25.01.2021 - 15:13 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Stadtrat Grafenwöhr beschließt moderne Verdunkelung für die Stadthalle

Der Raffstore hat ausgedient: In der sanierten Grafenwöhrer Stadthalle wird mit moderner Technik die Lichteinstrahlung gesteuert. Zugleich wird einem Aufheizen entgegengesteuert. Das kostet mehr, amortisiert sich aber über die Jahre.

Das Milchglas wird durch durchsichtiges Glas ersetzt, das sich noch verdunkeln lässt. So sollen Ausblick und Lichtschutz in der Stadthalle optimiert werden.
von Stefan NeidlProfil

Quasi ein "Stammgast" auf der Agenda des Stadtrats ist die Sanierung der Stadthalle – damit das über acht Millionen Euro teure Projekt auch nach den Wünschen der Lokalpolitiker gebaut wird. In der ersten Sitzung im neuen Jahr ging es diesmal um die Verdunkelung.

Im November hatte Architekt Reinhold Krausch vom m3-Planungsbüro den Räten eine Alternative zum traditionellen Raffstore vorgeschlagen: "Sage-Glass" wird elektronisch gesteuert und verdunkelt sich je nach Wunsch selbst.

Inzwischen ist die Größe der Glasflächen genau berechnet worden: Die Stadthalle benötigt 180 Quadratmeter für das geplante Foyer und 140 Quadratmeter für die Innenhalle. Insgesamt reduzierte sich die Planung durch die exakte Berechnung von 400 auf 320 Quadratmeter.

Die Mehrkosten betragen rund 96 000 Euro für das Foyer und 56 000 Euro für den Sportbereich. Dafür entfallen die regelmäßigen Wartungskosten, die Stadtbaumeister Hans Rettinger für 20 Jahre gerechnet auf 45 000 Euro schätzt.

Er hatte sich mittlerweile selbst schlau gemacht und die Vor- und Nachteile des neuen Glases aufgeschlüsselt. Dafür hatte er Kontakt zur Weberei Ernst-Feiler aus Hohenberg an der Eger gesucht, die das tönbare Glas vor drei Jahren eingebaut hatte. Bis auf einige Anlern- und Anfangsschwierigkeiten sei diese "voll zufrieden", berichtete Rettinger, und habe Vertretern der Stadt eine Besichtigung angeboten.

Die Vorteile seien, so der Stadtbaumeister: eine nahezu vollständige Verdunkelung, das Entfallen von Wartung und deren Kosten, der ungehinderte Ausblick nach draußen, eine automatische und manuelle Steuerung, die Unabhängigkeit vom Wetter, die Verdunkelung auch von Türen und Fluchtwegen, das Entfallen einer separaten Steuerung für den Brandfall und die lange Lebensdauer, die mit 30 Jahren angegeben wird.

Auf der Contra-Seite stünden der höhere Preis, die langen Lieferzeiten (zwischen 14 und 20 Wochen für Glas, 30 bis 32 Wochen für komplette Fensterelemente) – auch bei Beschädigungen – und die wenigen Anbieter, zählte Rettinger auf. Da die Arbeiten in der Halle laufen, müssten die Fenster bis zur Lieferung provisorisch geschlossen werden, was weitere 7000 bis 8000 Euro kosten werde.

Andererseits gebe es einen Kühleffekt durch die getönten Scheiben, so dass weniger Energie für die Kühlungsanlage aufgewendet werden müsse, merkte der Stadtbaumeister an. Nach 20 Jahren sollten die Mehrkosten durch die Ersparnisse von Energie und Wartung amortisiert sein.

Die Regierung der Oberpfalz habe bereits eine Förderungsbereitschaft signalisiert, teilte Rettinger mit. Darum sprach er sich in seinem Fazit für die "Sage-Glas"-Fenster aus. Innenrollos für eine komplette Verschattung bei Veranstaltungen mit Lichtshows sind bei beiden Varianten nötig.

Thomas Weiß (SPD) brachte eine Teillösung ins Spiel: das teure Glas für das Foyer und die traditionellen Außenlamellen für den Sportbereich. Thomas Schopf (FW) hielt die Gesamtlösung aufgrund der korrigierten niedrigeren Kosten für vertretbar.

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Timo Schön (SPD) war noch nicht überzeugt: "Wie oft scheint denn von Westen her die Sonne, so dass teures Verdunkelungsglas benötigt wird?", fragte er. Die Frage kam auf, ob denn eine variable Verdunklung überhaupt nötig sei, da bei Sport meist die Beleuchtung der Halle eingeschaltet sei.

Lisa Brandl (FW) hingegen sah den Kühleffekt und die damit verbundenen klimatischen Bedingungen zum Vorteil der Sportler. Bürgermeister Edgar Knobloch erinnerte an die "Windwächter" von Lamellen: Bei starken Böen fahren diese zum Selbstschutz automatisch ein – "und das war's dann mit dem Sonnenschutz".

Johannes Stauber (CSU) sah in der sanierten Stadthalle ein Aushängeschild für die Oberpfalz. Er will deswegen eine topmoderne Halle für die vielen Sportler und Veranstalter präsentieren können.

Der Stadtrat beschloss schließlich einstimmig die Verwendung des tönbaren Glases sowohl für das Foyer als auch für den Sportbereich. Dafür sollen nun die Ausschreibungen erfolgen.

Auch Verschattung und Verdunkelung sind nun beschlossen. Die Stadthalle soll einmal ein "Aushängeschild" der Oberpfalz werden, wie ein Stadtrat meint.

 

 

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