin diese wechseln wollte. In einem Deggendorfer Erlebnisbad gab es Anfang März nach einer technischen Störung ebenfalls einen Vorfall mit mehreren Verletzten.
Laut Fiebiger bestand in Grafenwöhr keine Gefahr für die rund 30 anwesenden Badegäste. Aus dem verschlossenen Raum konnte kein Chlorgas austreten. "Die Gäste waren auch nicht einmal in der Nähe des Raumes." Die Wasserbecken würden zudem extra überwacht. Vorsorglich wurden die Besucher trotzdem aus dem Waldbad geschickt. "Einige sind auch von selbst gegangen", so der Polizeihauptkommissar. "Niemand wurde verletzt", bestätigt auch Saller.
Nach dem Chlorgas-Vorfall hatte das Bad am Freitag wieder regulär geöffnet. Eine Spezialfirma hatte bereits am Morgen betroffene Teile im Technikhäuschen ausgewechselt.













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