02.04.2020 - 09:08 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Hans Kugler schreibt Chronik über Pappenberg: In Stein gemeißelte Zeugnisse

Der ehemalige Auerbacher Stadtarchivar Hans-Jürgen Kugler arbeitet an einer neuen Chronik. Dabei steht das aufgelöste Übungsplatzdorf Pappenberg im Fokus des geschichtsinteressierten Auerbachers.

Langsam geht die Sonne über dem verfallenen Gottesacker in der Wüstung Pappenberg unter. Chronist Hans-Jürgen Kugler begibt sich dort für seine neue Chronik auf Spurensuche.
von Autor MORProfil

Quellen für Hans-Jürgen Kuglers neue Chronik zum aufgelösten Dorf Pappenberg auf dem heutigen Grafenwöhrer Truppenübungsplatz sind Archive, Fotos, Unterlagen und Gespräche mit ehemaligen Pappenbergern sowie deren Nachkommen. Auf dem alten Gottesacker von Pappenberg mitten im Sperrgebiet fand der Chronist außerdem in Stein gemeißelte Zeugnisse. Unterstützung bekam Kugler bei seiner Arbeit von Heimatforscher Albert Furtner aus Eschenbach, der eine enorme Fülle an geschichtlichen Daten zur Verfügung stellte, und Gerald Morgenstern, Autor des Truppenübungsplatzbuches.

Nach den zwei Büchern über seine Heimatstadt Auerbach und den weiteren Chroniken von Nitzlbuch/Bernreuth sowie dem Übungsplatzort Hopfenohe widmet sich Kugler nun wieder dem Übungsplatz. Mit der Erweiterung des militärischen Areals durch das NS-Regime wurden insgesamt 3500 Menschen aus 58 Ortschaften, Gehöften und Weilern umgesiedelt. Pappenberg war einer der ersten Orte, der geräumt wurde. Mit einer Häuser- und Familienchronik des Standesamtsbezirkes Pappenberg will Kugler zur Geschichtsaufarbeitung der damaligen Zwangsräumung beitragen. Einbezogen in seine Arbeiten sind die zum Standesamtsbezirk gehörenden Gemeinden und Weiler Höhenberg, Walpershof, Zissenhof, Leuzenhof, Eggeten, Erlbach, Herrmannshof, Hirschmühle, Grünhund und Wolfslegel.

Neben dem mühevollen Suchen in den Archiven legt Kugler auch Wert auf das Gespräch mit Nachkommen und gebürtigen Pappenbergern, wie beispielsweise mit dem 83-jährigen Konrad Hubmann, der in Iber im Landkreis Amberg-Sulzbach wohnt. Über 100 Familien, die in ganz Bayern verstreut leben, hat der Auerbacher mit Block, Bleistift und seinem tragbaren Scanner besucht. 3000 Kilometer dürften am Ende seiner „Ahnenforschungsreise“ wohl auf dem Tacho seines Autos sein.

Viele der Pappenberger fanden in Wolfskofen bei Regensburg, einem ehemaligen Thurn-und-Taxis-Gut, eine neue Heimat. Dort steht auch die Kirche mit der Einrichtung der ehemaligen Pappenberger Wallfahrtskirche „Maria Himmelfahrt“. Karl Matok aus Wolfskofen hat bereits viel über den Übungsplatzort niedergeschrieben und half Kugler deshalb bei seiner Arbeit. Hermann Hupfer aus Roith eruierte die neuen Adressen der Aussiedler im Bereich Mintraching. Eine Hilfe besonderer Art bekam der Familienforscher von Revierförster Andreas Irle, der ihm den Zugang in die Wüstung Pappenberg und zum alten Friedhof ermöglichte. Die Ruinen des verlassenen Dorfes liegen am Rande der Impact Area und sind nur selten zugänglich. Auf dem Weg nach Leuzenhof hinter Bäumen und Dickicht liegt der verfallene Gottesacker. Bei einem Feuer im Jahr 2018 brannten Buschwerk und die meterhohen Dornensträucher im Friedhof nieder, so dass etliche Steine wieder sichtbar wurden. Die zum Teil noch gut lesbaren Inschriften der Sandsteingrabmäler, gefundene Marmorplatten und Scherben sind für den Archivar in Stein gemeißelte Zeugnisse, die er mit der Kamera festhielt. Tiefe Eindrücke hinterließen bei dem Auerbacher auch die Ruinen der Häuser und der verfallenen Wallfahrtskirche. Bei vielen Jahrestagen der Absiedlung, zuletzt 2018 mit Weihbischof Reinhard Pappenberger, war sie Kulisse für Gedenkfeiern. Auch ein Blick in die alten Felsenkeller des Ortes war interessant.

Die Inschriften auf den Grabsteinen werden in die Hausgeschichten der von Kugler bearbeiteten Anwesen eingehen. Bis 1790 und teilweise älter reichen die aufgezeichneten Familiendaten zurück, die detailliert über Geburt, Heirat, Aussiedlung bis zum jetzigen Wohnort in den einzelnen Hausgeschichten festgehalten sind. Rund 400 Fotos wird die 350 Seiten umfassende Chronik über den Standesamtsbezirk Pappenberg enthalten. Im Herbst diesen Jahres soll Kuglers neues Werk erscheinen.

Die Wallfahrtskirche „Maria Himmelfahrt“ ist dem Verfall preisgegeben. Vor der Ruine zwischen der Nachbildung des Pappenberger Gnadenbildes und dem Gedenkkreuz stehen 2019 geborgenen Grabsteine. Revierförster Andreas Irle (von links), Hans-Jürgen Kugler und Gerald Morgenstern haben sich noch vor der Ausgangsbeschränkung wegen der Coronakrise in Pappenberg auf Spurensuche begeben.
In Stein gemeißelte Zeugnisse in Form noch lesbarer Grabsteininschriften und Marmorplatten sind für Hans-Jürgen Kuglers Ahnenforschung besonders interessant. Mit der Kamera hält er sie daher fest.
Die Grabplatte der Familie Schmidschneider ist noch vollständig erhalten. Darunter ruhen die Bauersleute Georg und Barbara Schmidschneider (geb. Schreglmann von Pappenberg 29), deren Sohn Balthasar zeitweise Mesner in Pappenberg war.
Der Pappenberger Friedhof im Jahr 1937, das Kreuz ziert heute den Friedhof in Wolfskofen. Durch ein Feuer im vergangenen Jahr wurden die Grabsteine auf dem verlassenen und verfallenen Gottesacker teilweise wieder sichtbar.

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