11.09.2019 - 09:48 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Freizeitsee Dießfurt: "Manchmal muss der Mensch Vorrang haben"

"Abschlussbetriebsplan für den Quarzsand-Tagebau Dießfurt im Staatswald in der Mark", heißt es undramatisch in der Ladung der Stadt Grafenwöhr für den Bauausschuss. Doch dahinter verbirgt sich reichlich Zündstoff, der im Rathaus explodiert.

Der Dießfurter Freizeitsee ist ein beliebter Anlaufpunkt. Doch die Tourismusentwicklung rund um den See seht auf der Kippe.
von Robert DotzauerProfil

Die Idee einer sanften Tourismusentwicklung rund um den Freizeitsee Dießfurt steht auf der Kippe. Die Bayerischen Staatsforsten als Eigentümer des Areals zeigen den Bemühungen des Landkreises und den interkommunalen Bestrebungen im Vierstädtedreieck die kalte Schulter. Am Montag waren die Pläne des Staatsforstes auch in der Bauausschusssitzung des Grafenwöhrer Stadtrates im wahrsten Sinn des Wortes ein aufregendes Thema.

Nach Kontakten der Anliegergemeinden und des Landkreises mit den Verantwortlichen der Staatsforsten schien man auf einem guten Weg. Schon träumten die Kommunalpolitiker von einem weitläufigen Badestrand, einem Seglerparadies und diverse Freizeitanlagen. Aber ohne die Forstleute ist alles nichts, müssen verärgerte Bürgermeister, Kreis-, Stadt- und Gemeinderäte nun feststellen. „Die Pläne widersprechen dem Beschluss des Kreistages zur touristischen Aufwertung“, stellte Bürgermeister Edgar Knobloch klar. Gleichzeitig verwies der Sitzungsleiter auf das „Leuchtturmprojekt Freizeitsee“ als Teil des Entwicklungskonzeptes der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE).

Knobloch empfahl dem Gremium einen energischen Widerspruch und eine Verweisung des Themas an den Stadtrat. „Wir brauchen formal einen Beschluss des Gesamtstadtrates“ In der Wortwahl weniger zurückhaltend zeigte sich in der folgenden Aussprache Stadtrat Josef Neubauer. Der Stadtrats-Senior sprach von einem schäbigen Stil der Bayerischen Staatsforsten und verwies auf Zusagen für eine touristische Nachnutzung bereits zu Zeiten der Genehmigung zur Ausbeutung der Quarzsand-Vorkommen. Thomas Schopf führte die Reaktionen der „Waldhüter“ auf die Verschmutzungen und den damit verbundenen Ärger in der Badesaison zurück. Dennoch plädierte auch er dafür, den staatlichen Forstbetrieben die Versprechungen „von damals“ in Erinnerung zu rufen. Schopf sprach von „Sauerei“, die langfristigen Nutzungsabsichten unberücksichtigt zu lassen.

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Gerald Morgenstern rief dazu auf, die schützenswerte Natur des Gebietes mit einer sanften touristischen Nachnutzung in Einklang zu bringen. „Aber manchmal muss der Mensch Vorrang haben“, betonte der CSU-Sprecher, verwies auf das überregional bedeutsame touristische Highlight des Badesees und erinnerte an Vorleistungen in Höhe von zirka 130.000 Euro für Gutachten. Thomas Weiß unterstellte dem Staatsforst „Vertragsbruch“. Eine Vergrämung der Besucher habe schon begonnen. Es gebe klare Festlegungen zur Nutzung eines Teiles der Wasserflächen für Freizeitzwecke. Der SPD-Sprecher empfahl eine schnelle und deutliche Reaktion.

Differenzierter betrachtete Klaus Schmitsdorf die Entwicklung. Der Sprecher der Linken sorgte sich um die Konkurrenzsituation zu ähnlichen Einrichtungen in der Region. Deshalb lehnte er auch den Vorschlag von Josef Neubauer für ein gemeinsames Vorgehen der betroffenen Gemeinden ab. Erste Gespräche im Sinne eines interkommunalen Bündnisses seien bereits geführt worden, versicherte Bürgermeister Edgar Knobloch. Die Debatte endete bei einer Gegenstimme von Klaus Schmitsdorf mit dem Beschluss, dem Gesamtstadtrat einen Widerspruch zu den Plänen der Bayerischen Staatsforsten zu empfehlen

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