30.12.2018 - 14:47 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Ein Leben am Backofen

Brot aus einem Holzbackofen wie dem der Stadtmühle steht bei Kennern hoch im Kurs. Doch die Kunden von Hans Speckner müssen sich nun umorientieren. Genauso wie er selbst.

von Renate GradlProfil

Am Samstag war für Johann Wolfgang Speckner, wie er urkundlich heißt, der letzte Backtag in der Stadtmühle. "1,8 Millionen Brote werden es schon gewesen sein, die ich in den vergangenen 35 Jahren gebacken habe", mutmaßt Hans Speckner. Ab 1954 haben Theresia Speckner, die Mutter von Hans und seine Tante Anna Brot gebacken und verkauft. 1983 stieg der Sohn mit ein, bis er 1995 die Stadtmühle übernahm. "Mein Großvater kommt von der Schaumbachmühle", erklärt Speckner. Aber das genaue Alter der Stadtmühle ist ihm nicht bekannt. Nur soviel: "Im 30-jährigen Krieg vor 400 Jahren gab es sie bereits."

Geöffnet war die Stadtmühle zuletzt täglich, außer am Montag. Der Hauptgeschäftstag war der Samstag, an dem rund 150 Kilogramm Teig zu 180 Broten verarbeitet wurden. In der Mehrzahl entstanden Roggen/Weizen-Brote. "Aber seit 1988 wurden die Dinkelbrote immer beliebter. Große Nachfrage gab es auch für den Zwiebelkuchen, der früher "Brotkuchen" genannt und mit Schweinefett zubereitet wurde", erklärt der Diplom-Kaufmann für Betriebswirtschaft, der auch in der Stadtmühle zur Welt kam.

Es sind Altersgründe, die den nun 66-jährigen dazu bewegten, die Stadtmühle zu schließen. Seine großen Stützen waren sein Bruder Willi in der Backstube und seine Schwester Franziska im Verkauf. Aber wie heißt es so schön: "Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an ..." Bei Hans Speckner fängt nun ein etwas anderes Leben an, als bisher. Sein Schwerpunkt liegt nun darin, sich um behinderte Menschen als deren Betreuer zu kümmern.

Einmal im Jahr wird Hans Speckner den Holzbackofen trotzdem anschüren, und zwar bei der traditionellen "Italienischen Nacht" im August, die 1988 sein Bruder Josef als DJK-Veranstaltung ins Leben gerufen hatte. Vielleicht gibt es auch schon bald einen "Backofenverein", zu dem Bürgermeister Edgar Knobloch angeregt hat. Ein erster Besprechungstermin soll bereits im Januar sein.

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