09.09.2020 - 11:02 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Historisches Velo fürs Zweiradmuseum

Die Zusatzbremse und die Rahmenform des Sicherheitsniederrads machen es für Sammler Ivan Sojc zu etwas Besonderen. Mit dem Verkauf einer Fahrradrarität aus dem Jahr 1890 begann der Heimatverein seine „Entsammlungs-Aktion“.

Ivan Sojc (rechts) vom Deutschen Fahrradmuseum in Bad Brückenau begutachtet seinen neuen Schatz genau und freut sich über die Rarität des Sicherheitsnieder-Fahrrads aus dem Jahr 1890 . Willi Buchfelder (links) und Willi Gottschalk vom Grafenwöhrer Heimatverein staunen über das Fachwissen des Rad-Spezialisten.
von Autor MORProfil

Wegen der Aufgabe mehrerer Außendepots hat das Kultur- und Militärmuseum des Heimatvereins zahlreiche historische Stücke abzugeben, und diese sollen vorrangig an andere Museen gehen. Ivan Sojc vom Deutschen Fahrradmuseum sammelt seit 43 Jahren alle Arten von Velos. In Bad Brückenau hat er in einer sehenswerten Sammlung die Geschichte von der Laufmaschine bis zum E-Bike mit Hunderten von Exponaten dargestellt. Im Netz stieß er auf das Angebot des Grafenwöhrer Museums. In seiner Sammlerleidenschaft hat er sich zu einen vierstelligen Euro-Betrag hinreißen lassen, um das Rad zu erwerben.

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Bei der Abholung den historischen Stücks konnten sich Heimatvereinsvorsitzender Willi Buchfelder und Kassier Willi Gottschalk vom Fachwissen des Fahrradsammlers überzeugen, der die Besonderheiten des Velos gleich beschrieb. Um die Jahrhundertwende wurde vom Hochrad auf das Sicherheitsniederfahrrad umgestiegen. Gebaut nach dem englischen Ur-Model schlug Ivan Sojc das Grafenwöhrer Rad, das kein Firmenschild "Histoir" mehr trug, der Neumarkter Radfabrik Goldschmidt und Pirzer oder Seidel und Naumann aus Dresden zu. Durch die besondere Swift-Rahmenform wurde er auf das Model aufmerksam. „Es ist eines der ersten Räder, das neben der Vorderradstoßbremse eine zweite Bremse hatte“, erklärte Sojc. Damals verfügten die Tretlager des Kettenantriebs über keinen Freilauf. Bei der Bergabfahrt der Vollgummi bereiften Räder stellte man die Füße auf Fußraster an der Vorderradgabel.

Noch versehen mit der DRP-Nummer (Deutsches Reich Patent) war an der Vordergabel auch das Pedal für die zweite Stoßbremse angebracht, die über Eisenkette und Gestänge auf der hintere Rad wirkte. „Eigentlich war die Bergabfahrt lebensgefährlich und es kam oft zu Unfällen“ so der Rad-Historiker. So muss es auch dem Vorbesitzer des Rades ergangen sein, von einem Unfall zeugt die verbogene Vorderradfelge. Für Sojc ist dies kein Problem, ein Fachmann in Tschechien wird die Felge ausrichten und neu einspeichen. Auf ein Jahr beziffert Ivan Sojc die Restaurierungsarbeiten, bevor das Rad in der Ausstellung in Bad Brückenau zu bewundern sein wird. Auch die passende Öllampe, mit der das Rad für die Nachtfahrt ausgerüstet war, ist in der Werkstatt des Museums schon vorhanden und wird wieder angebracht. „Nichts manipulieren oder verfälschen, sondern original für die Nachwelt erhalten“, ist die Devise von Sojc. Mit seinem Team in Bad Brückenau stellt der Sammler auch Wanderausstellungen für Landesmusen oder Fahrrad-Hersteller zusammen, und bringt so die Geschichte des Fahrrads unter die Leute. Zumal ein gleiches Modell aus dem selben Jahr in der permanenten Ausstellung im Museum verbaut ist, freuen sich Willi Buchfelder, Willi Gottschalk und Kulturmanagerin Birgit Plößner, dass das Rad in wirklich gute Hände kam. „Die ,Entsammlungs-Aktion' hatte einen wirklichen guten Start“, bilanzierte Plößner. Mit einem großen Trödelmarkt am Samstag, 26. September, im Innenhof des Museums wird die Abgabe von nicht mehr benötigten Exponaten fortgesetzt.

Mittels der Nummer des „Deutschen Reichs Patents“ am Bremspedal kann unter anderem der Hersteller des historischen Rades bestimmt werden.

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