12.02.2020 - 10:06 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Grafenwöhrerin räumt anderen den Müll hinterher

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Müll, wohin das Auge reicht. Batterien, Brillen, Plastikkanister, Dosen, Papier und ein Klappstuhl: Es gibt nichts, was es nicht gibt an den Straßenrändern der Region. Die Grafenwöhrerin Doris Mayer-Englhart hat das satt.

Einen riesigen Berg Unrat hat Doris Mayer-Englhart in nur wenigen Stunden am Waldrand bei Grafenwöhr zusammengetragen. Über das Ausmaß der Umweltverschmutzung kann sie nur den Kopf schütteln.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Drei Stunden, zwei Kilometer und ein großer Haufen Müll. Doris Mayer-Englhart kann es kaum glauben, was sie in so kurzer Zeit am Straßenrand zwischen Grafenwöhr und dem Dießfurter Freizeitsee zusammengesammelt hat. Die Plastikreste, zerdrückten Dosen und Papierfetzen füllen einen großen blauen Sack, samt Schubkarren und mehrerer Tüten, was nun alles in ihrem Garten lagert. "Wenn man wüsste, wer das ist, dann müsste man den Leuten ihren Müll ins Wohnzimmer kippen", ärgert sie sich über die Umweltverschmutzer.

Erneut auf Sammeltour geht es auch gleich so weiter: "Es gibt keine zehn Meter, wo nichts liegt", sagt die Grafenwöhrerin und deutet den Straßengraben entlang. Dort liegt ein Stück nach dem anderen. Achtlos weggeworfen. Mit Handschuhen und einer großen Tasche ausgerüstet, fischt Mayer-Englhart den Müll Stück für Stück aus dem gefrorenen Gras, das unter ihren Füßen leise knackt. "Zum Glück ist es nicht nass, sonst wäre der Müll weich." Von den vorbeizischenden Autos lässt sie sich nicht beirren. "Am Anfang habe ich mich schon gefragt, was die Leute wohl denken", sagt sie. Doch ihr sei es wichtiger, dass die Natur wieder sauberer werde. "Ich denke, wenn kein Müll mehr da liegt, ist auch die Hemmschwelle größer, wieder etwas hinzuwerfen."

"Es ist ein gutes Gefühl", beschreibt sie ihr Tun. "Stellt sich nur die Frage, ob man auch noch dankbar sein muss, dass andere einem durch ihren Müll so ein gutes Gefühl geben", fügt sie ironisch hinzu. Mit ihrer Aktion will Mayer-Englhart vor allem anderen die Augen öffnen. "Vielleicht lässt sich der ein oder andere ebenfalls ermuntern, zu sammeln." Den Müll bringt sie schließlich zum Grafenwöhrer Bauhof. Zahlen muss sie für die Entsorgung zum Glück aber nicht auch noch.

Info:

Straßenmeisterei räumt einmal pro Jahr auf

Regelmäßig einmal im Jahr säubert die Straßenmeisterei Eschenbach die Straßen, die in ihren Zuständigkeitsbereich fallen. Dazu gehört auch die Kreisstraße zwischen Grafenwöhr und dem Freizeitsee Dießfurt. Immer im Frühjahr, wenn der Schnee weg ist und der Müll noch nicht vom Gras überdeckt wird, dann rücken seine Arbeiter an, informiert Chef Thomas Ermer. "Dann wird alles eingesammelt." Einen kürzeren Turnus hält er aber nicht für notwendig.

Plastikbecher, die achtlos aus dem Autofenster geworfen wurden, findet die Grafenwöhrerin an der Straße Richtung Freizeitsee Dießfurt zuhauf.
Die Plastikfolie kommt genau wie der restliche Müll in die Tüte.
In nur 20 Minuten ist die Tüte voll.
Sogar Eisenteile liegen am Straßenrand.
Von den vorbei rauschenden Autos lässt sich Doris Mayer-Englhart auf ihrer Mission nicht beirren.

Auch am Freizeitsee Dießfurt gibt es ein Müllproblem

Dießfurt bei Pressath
Kommentar:

"Saubären" härter abstrafen

Es scheint ein unzerstörbarer Kreislauf zu sein: Die einen werfen ihren Müll acht- und hirnlos aus dem Autofenster, die anderen sammeln netterweise so viel sie können auf. Der Rest bleibt liegen und verpestet unsere Welt. Kein öffentliches Bitten um Rücksicht auf die Natur, kein aufgestellter Mülleimer scheinen gegen die „Saubären“ unter uns anzukommen. Da hilft nur noch eins: Die Umweltverschmutzer müssen blechen – und zwar richtig.
Für Bayern gibt es zwar bereits einen Bußgeldkatalog, doch die Strafen für Umweltverschmutzung erscheinen mit beispielsweise 35 Euro für eine weggeworfene Plastikflasche relativ gering, bedenkt man, wie viele Jahre es braucht, bis diese verrottet ist. Ganz zu schweigen von den Schäden für Flora und Fauna.
Eine deutlich höhere Geldstrafe, also im Hunderter- bis Tausender-Bereich, würde da sicher mehr fruchten. Wer wegen einer im Wald weggeworfenen Plastikflasche 1000 Euro zahlen muss und nicht mehr in den Urlaub fahren kann, weil das angesparte Geld nun weg ist, überlegt sich beim nächsten Mal, ob er wieder falsch handelt, oder seinen Müll nicht doch einfach die letzten Meter mit nach Hause nimmt und dort entsorgt, wo er hingehört: in den Abfalleimer.

Anne Wiesnet

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