05.07.2018 - 10:38 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Ungewöhnliche Beifahrer

Peter und Paul sind zurück. Die beiden Statuen schmücken nach langer Zeit wieder die Kirchen-Ruine in Hopfenohe.

Gottesdienst im Truppenübungsplatz.
von Autor MORProfil

(mor) „Von Ruinen geht eine Kraft aus, welche die Botschaft der Apostel Peter und Paul weit über die Zeit hinausträgt“, sagte Regionaldekan Josef Zerndl, der am Hochfest Peter und Paul mit weiteren 150 Gläubigen einen Gottesdienst in der Kirchenruine des verlassenen Übungsplatzdorfes Hopfenohe feierte. Für die Fahrt und den Gottesdienst war das 200-jährige Bestehen des Dekanats Auerbach der Anlass. Erinnert wurde dabei auch an die Absiedelung von Hopfenohe vor 80 Jahren.

Ungewöhnliche Mitfahrer: Die beiden Kirchenstatuen Peter und Paul „saßen“ in einem der drei Busse, welche zur Rundfahrt in den Übungsplatz und nach Hopfenohe aufbrachen. Die US-Armee-Garnison Bavaria ermöglichte die Fahrt der ehemaligen Hopfenoher und Gläubigen aus dem Dekanat. Als fachkundige Begleiter erwiesen sich Josef Neubauer, Andre Potzler und Gerald Morgenstern. Beginnend bei der neuen Kirche auf dem Netzaberg und im Hauptlager rund um den Wasserturm erläuterten sie die Geschichte des Truppenübungsplatzes und gaben Informationen zur aktuellen Situation. Vorbei an der Wolfschützenkapelle wurde Halt auf dem Schwarzenberg eingelegt und dort die Ausdehnung und Nutzung des militärischen Übungsareals erläutert. Besucht wurde auch der Gottesacker des größten Übungsplatzdorfes Haag, 1992 wurde der Friedhof saniert und ist seither auch Anlaufpunkt von Besuchern.

Gerald Morgenstern, Autor des zweisprachigen Übungsplatzdorfes, ging in der Ruine Hopfenohe auf die Geschichte des Dorfes an der Europäischen Wasserscheide ein. Mittelpunkt war die Kirche Peter und Paul. Im Jahre 1935 wurde das Gotteshaus unter dem aktiven Pfarrer Johann Ritter, dem späteren Stadtpfarrer von Auerbach, aufwendig renoviert und erweitert. Die Ablösung der Gemeinde fand in den Jahren 1938/39 statt. Die Altäre und die Inneneinrichtung wurden später für das ausgebrannte Gotteshaus in Troschenreuth zur Verfügung gestellt. Von dort kehrten für einige Stunden die Kirchenheiligen Peter und Paul am Patroziniumstag in die Kirchenruine zurück. 2005 wurde „Hopfenohe Church“ durch die US-Armee in ihrem Bestand gesichert.

Den Festgottesdienst in der Ruine Hopfenohe zelebrierten Regionaldekan Josef Zerndl, Dekan Pater Markus Flasinski und Prodekan Josef Hell, der Pfarrer von Trockau und Troschenreuth. Mit pastoraler und konzertanter Musik wurde die Messe von der Michelfelder Blasmusik unter der Leitung von Werner Meisl festlich umrahmt. Zerndl bezeichnete es in seiner Predigt als bewegenden Augenblick, dass nach der Auflassung des Gotteshauses die Kirchenpatrone wieder die Ruine schmücken, sie erinnern an die vielen Jahrhunderte als hier aktiv der Glaube gelebt wurde. Parallelen zog Zerndl zum Grab des Heiligen Petrus, das ebenfalls in einer Ruine lag. Eingehend auf Insignien der Heiligen, Schlüssel und Schwert, war sich Zerndl sicher, dass gelebte Religion auch die Kraft eines Schwertes habe. Der Geistliche äußerte den Wunsch, dass auf der Fläche um Hopfenohe nicht für den Krieg, sondern für den Frieden geübt werde. Den Besuch und die Messerfeier in der Ruine der verlassenen Ortschaft des Dekanats bezeichnete er als Höhepunkt bei der 200-Jahr-Feier. Dekanatsratvorsitzende Sonja Schwemmer Herbert Appl und Franz Eller hatten die Fahrt organisiert und sorgten nach der Messfeier auch für eine Bewirtung auf dem Platz vor der Ruine. Interesse am Gottesdienst an dieser ungewöhnlichen Kirchenstätte zeigte auch ein Kamerateam von „Kirchen-TV“ des Erzbistums Bamberg.

Gottesdienst im Truppenübungsplatz.
Gottesdienst im Truppenübungsplatz.
Gottesdienst im Truppenübungsplatz.
Gottesdienst im Truppenübungsplatz.
Gottesdienst im Truppenübungsplatz.

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