10.01.2020 - 09:13 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Sicherheitsmaßnahmen der US-Armee erhöht: Grafenwöhrer bleiben gelassen

Nach der Drohung des Irans gegen die USA gelten erhöhte Sicherheitsvorkehrungen auch an US-Stützpunkten in Deutschland. Inwiefern beeinflusst das das Leben der Grafenwöhrer als direkte Nachbarn? Eine Spurensuche.

Trotz erhöhter Sicherheit: Direkt neben der US-Armee gehen Kunden bei Alina Rice weiterhin ein und aus.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Die Straßen in Grafenwöhr und Netzaberg rund um den Truppenübungsplatz sind am Donnerstag fast menschenleer. An den Toren zum Militärgelände herrscht Alltag. Die Posten sind besetzt, wie immer. Einige Fußgänger gehen um die Mittagszeit durch das Tor in der Alten Amberger Straße.

Die Wachposten werfen einen Blick auf den Ausweis. Fahrzeuge sind nicht unterwegs. Für Deutsche gibt es keinerlei Anzeichen, dass wegen der aktuellen Situation in der Weltpolitik zwischen den USA und dem Iran die Sicherheitsvorkehrungen auch an den US-Stützpunkten in Deutschland erhöht wurden.

„So lange die Leute ins Wirtshaus gehen, ist alles normal“, lautet das Fazit des Jäger-Stammtischs, der sich jeden Donnerstag um 9 Uhr in der Zoiglstube „Zum Adler“ in Grafenwöhr trifft. Die Herren, alle im Ruhestand, kennen sich aus in der Stadt und mit dem Truppenübungsplatz. Schließlich haben einige von ihnen jahrelang dort gearbeitet. Erhöhungen von Sicherheitsstufen habe es immer wieder mal gegeben. Doch davon merken die Grafenwöhrer nichts. „Die Kontrollen werden vielleicht verstärkt, aber sonst bekommt man nichts mit“, erklärt einer. Ein weiterer wirft ein: „Vielleicht sind wir sogar noch sicherer, weil wir direkt am Truppenübungsplatz leben.“

Die alteingesessenen Grafenwöhrer am Jäger-Stammtisch nehmen die Erhöhung der Sicherheitsstufe auf dem Truppenübungsplatz gelassen.

Die Mitteilung zu Beginn dieser Woche richtete sich an US-Soldaten und ihre Angehörigen. Verdächtige Beobachtungen sollen sie der Militär- oder der deutschen Polizei melden. „Die Sicherheit unserer Soldaten, Zivilangestellten und deren Familien sowie aller Einrichtungen genießt unsere höchste Priorität“, teilt Franz Zeilmann, Pressesprecher bei der US-Armee Garnison Bavaria (USAG) mit. „Die Sicherheitsmaßnahmen auf und rund um die Standorte sind bereits sehr hoch und können jederzeit verschiedenen Situationen angepasst werden“, erklärt er. Über Einzelheiten und verschiedene Sicherheitsstufen könne er aber keine Auskunft geben.

Direkt am Tor, in der Änderungsschneiderei ihrer Mutter, arbeitet Alina Rice. Täglich sieht sie Menschen das Tor passieren. Von den erhöhten Sicherheitsmaßnahmen hat sie aus der Zeitung erfahren. „Bisher merken wir davon nichts. Alles ganz normal, aber es ist ja noch nicht lange her. Mal abwarten, wie sich das in den nächsten Tagen entwickelt“, sagt sie. Auch die Kontrollen seien wie immer. Die Grafenwöhrer scheinen nicht verunsichert durch die aktuellen Ereignisse. „Eine offizielle Mitteilung für die Stadt gab es nicht. Solche Meldungen aus der Weltpolitik sind generell nicht schön, aber es herrscht kein mulmiges Gefühl in der Stadt. Zumindest hat mich noch niemand darauf angesprochen“, erklärt Grafenwöhrs Bürgermeister Edgar Knobloch.

Grafenwöhr

Auch die Gastronomie merkt bisher nichts von der höheren Sicherheitsstufe. „Nein, das hat bisher keine Auswirkungen. Es sind derzeit eher noch weniger US-Soldaten oder Konvois zu sehen, weil sie sich ins Lager zurückziehen“, sagt Heinrich Böhm, Inhaber des gleichnamigen Hotels und Restaurants. Ob das mit der höheren Sicherheitsstufe zusammenhängt, weiß er aber nicht. Auch andere Gastronomen können bisher keinen Einbruch der Besucherzahlen feststellen. Bei einem hat sich für diese Woche sogar der General angekündigt. So lange der noch zum Essen komme, sei bestimmt alles in Ordnung, sagt er schmunzelnd. Was aber da „draußen“, auf dem Truppenübungsplatz, los ist, wisse er auch nicht.

„Es gibt keine Anhaltspunkte für eine erhöhte Gefährdung“, teilt auch Werner Stopfer mit. Der Eschenbacher Polizeichef betont, dass sich die Bürger in und um den Truppenübungsplatz keine Sorgen machen müssten. Auswirkungen hätten die Vorgänge in der Weltpolitik insofern auf die Region, dass die Sicherheitsvorkehrungen als Vorsichtsmaßnahme auch außerhalb des Truppenübungsplatzes erhöht würden. „Streifendienst und spezielle Überwachung“, nennt er als Beispiele, will darauf aber nicht näher eingehen. Von besorgten Bürgern sei die Polizei bislang nicht angesprochen worden.

„Derzeit besteht keine direkte Bedrohung unserer Militärstandorte, wir wollen aber trotzdem, dass unsere Leute extra vorsichtig sind und eventuelle Vorfälle und außergewöhnliche Beobachtungen melden“, erklärt Zeilmann.

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