19.08.2020 - 12:38 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Probleme teils noch nicht verraucht: Wirte aus Landkreis Neustadt und Stadt Weiden zum Rauchverbot-Jubiläum

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Qualmende Zigaretten müssen in bayerischen Wirtshäusern draußen bleiben. Seit zehn Jahren bereits gilt das Rauchverbot. Im Landkreis Neustadt und in der Stadt Weiden finden es viele Wirte noch immer gut, zwei schlagen aber andere Töne an.

Die Zigaretten bleiben aus - zumindest im Inneren von Wirtshäusern und Kneipen. Seit zehn Jahren schon gilt in Bayern dieses Gesetz.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

"Bei uns haben sich die Leute dran gewöhnt", gibt Anni Lang zum Thema "Zehn Jahre Rauchverbot in bayerischen Wirtshäusern" am Telefon Auskunft. Die Seniorchefin der Gaststätte "Zur Holzmühle" bei Schlammersdorf ist froh darüber, dass die Gäste die Gaststube nicht mehr vollqualmen. "Den Nebenmann hat es ja doch gestört", erinnert sie sich. Und nicht nur das - auch die Vorhänge mussten damals, als die Raucher noch nicht vor die Tür gehen mussten, öfter gewaschen werden. Der Rauchgeruch setzte sich nämlich im Stoff fest. Durch das Rauchverbot sei aber nun eine gewisse Unruhe entstanden, sagt sie. Denn immer dann, wenn sich die Raucher eine Zigarette anzünden wollen, müssen sie aufstehen und durch die gesamte Wirtsstube nach draußen gehen. So viel wie früher werde allerdings eh nicht mehr geraucht, hat sie den Eindruck.

Ein Grafenwöhrer Wirt, der namentlich nicht genannt werden will, findet das Rauchverbot ebenfalls gut - obwohl er selbst Raucher ist. "Für die Leute ist es so angenehmer, und man gewöhnt sich dran", sagt er. Schwierigkeiten, das Verbot in seiner Stube umzusetzen, habe er damals nicht gehabt. "Wir haben das einfach akzeptiert."

Ein Urteil des Verfassungsgerichtshofs zum Thema Rauchverbot aus dem Jahr 2011

Stammtische weggebrochen

Grundsätzlich positiv zu dem Thema eingestellt ist auch Anton Gürtler. Doch der Besitzer des "Binnerschreiner" in Tännesberg nennt auch Probleme, die mit dem Rauchverbot vor zehn Jahren auftraten. "Die Leute haben es größtenteils schon akzeptiert, aber es sind auch einige Stammtische weggebrochen, die nicht mehr gekommen sind, weil sie nicht mehr rauchen dürfen", berichtet er. Für seinen Gasthof, der eher ländlich liegt, sei das schon von Bedeutung. "Wir sind nicht in der glücklichen Lage, dass Tausende Leute vorbeispazieren." Gürtler beobachtet auch, dass sich die Verweildauer der Gäste geändert habe. "Raucher rennen sofort wieder raus. Es ist nicht mehr das gemütliche Beisammensein, weil die Hälfte oder ein Drittel draußen beim Rauchen steht." Durch das Rauchverbot im Innenraum werden Party-Gesellschaften zerrissen, findet er. Der Wirt erinnert sich außerdem daran, dass bei Inkrafttreten des Gesetzes gesagt wurde: "Für einen Raucher kommen zehn Nichtraucher." "Auf die zehn Nichtraucher warte ich heute noch", merkt er an. Für die meisten seiner Gäste sei das Verbot mittlerweile aber kein Thema mehr. "Es ist bei der Bevölkerung angekommen, dass es so ist, und sogar Raucher sind dafür, dass sie andere nicht beim Essen stören."

Wunsch nach Raucherkneipen

Ein wenig anders sieht das Robert Drechsel. Der Vorsitzende der Kreisstelle Weiden-Neustadt des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes sagt: "Ein Thema ist es ganz sicher immer noch, allerdings nicht für jede Art von Gastronomie." Der Weidener, der das Schmankerlwirtshaus "Zum Alten Schuster" betreibt, ist der Meinung, dass das Rauchen zwar nicht mehr in Speiselokale, wohl aber in Kneipen gehört. "Die Kartenspieler-Stammtische haben sich in private Party-Keller verzogen", bedauert er. Drechsel spricht sich deshalb für mehr Gleichberechtigung zwischen Raucher und Nichtraucher aus. Er wünscht sich für Bayern Raucherkneipen, an deren Türen Schilder eben darauf hinweisen. "Dann weiß ich das und muss als Nichtraucher ja nicht rein gehen", sagt er. Diese Variante gebe es bereits in anderen Bundesländern, warum nicht auch in Bayern, fragt er sich. "Es ist nicht schön, wenn Raucher bei Wind und Wetter - wie der Hund vor die Metzgerei - vor die Tür müssen."

Hintergrund:

Rauchverbot seit August 2010

Es war deutlich: 61 Prozent der Bayern entschieden sich am 4. Juli 2010 in einem Volksentscheid für ein strenges Rauchverbot in Gaststätten, Clubs, Kneipen und Bierzelten. Am 1. August trat das Verbot in Kraft. Die bis dahin geltende Regelung, die das Rauchen in Nebenräumen von Wirtshäusern, in kleinen Einraumkneipen und in Bierzelten erlaubte, war damit Geschichte. Seither müssen die Wirte im Freistaat ihre Gäste zum Qualmen vor die Tür schicken. (dpa)

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