15.12.2020 - 13:56 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Grafenwöhrer Politiker appellieren an "Coronaleugner" und "Querdenker"

Die Weihnachtsansprachen der drei Fraktionssprecher im Grafenwöhrer Stadtrat und des Stadtverbandsvorsitzenden kommen nicht ohne das Thema Corona aus. Zwei wenden sich direkt an "Coronaleugner" und "Querdenker".

CSU-Fraktionssprecher Gerald Morgenstern appelliert an "Coronaleugner", doch einmal das Gespräch mit Betroffenen zu suchen.
von Stefan NeidlProfil

Nach Bürgermeister Edgar Knobloch (CSU) blickten auch die Fraktionssprecher in der letzten Grafenwöhrer Stadtratssitzung für 2020 auf das Jahr zurück. Den Anfang machte Gerald Morgenstern (CSU): "Ungewöhnliche Zeiten verlangen ungewöhnliche Maßnahmen", eröffnete er – auch bei ihm war die Coronakrise ein Schwerpunkt. Gesund und munter sei man im Januar in die Wahlvorbereitung gestartet. Die 85 Prozent für Knobloch bei der Kommunalwahl sah er als "großartige Bestätigung ... aber auch als große Herausforderung und Verantwortung" an.

Morgenstern dankte Knobloch und Stadt speziell für die Öffnung des Waldbads, seine Corona-Briefe an die Bevölkerung, Maßnahmen und Hilfsangebote. Trotz der Pandemie gab es etliche durchgeführte Projekte und Aktionen.

Ein Lob ging an Stadtverbandsvorsitzenden und CSU-Stadtrat Gerhard Mark. Dieser sei ein Verfechter des Ehrenamts, das unter Pandemie und Einschränkungen leiden müsse. "Ein Wort noch an alle Coronaleugner", von denen es für Morgenstern aber keine im Gremium gebe. Kürzlich habe er sich mit einer Familie mit einem schweren Fall unterhalten. Gerne könne er für die "Querdenker" Kontakt herstellen, um aus erster Hand die Auswirkungen des Virus zu erfahren.

SPD-Fraktionssprecher Thomas Weiß hofft auf eine Rückkehr des sozialen Lebens, mahnt aber auch zur Umsetzung lange geplanter Projekte.

Für SPD-Fraktionssprecher Thomas Weiß erwartet die Bürger ein Weihnachten, das so noch keiner erlebt habe. Er nahm Bezug auf seine Weihnachtsrede 2019, in der er plädiert hatte, sich gegenseitig mehr Zeit zu schenken – doch durch die Pandemie und die notwendige Meidung sozialer Kontakte sei genau das Gegenteil eingetreten.

Er räumte ein, dass die Stadt viele Projekte umgesetzt oder gestartet hatte, bemängelte aber einen Stau bei der Barrierefreiheit öffentlicher Gebäude sowie der Modernisierung von Verwaltungsgebäuden und der ehemaligen Grundschule. Diese Maßnahmen werden teuer und erfordere Förderungen und eigene Steuergelder. Die von Knobloch verkündete Schlüsselzuweisung sei eine große Hilfe.

FW-Fraktionssprecher Thomas Schopf hat kein Verständnis für Coronademos vor Krankenhäusern. Als Genesener weiß er, wovon er spricht.

FW-Fraktionssprecher Thomas Schopf war fast froh, dass das Jahr 2020 sich dem Ende neigt. Es war ein Jahr "voller Herausforderungen". Er listete die Chronologie der Corona-Entwicklung in der Region auf. Unzählige Grafenwöhrer hätten sich mittlerweile infiziert, mal mit einem milden, mal schweren Verlauf. Er lobte die Unterstützung der Bürger untereinander, so dass die Situation vor Ort im Griff sei.

Schopf hatte selbst Corona und darum ärgerte ihn ein Punkt besonders: "Man darf in unserem Land seine eigene Meinung äußern. Wenn ich aber vor einem Krankenhaus demonstriere, in welchem Menschen um ihr Leben kämpfen und Ärzte und Pflegepersonal bis zur Erschöpfung arbeiten, dann ist das der blanke Hohn und mit keinem Wort erklärbar." Schopf verwies außerdem auf die schwierigen Bedingungen für Arbeit und Familie. Der Zusammenhalt sei jetzt besonders wichtig.

Stadtverbandvorsitzender Gerhard Mark fürchtet um die Zukunft der Vereine. Für eine Planungssicherheit plädiert er auf eine Verlegung des Bürgerfestes von 2021 auf 2022.

Für Bürgermeister Knobloch ist Stadtverbandsvorsitzender Gerhard Mark das "personalisierte Ehrenamt". Als solches bedauerte er den fast vollständigen Stillstand des Vereinslebens. Er sehe eine existenzgefährdende Gefahr und hoffe, dass alle Vereine die Krise überleben werden. Gerade jetzt bemerke man, wie wichtig diese für das gesellschaftliche Leben sind. Bereits in einer früheren Sitzung war die Verlegung des Bürgerfestes von 2021 auf 2022 besprochen worden – Mark wünschte sich die Verlegung, da er dessen Bedeutung für die Vereine kennt und die Ungewissheit, ob ein großes Fest im kommenden Jahr schon stattfinden kann.

Alle Redner dankten in ihren Ansprachen unter anderem den Einsatzkräften von Polizei, Feuerwehr, Rotem Kreuz, den Arbeitern im medizinischem Bereich und der Stadtverwaltung. Deren Engagement sei in der Coronapandemie unverzichtbar.

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