16.10.2020 - 14:07 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Kultur- und Militärmuseum: Keine Angst um gespendete Schätze

"Sammeln und Bewahren", lautet unter anderem der Auftrag von Museen. Allerdings gibt es ebenso eine Verantwortung, die Sammlung zu pflegen und sich deshalb mitunter von Objekten zu trennen.

Nach 90 Jahren ist im Kultur- und Militärmuseum eine Bereinigung des Bestands nötig. Historikerin Birgit Plößner zeigt eine "entsammelte" Karteikarte.
von Externer BeitragProfil

Auf rund 30.000 Exponate schätzt Kulturmanagerin Birgit Plößner die Sammlung des Heimatvereins: „Unsere Depots platzen aus allen Nähten.“ Rund 500 Exponate hat das Museum deshalb in den vergangenen Wochen "entsammelt", wie es im Fachjargon heißt. „Das Ganze ist keine Entrümpelungsaktion, sondern eine wissenschaftliche Vorgehensweise, die auch öffentlich kommuniziert wird“, betont Plößner.

Seit 1932 werde ununterbrochen gesammelt, zunächst heimatkundliche und religiöse Objekte, später auch landwirtschaftliche Geräte und Militaria. Verglichen mit anderen Museen seien die rund 30.000 Objekte das Sechsfache an Gegenständen, die normalerweise in einem Museumsbestand sind, merkt sie in einer Pressemitteilung an.

Dem Museumsteam sei zu Ohren gekommen, dass viele Grafenwöhrer Angst um ihre einst gespendeten Schätze hätten, schreibt Plößner weiter. Dazu gebe es allerdings überhaupt keinen Anlass, unterstreicht die Kulturmanagerin: Die Schätze blieben natürlich im Museumsbestand.

Doch nach rund 90-jähriger Sammeltätigkeit sei es an der Zeit, den Bestand ab und an zu bereinigen, da nicht ins Unermessliche gesammelt werden könne und sich über die Jahre die Sammlungsschwerpunkte ändern könnten. So sei aus dem einstigen Heimatmuseum in den vergangenen 30 Jahren mehr und mehr ein Museum über die Stadt und den Truppenübungsplatz geworden.

Die Exponate, von denen sich das Museum in den vergangenen Wochen getrennt habe, seien allesamt "nicht nur doppelt und dreifach, sondern x-fach im Bestand vorhanden, haben keinen historischen Wert oder das Museum hat keine Verwendung mehr dafür", erläutert Plößner. "So wurden beispielsweise ausgestopfte Tiere abgegeben, die in den 1960er Jahren in jedem Museum zu finden waren, aber heute einfach nicht mehr zeitgemäß sind."

Eine Entsammlungsaktion bedeute viel Arbeit, da die im Inventar verzeichneten Objekte erfasst, schriftlich und bildlich dokumentiert und erst dann aus dem Bestand genommen werden können, informiert sie. Alles sei strikt geregelt. Die Abgabe der Exponate erfolge nach den strengen Richtlinien des Deutschen Museumsbundes, nach denen Objekte zuerst an andere Museen vermittelt werden müssen und erst dann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dies sei in den vergangenen Wochen und Monaten geschehen.

"Es bleiben immer noch 25.000 Exponate übrig, die es zu verwalten gilt", merkt die Kulturmanagerin an und macht deutlich. "Künftig schaffen es nur Exponate dauerhaft in die Sammlung, die einen Bezug zu Grafenwöhr haben oder die eine Geschichte und damit einen größeren Zusammenhang erzählen können." Das Museum nehme deshalb gerne weiterhin Exponate entgegen, allerdings erfolge die Auswahl unter strengeren Kriterien als bisher.

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