02.06.2021 - 12:04 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Geschichtsträchtiges Grafenwöhr: Erste urkundliche Erwähnung und Erhebung zur Stadt vor 660 Jahren

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Am 5. Juni hat Grafenwöhr eigentlich Grund zu feiern: Die Stadt wird 660 Jahre alt. Aber auf ein großes Fest wird in Coronazeiten verzichtet. Vor zehn Jahren hatten rund 10.000 Menschen drei Tage lang das Stadtjubiläum begangen.

Am 5. Juni wird Grafenwöhr 660 Jahre alt.
von Renate GradlProfil

660 Jahre Grafenwöhr wären schon ein Anlass, um zu feiern. Aber in Zeiten der Corona-Pandemie gilt es, vorsichtig zu sein. "Es gibt heuer kein Fest. Vorstellbar wäre das Feiern zum 666. Jubiläum", sagte Bürgermeister Edgar Knobloch auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien.

Deshalb nur ein Blick in die Geschichte: Am 5. Juni 1361 stellte Kaiser Karl IV. (1355 bis 1378) seinen Lehensleuten Ulrich II. und Johann I. von Leuchtenberg eine Urkunde aus, mit der er den beiden Landgrafen die Erlaubnis gab, Grafenwöhr zur Stadt zu erheben und mit den Stadtrechten von Nürnberg zu versehen. Inhaltlich ging es bei der Urkunde – zugleich die erste urkundliche Erwähnung des Ortes – neben der Erhebung zur Stadt auch um einen Wochenmarkt, der jeweils am Dienstag abgehalten werden sollte.

Den Landgrafen Ulrich und Johann von Leuchtenberg wurde außerdem mein Halsgericht mit Stock und Galgen über der Stadt verliehen. "Wer diese gegebenen Rechte missachtet, dem droht eine Geldstrafe (50 Mark lotiges Gold)", heißt es dazu in der Stadtchronik.

Der Name "Grafenwöhr" setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: zum einen aus dem Stand der Gründer und Stadtherren, den Landgrafen von Leuchtenberg, und zum anderen aus "Wöhr", was soviel wie Insel oder Halbinsel bedeutet und die Lage der Stadt beschreibt.

Die Entstehung von Grafenwöhr gibt jedoch Rätsel auf. Vor 1361 gibt es keine Aufzeichnungen, in der der Ort erwähnt wird. Doch es gibt Spekulationen: Hermann Schenkl, der spätere Chronist der Stadt, vermutete, dass Grafenwöhr ursprünglich nur "Wörth" geheißen habe und schon um das Jahr 1000 entstanden sei.

In der Grafenwöhrer Stadtchronik von 1961 steht dazu zu lesen: "So mag denn auf der Suche nach geeignetem Siedlungsgelände ein Trupp deutscher Kolonisten in das Tal der Haidenaab und in die Seitentäler der Creußen und des Thumbachs eingedrungen sein."

Sagenumwoben ist auch die Burg von Grafenwöhr. Westlich der Altstadt erhebt sich eine kleine Anhöhe, die auf alten Karten "Kalvarienberg" genannt wird. Besser bekannt ist der Annaberg. An der Stelle der dortigen Maria-Hilf-Kirche soll früher eine Burg gestanden haben. Vor 600 Jahren wurde diese zum ersten Mal in einem Brief erwähnt.

Auch die Pestsäule ist mit ihren 525 Jahren geschichtsträchtig. Ihr erster Standort befand sich 1496 am Aufgang zum Annaberg. 1982 wurde die Pestsäule versetzt, seitdem steht sie mitten auf dem Marktplatz. Vermutet wird, dass sie aus Dankbarkeit von Überlebenden einer Pestseuche errichtet wurde – deshalb auch der Name.

In 660 Jahren Stadtgeschichte gab es gute, aber auch schlechte beziehungsweise kriegerische Zeiten. "Wie viele Jahre Grafenwöhr im Krieg zugebracht hat, kann man nur schätzen", erklärte Historiker Olaf Meiler beim 650-jährigen Stadtjubiläum. Insgesamt 100 Jahre sei die Stadt wohl von Kriegen beeinflusst gewesen – erstmals im Jahr 1399.

Am nachhaltigsten sei der Dreißigjährige Krieg gewesen, der im Jahr 1618 ausgebrochen war. "Mehrmalige Durchmärsche, Plünderungen und die Pest brachten die Stadt an den Rand des Ruins", erklärte der Historiker. Durch die Mansfelder Truppen, die das Rathaus plünderten, sei das geschichtliche Gedächtnis der Stadt weitgehend ausgelöscht worden.

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Eine große Rolle spielte damals ein Schmied namens Martin Posser, der das Pferd eines schwedischen Hauptmannes tötete. Daraufhin zogen die schwedischen Truppen ab. Die Szene wurde beim Festwochenende vor zehn Jahren nachgespielt.

Im 18. Jahrhundert war Grafenwöhr dann noch vom Spanischen und vom Österreichischen Erbfolgekrieg betroffen. 1744 bekam die Stadt eine österreichische Besatzungstruppe, die sich ein Jahr lang im Kastenhaus einquartierte. Durch die Gründung des Truppenübungsplatzes steht die Stadt seit 1908 permanent unter dem Einfluss des Militärs.

"Mehrmalige Durchmärsche, Plünderungen und die Pest brachten die Stadt an den Rand des Ruins."

Historiker Olaf Meiler beim 650-jährigen Stadtjubiläum vor 10 Jahren

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