23.05.2019 - 09:17 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Training für den Geist

Viele Menschen haben Angst davor, vergesslich zu werden. Um ihnen diese Ängste zu nehmen, hat die Seniorengemeinschaft "Hand in Hand" deshalb zu einem Vortrag von Georg Pilhofer eingeladen.

Zahlreiche Besucher hören gespannt zu, was Gerontotherapeut Georg Pilhofer zum Thema Gedächtnistraining und Vergesslichkeit zu sagen hat.
von Walther HermannProfil

Zu regen Gesprächsrunden ging ein Mitgliedertreffen der Seniorengemeinschaft „Generationen Hand in Hand“ (GeHiH) über, bei dem sich der Diplom-Sozialpädagoge und Gerontotherapeut Georg Pilhofer mit dem Warnzeichen von Vergesslichkeit befasste und es verstand, auch diesem Thema eine heitere Note zu verleihen. „Weil man ja sonst verzweifeln müsste“, meinte Pilhofer. Dazu zeigte er den Teilnehmern ein Bild von einem Senior am Steuer, der einen Polizisten, der ihn wegen Raserei angehalten hatte, erklärte: „Ich muss schnell ans Ziel kommen, damit ich unterwegs nicht vergesse, wohin ich fahren möchte“.

Der Experte versicherte den 130 Zuhörern, dass die Lernfähigkeit im Alter vom Training während des ganzen Lebens beeinflusst und die Lernmotivation nicht von der Anzahl der Lebensjahre abhängig sei. Er räumte ein, dass es älteren Menschen an einer gewissen Lerntechnik fehle. Zur Frage „Haben Sie ein gutes Gedächtnis?“ fand Pilhofer Zustimmung mit der Antwort: „Im Alter lässt das Kurzzeitgedächtnis nach, während das Langzeitgedächtnis immer besser wird.“

Pilhofer unterteilte das Gedächtnis in drei Stufen: Das Ultrakurzzeitgedächtnis speichert Informationen etwa 20 Sekunden, das Kurzzeitgedächtnis rund 30 bis 60 Minuten und das Langzeitgedächtnis dauerhaft. Auf großes Interesse stießen die Darstellungen des Gehirns, das aus Großhirn, Kleinhirn, Hirnstamm und Limbischem System, dem emotionalen Zentrum, besteht. Der Referent ordnete den Gehirnhälften Zuständigkeiten wie Sprache, Analyse, Kreativität, Körpersprache oder Regeln. Pilhofer empfahl, das Gehirn täglich etwa 30 Minuten – stets am gleichen Platz – zu trainieren. Informationen werden besser gespeichert, wenn man sie leise vor sich hin spricht. Eselsbrücken helfen, indem man Informationen und mit anderem verknüpft. „Trainieren Sie so oft wie möglich Ihr Vorstellungsvermögen“, appellierte der Experte an seine Zuhörer.

Für Schmunzeln sorgten einige Zahlenvergleiche. Zum durchschnittlichen Hirngewicht von 1245 Gramm bei Frauen und 1 375 Gramm bei Männern meinte er: „Hohes Gehirngewicht hat nicht unbedingt etwas mit einer herausragenden Intelligenz zu tun.“ Entscheidend seien vielmehr die übermäßige Entwicklung bestimmter Hirnareale und die Anzahl synaptischer Verbindungen. Allerdings sei es auch ein Vorurteil der Frauen, dass Männer nur zehn Prozent ihres Gehirns benutzen.

Nicht vorenthalten wollte Pilhofer der GeHiH-Familie Erklärungsmodelle zum Vergessen. Zu diesen zählte er das Verblassen und Verschwinden von Gedächtnisinhalten im Laufe der Zeit und das Vergessen, wenn neue Eindrücke die alten Gedächtnisinhalte überlagern und den Zugriff auf alte Erinnerungen erschweren. Nach Hinweisen zu einem regelmäßigen Bewegungstraining widmete er sich gehirngerechter Nahrung und vollwertiger Ernährung. Ausreichenden Schlaf, Entspannung, Zufriedenheit und Bewegung beeinflussen die Gedächtnisleistung ebenfalls. Er empfahl den Zuhörern auch, eine Fremdsprache zu lernen, Gesellschaftsspiele zu spielen und Bücher zu lesen.

Die Mitgliedertreffen finden abwechselnd in den Gemeinden des Betreuungsgebietes statt. Geschäftsführerin Elisabeth Gottsche lud zum nächsten Treffe ein, das am 9. Juli in Trabitz stattfindet.

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