18.03.2020 - 11:00 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Verstorben: Trauer um Lehrerin und Dichterin Anna Mock

Sie hat 41 Jahre den Grafenwöhrer Schüler viel beigebracht. Zeitlebens war sie auch eine erstklassige Dichterin, die es verstand, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Nun verstarb Anna Mock am 12. März im Alter von 94 Jahren.

Anna Mock war Lehrerin und Dichterin mit Leib und Seele. Nun verstarb sie am 12. März im Alter von 94 Jahren.
von Renate GradlProfil

Anna Mock wurde am 7. Juli 1925 geboren und absolvierte ihre Ausbildung zur Lehrerin an der Lehrerbildungsanstalt in Amberg. 1946 trat sie ihren Dienst in Grafenwöhr an und blieb dort bis zu ihrer Verabschiedung in den Ruhestand am 24. Juli 1987. Die meiste Zeit unterrichtete sie in den oberen Klassen als Klassenleiterin. Über den Beginn ihrer Lehrertätigkeit in der schweren Nachkriegszeit schrieb sie selbst: „Damals hom ma mit vül Schwung agfanga, Ohne Hefte und Bücher in 50er Klassen haot ses zeigt, ob unsere Methoden zur Wirklichkeit passen. Und in den hungrigen Schulspeisungszeiten, wo s Brot haot zählt zu den Köstlichkeiten, woar kam a Papier im Papierkorb zu finden, goar niat z`redn vo Semmeln mit Butter und Schinken!".

Ehemaliger Rektor Gerhard Götzl beschreibt die Verstorbene folgendermaßen: "Als Kollegin war sie eine stets hilfsbereite, sehr gewissenhafte, über das momentane Geschehen mit Bedacht hinausblickende Mitarbeiterin. Das Wohl der ihr anvertrauten Kinder stand bei ihr immer an erster Stelle. Sie schaute nicht bequem weg, wenn sie Fehlentwicklungen erkannte. Sie zeigte durchaus auch den Mut, Eltern wie Schüler auf Fehlverhalten und Versäumnisse hinzuweisen, um schließlich für die Schülerin und den Schüler das Bestmögliche zu erreichen. Sie freute sich sehr, wenn einige ihrer ehemaligen Problemschüler ihr nach Jahren bestätigten, dass ihre Strenge und ihr konsequentes Vorgehen sie auf den richtigen Weg brachten. Mit besonderer Freude und Kompetenz befasste sie sich mit mathematischen Aufgabenstellungen. Als das Kultusministerium einmal die Prüfungsarbeiten zur Nachkorrektur einforderte und anschließend der Schule schwere Vorwürfe machte, befasste sich Frau Mock intensiv mit der Angelegenheit. Sie konnte nachweisen, dass die Fehler nicht bei der Schule lagen, sondern vom Kultusministerium verursacht waren. Der zuständige Referent des Ministers rief persönlich bei der Schulleitung an und entschuldigte sich, was eine absolute Seltenheit darstellt".

Selbst bis ins hohe Alter hielt Anna Mock regelmäßigen Kontakt zu ihrem ehemaligen Kollegium. Bei zahlreichen schulischen Anlässen brachte sie sich, häufig zusammen mit Schülern, weiter aktiv in das schulische Leben ein. Sie verfasste zu Geburtstagen, Verabschiedungen und Einweihungsfeiern treffende, oft hintersinnige Mundartverse. Dabei hielt sie geschickt der Gesellschaft den Spiegel der Kritik vor und versöhnte abschließend mit einem Schuss Humor die Gescholtenen.

Über die Schule hinaus war Mock eine heimatverbundene Persönlichkeit des öffentlichen Lebens in Grafenwöhr. Diese Verbundenheit drückte sich in den vielen Beiträgen aus, die sie zu Veranstaltungen des Heimatvereins oder der Stadt Grafenwöhr leistete.

In Versform blickte die ehemalige Lehrerin auf "500 Jahre Schule in Grafenwöhr" zurück und verfasste sogar noch im Alter von 93 Jahren ein Gedicht zum Gassenfest in der Alten Pfarrgasse und Rößlwirtsgasse. Auch bei ihrer Verabschiedung aus dem Schuldienst hatte sie ermunternde Worte für die Kollegen: "Z`letzt nu a herzlichs „Pföi Gott“ vorm Asanandagöih, denn wenn es su bedenk, woar döi Zeit mit Eich doch recht schöi. Also bleibts gsund und lachts weita su gern wöi bisher, dao fallt Eich d Oarbat ner halbat su schwer".

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