22.09.2020 - 12:54 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Nach Liebe und nicht nach Leistung urteilen

Erfreuliches aus der Pfarrgemeinde Grafenwöhr: Ab sofort hat sie wieder eine Gemeindepraktikantin. In den Gottesdiensten am Wochenende stellt sich die 23-jährige Andrea Zeller aus Altenstadt /WN den Gläubigen vor.

Stadtpfarrer Bernhard Müller heißt zusammen mit Gemeindereferentin Christine Gössl (rechts) die neue Praktikantin Andrea Zeller (Mitte) in der Pfarrgemeinde willkommen
von Autor AZProfil

„Ich freue mich, im kommenden Jahr mit Ihnen und Euch allen im gemeinsamen Glauben unterwegs sein zu dürfen“: Nach fünfjährigem Studium der Katholischen Theologie in Regensburg wird Andrea Zeller in der Pfarrgemeinde Heiligste Dreifaltigkeit als Pastoralassistentin im Vorbereitungsjahr weitere Praxiserfahrung sammeln. Für die gute Aufnahme dankte sie sowohl Stadtpfarrer Bernhard Müller als auch Gemeindereferentin Christine Gössl.

Stark geprägt vom Elternhaus sei für sie von Kindheit an der Gottesdienst mit der Familie fester Bestandteil eines jeden Sonntags gewesen, erzählte Zeller den Gläubigen in den Gottesdiensten am Samstag und Sonntag. Gleich nach der Erstkommunion habe sie sich aktiv in die Gemeinde eingebracht, unter anderem als Ministrantin, Gruppenleiterin, Planschreiberin, bei den Sternsingern, als Lektorin und Kommunionhelferin sowie als Mitglied im Sachausschuss Liturgie.

Mit dem Tagesevangelium „Die Letzten werden die Ersten sein“, das bekannte Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, setzte sich, anstelle von Zelebrant Stadtpfarrer Bernhard Müller, die junge Frau in der Predigt auseinander. Ein Gleichnis, das vom menschlichen Verständnis her "nur so strotzt“ von Ungerechtigkeit und unbedingt erklärungsbedürftig sei: Da heuert ein Gutsherr mehrmals am Tag auf dem Markt Männer an, um in dessen Weinberg zu arbeiten. Jene, die von früh bis abends bei Hitze schufteten, bekommen denselben Lohn – nämlich einen Denar – wie jene, die erst kurz vor Feierabend dazukommen.

„Unser Gerechtigkeitssinn und Verständnis von Fairness geraten da erst einmal ins Wanken“, räumte Zeller ein. Doch sie betrachtete die Situation tiefer. Jesus, so ihre Überzeugung, habe mit diesem Gleichnis keineswegs zu Ungerechtigkeit anstacheln, vielmehr etwas anderes vermitteln wollen: Wie der Gutsbesitzer seine Arbeiter nicht nach Leistung bezahlt habe, so beurteile auch Gott die Menschen nicht nach ihren vorab erbrachten Leistungen im Glauben.

„Kleine Werke können in Gottes Augen ebenso wertvoll sein wie große. Und, elementar wichtig und tröstlich: ‚In Gottes Weinberg ist Platz für jeden Einzelnen, egal ob er den ganzen Tag schwer schuftet oder erst vor Sonnenuntergant dazustößt oder gar erst am Lebensende zum Glauben kommt'", erläuterte die Gemeindepraktikantin. Gemeint im übertragenen Sinn bedeute dies, dass jeder Mensch auf die Gnade Gottes zählen und dürfe - ohne in Vorleistung treten zu müssen.

Andrea Zellers Fazit: Getragen von dieser Gewissheit gelte es, sich selbst zurückzunehmen, sich nicht mit anderen zu vergleichen, keine vorschnellen Urteile zu fällen – auch wenn dies schwerfalle. Gott sei es, der eines Tages sein Urteil spreche. „Aber wir dürfen auf seine unberechenbare Barmherzigkeit hoffen. Vielleicht gelingt es, zumindest manchmal im Alltag, die Logik Jesu anzuwenden, die nach Liebe und nicht nach Leistung urteilt und damit sprichwörtlich die Verhältnisse umkehrt: Die Letzten werden die Ersten sein.“

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