12.01.2021 - 12:09 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Ein Macher, Seelsorger und Stammtischbruder geht: Abschied von Pfarrer André Fischer

Gottesdienst feiern und das Evangelium verkünden – das hat der evangelische Pfarrer André Fischer in der Vergangenheit in Grafenwöhr und Pressath oft gemacht, am Sonntag nun zum letzten Mal.

Pfarrer André Fischer bei seiner letzten Predigt in der Grafenwöhrer Friedenskirche.
von Renate GradlProfil

Seine letzte Predigt konnte Pfarrer André Fischer coronabedingt nicht in seiner "geliebten kleinen roten Michaelskirche" in Grafenwöhr sprechen. "Aber irgendwie passt es auch zu Grafenwöhr, dass wir diesen Gottesdienst in diesen besonderen Zeiten hier in der katholischen Pfarrkirche feiern, wo wir in all den Jahren unzählige ökumenische Gottesdienste miteinander gefeiert haben", betonte der Pfarrer, der die evangelische Kirchengemeinde Grafenwöhr-Pressath nun verlassen und nach Fürth wechseln wird.

"Egal, wie kalt es in dieser Kirche war, mit euch beiden (Anmerkung der Redaktion: Gemeint sind Pfarrer Bernhard Müller und Gemeindereferentin Christine Gößl) war einem hier vorne immer warm uns Herz. Vielen Dank, dass wir hier sein durften", sagte Fischer. "Ökumene" – dieses Wort fiel im Abschiedsgottesdienst auch noch öfter. "Wenn die ganze Welt in versöhnter Verschiedenheit leben könnte, wäre die Welt wahrlich ein besserer Ort", war sich der Prediger sicher. Ein Klein-Klein- und ein Kirchturmdenken könne sich heute niemand mehr leisten.

In Fischers Predigttext drehte es sich außerdem darum, dass die Menschen ihre Gaben nutzen sollten, wie beispielsweise, zu trösten, barmherzig zu sein oder füreinander zu beten. "Ich bin fest davon überzeugt, diese offene, herzliche, freundschaftliche ökumenische Atmosphäre hier in unserer Region haben wir nicht zuletzt auch deswegen, weil wir jeden Sonntag füreinander beten", so der Pfarrer, der auch die Fürther einladen möchte, die ökumenische Fürbitte zu beten.

Leider sei in diesen Zeiten vieles nicht möglich, wie einen Seniorennachmittag oder einen Grillabend mit Jugendlichen zu halten, oder auch Kranke und Einsame zu besuchen. Auch bei Paulus war das damals ähnlich. Trotzdem habe er wie kaum ein anderer die Menschen erreicht, christliche Gemeinden gegründet und sie lebendig erhalten. Er hat Briefe geschrieben. Genau das können wir auch heute tun in der Pandemie. Und wir sollen auf Gott vertrauen, sagte der Pfarrer.

Pfarrer André Fischer stellt sich neuen Herausforderungen in Fürth

Grafenwöhr

Fischer ging auch der Frage nach, ob Gottesdienste in diesen Zeiten wichtig seien. Seine Antwort: "Unter Einhaltung aller gebotener Hygieneregeln ist es richtig und wichtig und keine Nebensächlichkeit, dass Gottesdienste gefeiert werden, auch wenn nur Wenige kommen." Der Prediger beantwortete im Sinne von Paulus außerdem die Frage, was Gott in diesen Zeiten von uns will? Wir sollten bescheiden und maßvoll leben, indem wir uns füreinander einsetzen, einander zuhören und gemeinsam anpacken, meinte er. "All das haben wir gemeinsam in den vergangenen Jahren zumindest versucht, egal, ob es im Kirchenvorstand oder im Team des ,Kinderhauses Kunterbunt‘ war."

"Wir müssen uns jetzt von einem ,Gotteskind‘ verabschieden, und ich tue das mit einem lachenden und einem weinenden Auge", sagte Pfarrerin Anne Utz aus Eschenbach. Der stellvertretende Landrat Albert Nickl formulierte es mit einem Liedtitel von Roger Wittaker: "Abschied ist ein scharfes Schwert." "Ich habe Pfarrer Fischer als exzellenten Prediger und standhaften Demokraten schätzen gelernt. Sein christlicher Glaube ist sein festes Fundament. Er geht auf die Menschen zu und ist mir ans Herz gewachsen", gestand Nickl. Er, der immer offen für Neues ist, werde frischen Wind nach Fürth bringen.

Danke sagten auch die Bürgermeister von Grafenwöhr und Pressath. Edgar Knobloch (Grafenwöhr) brachte es auf den Punkt: "Pfarrer Fischer hat nicht nur das Wort Gottes verkündet, sondern ist auch in der Gesellschaft fest verwurzelt. Er hat Sachen angepackt, wie es bei der Generalsanierung der roten Michaelskirche war, die zu Grafenwöhr gehört. Er hat die Menschen zusammengebracht und motiviert, einen positiven Blick auf die Dinge gehabt und seine ehrliche Meinung gesagt." Knobloch nannte auch den gemeinsamen Stammtisch "Don Camillos, Peppone und Pauker", den Fischer als "gute Sach" ansah. "Ich werde Dich vermissen, lieber André." Mit einem "Auf Wiedersehen" verabschiedete sich Knobloch bei Fischer.

"Du bist ein Original. Bleib', wie du bist", wünschte Bürgermeister Bernhard Stangl (Pressath) und hoffte für ihn auf viele Umarmungen und Freude am Leben. "Vergelt's Gott" sagte der katholische Pfarrer Edmund Prechtl aus Pressath – auch im Namen der Gemeinden Burkhardsreuth und Schwarzenbach – für das gute Miteinander. "Gute und erfüllte Jahre", wünschte Pfarrer Bernhard Müller, dazu "viel Kraft und Gottes Segen". "Ich hätte nicht gedacht, dass du es schaffst, vor mir wegzugehen und ich hoffe, dass beide – die katholische und evangelische Pfarrstelle – neu besetzt werden", sagte Müller, der sich für die Freundschaft und für die guten Beziehungen bedankte.

Diakon Karl Rühl, der Geschäftsführer des Diakonischen Werks in Weiden, bedankte sich ebenfalls bei Fischer, der als Diakoniebeauftragter eine "volle Scheune" eingefahren hat. Außerdem habe er dem Dekanat Stabilität und Selbstvertrauen gegeben. Die "guten Gespräche" in der Landessynode wird Cornelia Treml vermissen.

Pfarrer Fischer war auch der "Senior des Pfarrkapitels" beziehungsweise der Vertrauenspfarrer für die Kollegen im Dekanat. Pfarrer Christoph Zeh aus Erbendorf, sein Stellvertreter, brachte seinen Dank fränkisch und gereimt rüber. Er sprach von "segensreichen Zeiten" und zog das Fazit über den Weggang: "Wenn's sei muh, muh's halt sei..."

Hartmut Seidler, der Vertrauensmann des Grafenwöhrer Kirchenvorstandes, und Christoph Franzeck bedankten sich abschließend bei Fischer. "Du hast der Jugend bis hin zu den Senioren Leben eingehaucht, warst Architekt und Baumeister und bist ein großer Mensch und Seelsorger. Wenn du gehst, dann nicht für immer. Wir finden dich..." Für die Motivation, den Mut und die Kraft, die Fischer den Jugendlichen gegeben hat, gab es für den Pfarrer zum Abschied stellvertretend für das Konfi-Team von Sabine Maier ein graviertes Glas. Am Geschenke-Tisch waren außerdem Spezialitäten in Form von Oberpfälzer Zoigl-Bier, Fürther Bier, Wein aus Niederösterreich, Schafkopfkarten, das Landkreisbuch, eine Krippe, ein Lichtkreuz, ein Fotobuch mit Ökumene-Bildern sowie eine Foto-Collage. Organist Walter Thurn und die Solisten des Chores New Voices umrahmten den Abschiedsgottesdienst musikalisch.

Der Abschiedsgottesdienst des evangelischen Pfarrer André Fischer findet wegen den Abstandsregeln in der katholischen Friedenskirche statt.
Dekan Thomas Guba entbindet Pfarrer André Fischer von seinen Pflichten für die Kirchengemeinde Grafenwöhr-Pressath.
Stammtischbruder Bürgermeister Edgar Knobloch (rechts) will Pfarrer André Fischer gar nicht gehen lassen.
Ein Lichtkreuz gibt es von Dekan Thomas Guba.
Abschied mit Abstand und Masken, von links: Dekan Thomas Guba, Pfarrer André Fischer, Pfarrerin Anne Utz und Pfarrer Bernhard Müller.
Solisten des Chores New Voices umrahmen den Gottesdienst musikalisch.
Walter Thurn an der Orgel.

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