Grafenwöhr
31.03.2019 - 09:24 Uhr

Jäger klagen über Ärger mit Städtern und Joggern

Lebhaft verläuft die Hauptversammlung der Jagdgenossenschaft. Auch wegen der regen Diskussion zu Wolf und Bienen-Volksbegehren. Dabei rückt vor allem eine Gruppe in die Verantwortung: "die Städter". Aber auch Sportler seien nicht ohne.

Jagdvorsteher Reinhard Kraus gibt seinen Jahresbericht. Bild: az
Jagdvorsteher Reinhard Kraus gibt seinen Jahresbericht.

Auch kritische Themen kamen bei der Versammlung der Jagdgenossenschaft um Vorsteher Reinhard Kraus auf den Tisch. Mitglied Reinhard Wiesend etwa nahm im Hotel "Post" zum Volksbegehren Bienen Stellung. Es habe ihm "sauer aufgestoßen", dass die Landwirte dabei nicht gut abgeschnitten hätten. Deren Einsatz würde "einfach unter den Teppich gekehrt". Auch der Bauernverband habe sich hier zu wenig engagiert. Ausdrücklich betonte er sein gutes Verhältnis zu etlichen Bienenzüchtern. Seine Devise: "Man muss miteinander, nicht übereinander reden!" Reinhard Kraus hatte an den Landwirten zuvor aber bemängelt, von den wichtigen Feldrainen beim Ackern so gut wie nichts übrig zu lassen.

Ganz offensichtlich ein gutes Verhältnis zur Genossenschaft unterhält Jagdvorsteher Thorsten Beierlein vom Jagdbogen West. In seinem Bericht sprach er einiges an, was ihn bewegt: Er bat die Landwirte förmlich, mit dem Mulchen bis zum Herbst zu warten: "Wir brauchen Altgras, Altgras, Altgras!" Denn darin würde sich das Niederwild wie Hasen und Rebhühner aufhalten. Auch er sprach sich für stärkere Wegraine aus. Das Bienen-Volksbegehren sei vor allen durch die "Stadtbevölkerung" so erfolgreich verlaufen. Diese meine, "den Bauern erklären zu müssen, was zu geschehen habe". Sein Appell: Sämtliche Landwirte sollten im Herbst am Volksentscheid teilnehmen, denn "nur so kann man dies regulieren". Auch die Befürworter von Wolf und Luchs kämen überwiegend aus der Stadt.

Rehwild- und Rotwild-Abschusspläne seien erfüllt, 16 Wildschweine erlegt worden. Wegen der "Eigenmast" würden letztere Probleme bereiten. Gewisse Sorge habe er wegen der Rehkitze zur Mahdzeit. Mittels Wärmesensoren würde er nach ihnen in den Wiesen suchen.

Kritisch äußerte sich der Jagdpächter zudem über Sportler in freier Natur. "Kaum wird es hell oder wird es dunkel, kommen die Jogger!" Sogar mit Stirnlampen seien sie unterwegs. Er habe schließlich die Verantwortung, wenn er der Jagd nachgehe und einen Schuss abgebe.

Zurückkehrend zum Reizthema Wolf meinte Beierlein: "Man muss damit rechnen, dass jederzeit einer auftauchen kann. Da drin, im Übungsplatz, gibt es genug Wölfe. Wir haben schon Risse!" Sollten sich diese mehren, habe dies künftig in der Konsequenz sicher Auswirkungen auf das Verpachten von Revieren. In fünf Jahren wisse man mehr.

Jagdvorsteher Kraus ging auf die dinge ein, die im vergangenen Jahr bewegten wie den neuen Jagdkataster, das noch laufende Vermessungsverfahren des Waldgebietes "Mark", den Kauf einer Wiesenwalze oder die Infos des Landratsamtes über die afrikanische Schweinepest. Für die Markvermessung würden aktuell günstigere Konditionen gelten. Offiziell stellte er Josef Kneidl als neuen Feldgeschworenen vor. Die neue Wiesenwalze, Kostenpunkt 6400 Euro, sei bei Richard Speckner in Gößenreuth untergestellt. Kraus wies auch auf die Rotwild-Hegeschau in Heringnohe bei Vilseck am 4. Mai und auf die Rehwildschau in Speinshart am 5. April hin.

Über eine zufriedenstellende Finanzsituation informierte Kassenverwalter Josef Kneidl. Viel Lob für die Genossenschaft, die "bestens funktioniert", hatte Bürgermeister Edgar Knobloch parat. Voraussetzung für die Neuvermessung in der "Mark" sei eine 20 Hektar zusammenhängende Fläche gewesen. Mittlerweile seien es schon um die 30 Hektar geworden, so Knobloch. Die Aktion laufe gut, weit über tausend Grenzsteine seien hierbei zu setzen. Er informierte über zu erwartende Verkehrsbelastungen durch anstehende Infrastrukturmaßnahmen. Bereits Anfang April beginne der Bau eines Kreisverkehrs an der B299, nahe Wache 6, anschließend die Erneuerung der Ortsdurchfahrt ab dem Uhrengeschäft Schreml bis zum Bahnübergang (Netto).

Der Jagdpachtschilling wird wie folgt verwendet: 1000 Euro gehen auf das Maschinenkonto, 1000 Euro werden für die Katasterneuvermessung (Grenzsteine-Finanzierung) verwandt. Der Rest dient als Rückstellung für den Wegebau und eventuell für eine Tagesfahrt.

Der verhinderte Jagdpächter Heinrich Schultes ließ für den Jagdbogen Ost über Kraus seinen Bericht vortragen. Bereits im dritten Jahr in Folge sei der Abschussplan beim Rotwild nicht erfüllt worden. Sieben Rehe seien von ihm, elf vom Straßenverkehr "erlegt" worden. Gerade diesbezüglich beklagte auch Schultes über das Freizeitverhalten von Joggern. Das Wild hätte einfach keine Ruhe mehr.

"Von Null auf 100 Prozent" wären die Schäden durch Wildschweine angewachsen. Gerade in der Schwarzwildjagd werde ihn künftig Christoph Plohmann unterstützen. Zur Beschaffung eines Begehungsscheines werde sich Reinhard Kraus verwenden. "Nächstes Jahr stehen Wahlen an. Macht euch Gedanken. Die Vorstandschaft will abgelöst werden", kündigte er abschließend an.

Jagdpächter Thorsten Beierlein spricht Klartext zum Volksbegehren, zum Wolf und zu den Joggern. Bild: az
Jagdpächter Thorsten Beierlein spricht Klartext zum Volksbegehren, zum Wolf und zu den Joggern.
 
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