14.12.2020 - 11:16 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Schulhund Winnie, ein tierischer Begleiter im Unterricht

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Die Grund- und Mittelschule Grafenwöhr hat seit diesem Schuljahr einen tierischen Neuzugang. Schulhund Winnie, ein Kleinpudel, begleitet Lehrerin Ingrun Allwardt in den Unterricht und spornt die Schüler zu mehr Freude am Lernen an.

Winnie ist der Superstar in der Klasse 3b. Stolz trägt er seine Marke "Schulhund".
von Stefan NeidlProfil

Wer das Klassenzimmer der 3b in der Grafenwöhrer Grund- und Mittelschule betritt, dem sticht gleich etwas ins Auge: apricotfarbenes Fell, strahlende Knopfaugen und ein echt lieber Charakter. Schulhund Winnie hat das Klassenzimmer erobert. Der Kleinpudel ist seit diesem Schuljahr der Superstar an der Grund- und Mittelschule.

Klassenlehrerin Ingrun Allwardt ist Winnies Frauchen. Der eineinhalb Jahre alte Hund begleitet sie ein bis zwei Mal in der Woche zur Arbeit. Dort ist Winnie auch im Kollegium gerne gesehen: Morgens holt er sich im Sekretariat erst einmal Leckerlis und Streicheleinheiten von Schulleiterin Anja Bräu und Verwaltungsangestellter Diana Kraus ab, bevor es in den Unterricht in den zweiten Stock geht.

Pausenbrot gefressen

Dort zieht Winnie dann sein Ding durch: Hin- und wieder schlendert er durch die Reihen, schnüffelt mal hier, mal da und legt sich auch gelegentlich zu Füßen der Kinder nieder. Wenn man nicht aufpasst, klaut er auch schon mal das Pausenbrot aus der Schultasche. Meist döst er aber unter dem Pult von Allwardt: Dort hat sie ihm extra einen Rückzugsort eingerichtet, an dem er sich wohl fühlt und nicht gestört werden darf. Die Klasse hat einige solcher Winnie-Regeln aufgestellt, die befolgt werden müssen. Ebenso wie den Winnie-Dienst, der sich um das Auffüllen des Trinknapfs kümmert.

"An Winnie-Tagen herrscht ein ganz anderes Klima in der Klasse. Die Kinder sind ruhiger, entspannter, achten mehr aufeinander."

Klassenlehrerin Ingrun Allwardt

Wer nun meint, die Flauschkugel würde die Kinder beim Lernen stören, sieht sich getäuscht – die Schüler gehen viel motivierter in die Schule, viele würden gerne in die 3b wechseln. "An Winnie-Tagen herrscht ein ganz anderes Klima in der Klasse. Die Kinder sind ruhiger, entspannter, achten mehr aufeinander", erklärt Allwardt. Dazu kommt der pädagogische Effekt: Die Kinder lernen den Umgang mit dem Vierbeiner und ihn zu respektieren, er hilft ihnen auch beim Abbau von Stress.

Auch die St. Felix Schule in Neustadt/WN hat einen Schulhund

Neustadt an der Waldnaab

Winnie ist schüchtern bei Fremden

Schon der Vorgänger von Schulleiterin Anja Bräu, Thomas Schmidt, wollte immer einen Schulhund haben. Darum hat sich Allwardt den Kleinpudel ausgesucht: "Er ist allergiefreundlich, ist kinderlieb, hat ein nettes Wesen." Von klein auf hat sie ihn an Kinder gewöhnt, so dass ihn das Chaos, das in einer Grundschule schon mal auftreten kann, gar nicht stört. Nur bei fremden Menschen irritiert ihn die Corona-Maske. "Hunde lesen viel aus der Mimik ab. Die Maske verdeckt sie, und der Hund kann Unbekannte schlecht einschätzen", informiert sein Frauchen. Darum sei er anfangs etwas schüchtern. So erging es auch Bürgermeister Edgar Knobloch, selbst Hundebesitzer, der sich Winnie persönlich vorstellen wollte. Erst durch die Übergabe eines Spielzeugknochens als Begrüßungsgeschenk schenkte ihm Winnie seine Aufmerksamkeit.

Winnie ist zertifizierter Schulhund. Das heißt er hat gemeinsam mit Allwardt eine Ausbildung mit 80 Übungsstunden und Tests bei der Hundeschule "Familienhund - Bavaria" in Nürnberg absolviert. Zum Trainingsprogramm gehörten theoretischer Unterricht, Rechtskunde, das Verstehen der Körpersprache des Hundes, Streitschlichtung, Einsatzmöglichkeiten in der Schule und das Erkennen von Stressfaktoren. Die 800 Euro teure Ausbildung hat Allwardt selbst bezahlt und darf sich nun auch Schulhundeführerin nennen.

Neue Aufgaben als Schulhund

Schulleiterin Anja Bräu stand von Anfang an hinter dem Projekt "Schulhund". Als Rektorin musste sie ihm unter Einhaltung von Ministeriumsvorgaben und Hygienevorschriften ihren Segen geben. Diese seien strenger als beim Halten eines normalen Hundes. Medizinische Untersuchungen und Behandlungen müssten öfter durchgeführt werden und gingen auch ins Geld. Für Allwardt ist der Nutzen den Aufwand aber Wert.

Für die Zukunft soll der Schulhund noch mehr in den Unterricht eingebunden werden. Es könnte Veranstaltungen zum Thema Haustiere geben, verschiedene Aktionen könnten den Umgang mit Vierbeinern fördern. Allwardt bemerkte bereits viele positive Effekte: Ein Mädchen hatte anfangs Angst vor Hunden, heute führt sie Winnie ganz selbstverständlich an der Leine in den Schulhof. Die Kinder lesen Winnie auch gerne vor. Dies hilft ihnen beim Lesenlernen. Außer in ihrer eigenen Klasse gibt Allwardt gelegentlich auch Unterricht in anderen Gruppen, Winnie begleitet sie überallhin. So können noch mehr Schüler von ihm profitieren. Nur Kunststückchen zur Unterhaltung der Schüler will sie ihm nicht beibringen: "Wo anders dürfen Schulhunde ein Glücksrad drehen oder sich sonst wie zum Affen machen. Das kommt für Winnie nicht in Frage."

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