Grafenwöhr
08.11.2024 - 15:52 Uhr
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Neue Amberger Straße in Grafenwöhr: Stadträte diskutieren über Plakattafel

Ein Grundstückseigentümer möchte auf seinem Hof von einer Firma ein großes Werbeplakat mit Beleuchtung anbringen lassen. Im Bauausschuss ist man geteilter Ansicht. Einer denkt an den "Times Square in New York". Dem Nachbar gefällt es nicht.

"Solche Dinger lenken ab", ist Stadtrat Thomas Schopf (FWG) überzeugt. In der vergangenen Sitzung des Bauausschusses im Rathaus in Grafenwöhr am Montag diskutierten die Räte über ein Thema, das wohl jede Stadt betrifft. Wie geht man mit Plakatwerbung um?

Jeder, der im Verkehr unterwegs ist, kennt sie: Plakatwerbung. An Bauzäunen, Hauswänden oder Anschlagsäulen – mit lachenden Gesichtern, den neuesten Automodellen oder herzhaften Burger-Semmeln. Nun musste sich auch der Bauausschuss in Grafenwöhr mit einem solchen Fall beschäftigen. Nicht zum ersten Mal, denn in der Stadt hängen bereits solche Werbetafeln im Großformat.

Der Antragsteller, eine auf Außenwerbung spezialisierte Firma aus Baden-Württemberg, stellte hierfür – wie es üblich ist – einen "Bauantrag" für die "Errichtung einer beleuchteten einseitigen Plakattafel". Das entsprechende Grundstück liegt nach Angaben der Stadt im unbeplanten Innenbereich. Ob das baurechtlich zulässig ist, regelt §34 im Baugesetzbuch (BauGB).

Plakat wird beleuchtet

Schopf kam auf ein Beispiel zu sprechen, in dem schon einmal eine Plakatwerbung entfernt werden musste, weil diese auf den umliegenden Verkehr einwirkte. Dieses Grundstück samt vermietetem Geschäftshaus liegt in der Neuen Amberger Straße – diese ist viel befahren. Thomas Schopf meinte zu Beginn: "Irgendwann sieht es aus wie am Times Square in New York. Der nächste will eine LED-Wand, wie im Fußballstadion."

Hier handelt es sich allerdings um eine reguläre Plakatwand, die von einer Lampe beleuchtet wird, also nicht komplett im Licht erstrahlt oder blinkt. Thomas Schopf plädierte dafür, einheitlich zu entscheiden, ob so etwas künftig generell in Grafenwöhr möglich sei oder nicht. "Wenn, dann müssen wir alle über einen Kamm scheren", meinte er.

Da hakte Kathrin Regler von der Bauverwaltung seitens der Stadt Grafenwöhr ein. "Das ist ein Bauantrag", verdeutlichte sie. "Wir können keinen Grundsatz-Beschluss fassen. Wir prüfen jeden Bauantrag im Einzelfall." Hier müsse festgestellt werden, ob die Plakattafel sich ins Stadtbild einfüge oder nicht. Bei einer Zustimmung erfolgt außerdem die weitere Überprüfung des Landratsamts.

Plakat zeige "lebendige Stadt"

Stadtrat Gerald Morgenstern (CSU) zeigte die positive Seite einer Werbetafel auf. "Reklame ist auch ein Zeichen einer lebendigen Stadt", sagte er. "Eine Ortschaft, in der kein Wirtshaus offen hat, ist tot". Er kam auf die Werbetafel in Weiden am Josefshaus zu sprechen: "Das ist die moderne Art, wie man Reklame macht." Wenn es vom Baurechtlichen her passe, sei es für ihn in Ordnung. Allerdings sollten auch die Nachbarn damit einverstanden sein.

Anita Heßler, die seit dem Unfall des ersten Bürgermeisters Edgar Knoboloch vor einigen Wochen ihres Amtes als Stellvertreterin waltet, sagte, sie habe einen Anruf des Nachbarn bekommen. Unterschrieben habe er nicht. Offenbar störe es beim Blick aus dem Fenster, eine "größere Wand vor Augen" zu haben. Der Nachbar würde das Plakat lieber woanders im Hof sehen oder stattdessen einen Platz auf seinem eigenen Grundstück anbieten. So wäre die Plakattafel nicht mehr in seinem direkten Blickfeld. An der Wand des dort angrenzenden Holzstodls des Nachbarn hängt bereits eine Werbetafel.

Werbe-Inhalt unbekannt

Stadträtin Lisa Brandl (FWG) fragte nach, wer hier überhaupt Werbung machen könne. Da es sich um eine bundesweit tätige Firma handelt, sei der Werbe-Inhalt der Tafel wohl wechselnd und nicht unbedingt örtlich begrenzt. Thematisch wurde laut Angaben der Stadt nichts festgelegt.

Architekt und Stadtrat Reinhold Krausch (CSU) sah das Vorhaben aus Planersicht eher kritisch. Verkehrsrechtlich soll seiner Ansicht nach das Landratsamt entscheiden, wie vorgesehen. Dies lasse er bei seiner Meinung unberücksichtigt. Er betonte allerdings: "Wir schaffen einen Präzedenzfall, es kann ja sonst irgendeine Werbung drauf sein. Es kann schön aussehen oder scheiße. Fügt es sich ins Ortsbild ein – ja oder nein?", fragte er sich. Mit einer Bildmontage im Originalfoto des besagten Grundstücks zeigte Heßler den Mitgliedern des Bauausschusses, wie die Plakattafel dort am Ende aussehen könnte.

Alternativlösung der Nachbarn

Der Eigentümer des Grundstücks hat offenbar selbst von der gegenüber Heßler favorisierten Alternativlösung des Nachbarn noch nichts mitbekommen, wie er auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien im Nachgang der Sitzung in einem Telefonat schildert. Die Firma für Außenwerbung sei auf ihn zugekommen, nicht umgekehrt. "Die suchen immer Objekte für Werbetafeln, die für sie interessant sind." Vor Ort sei das Unternehmen in der Region bekannt, gelte als "seriös". Von dem aktuellen Fortschritt des Bauvorhabens bekomme der Grundstückseigentümer wenig mit, wie er sagt. Die Firma regle alles für ihn. Wie viele Einnahmen er durch eine solche Werbetafel bekommen könnte, wollte er nicht preisgeben. Für die Firma selbst war die Presseanfrage wegen einer Verbandstagung auf die Schnelle von der Geschäftsführung nicht zu beantworten, hieß es auf Anfrage.

Tausende Werbeanlagen "zieren" die Straßen, ist beispielsweise auf der Online-Plattform "wirmietenihrewerbefläche.de" nachzulesen – einem der vielen Anbieter, die sich am Werbemarkt tummeln. Verträge von fünf bis zehn Jahren seien Standard. Für eine "Großfläche" seien den "Erfahrungswerten" zufolge, wie auf der Homepage geschrieben wird, Mieteinnahmen zwischen 100 und 2000 Euro pro Werbefläche und Jahr möglich. Die "am häufigsten gezahlten Mieten" liegen zwischen 400 bis 1.200 Euro. Auch andere Anbieter nennen bis zu vierstellige Summen.

Im Bauausschuss fiel die Entscheidung letztlich denkbar knapp aus. Sechs Stadträte stimmten dafür, fünf dagegen. Die erleuchtete Plakattafel in der Neuen Amberger Straße darf – zumindest seitens der Stadt Grafenwöhr – gebaut werden. Ob sie wirklich an der ursprünglich vorgesehenen Stelle montiert wird oder ob die Nachbarn sich untereinander noch einigen und möglicherweise die Plakattafel als neues Bauvorhaben andernorts auf den Tisch der Stadträte kommt, wird sich zeigen. Nun liegt erst mal die weitere Entscheidung beim Landratsamt.

Hintergrund:

Wie Plakatwerbung wahrgenommen wird

  • 2023: Rund 26,69 Millionen Menschen ab 14 Jahren kommen täglich oder fast täglich an Anschlagsäulen oder Tafeln mit Werbebeschlägen vorbei, wie die Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse ermittelt hat.
  • "Out-of-Home"- oder Außenwerbung: Gemeint ist Werbung im öffentlichen Raum, unter anderem Plakatwerbung, Schaufensterwerbung oder Werbung auf Fahrzeugen, auch auf öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • Nettoumsätze der Außenwerbung: In Deutschland im Jahr 2020 rund 988 Millionen Euro, damit rund 240 Millionen Euro weniger als noch im Vorjahr. Dabei spielte die Corona-Pandemie eine Rolle. Der Anteil von Außenwerbung an den Werbeausgaben gesamt ist mit knapp fünf Prozent verhältnismäßig niedrig, aber tendenziell wachsend.

Quelle: Statista Research Department, 17.10./28.02.2024

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