04.03.2020 - 10:03 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Vortrag im Grafenwöhrer Kulturmuseum: Natur wie vor 110 Jahren

Die militärische Nutzung und die Entwicklung der Natur führen am Grafenwöhrer Truppenübungsplatz eine wunderbare Koexistenz. Warum, erklärt Gerald Morgenstern.

Gerald Morgenstern kennt die Natur am Truppenübungsplatz genau. Sein Wissen teilt er mit den interessierten Zuhörern im Grafenwöhrer Kultur- und Militärmuseum.
von Stefan NeidlProfil

„Militär und Natur ist kein Widerspruch“, erklärte Gerald Morgenstern in seinem Vortrag und Kultur- und Militärmuseum. Als ehemaliger Bundeswehrsoldat war und ist er regelmäßig im Truppenübungsplatz unterwegs. So gelingen ihm Landschaftsaufnahmen wie kaum einem anderen. Morgenstern stellte dabei im Rahmen der Sonderausstellung "Grünes Paradies und Schießbetrieb" Bilder aus seinem Buch "Truppenübungsplatz Grafenwöhr, Gestern – Heute" vor.

Untypisch für die Region sei der Fachwerkstil, in dem die Gebäude errichtet wurden. Aber keines der Bauwerke ist so bekannt wie der Wasserturm: „Gerüchte sagen, er wäre öfter fotografiert worden als der Eiffelturm.“ Seit dem berühmten ersten Schuss von Kanonier Michael Kugler 1910 bis heute ist viel passiert.

Während des Ersten Weltkriegs war der Truppenübungsplatz das größte Kriegsgefangenenlager. Um das heutige gewaltige Areal zu schaffen, mussten von 1910 bis 1938 viele Ortschaften weichen. Von Dörfern wie Pappenberg über Haag bis hin zu Hopfenohe existieren heute nur noch Ruinen. „Die Natur holt sich langsam wieder, was ihr einst mühevoll genommen wurde.“Die dortige Kirche wurde zwischen 2004 und 2005 vor dem Verfall bewahrt. Immer wieder finden dort Gottesdienste statt, für die die Gläubigen extra mit Bussen ins Lager gefahren werden. Für einen Gottesdienst im Jahr 2011 mit Bischof Pappenberger reisten über 400 Leute mit acht Bussen an.

Beeindruckend ist die Artenvielfalt. Dies liegt am militärischen Sperrgebiet, durch die die Fauna vom Menschen ungestört lebt. „Manchmal gilt es, die Natur nicht für sondern vor dem Menschen zu schützen.“ Morgenstern durfte den Forstbetrieb bei der Fütterung begleiten. Die Tiere sind an Menschen gewöhnt: Kaum wird Futter ausgelegt, tummelt sich das Rotwild um die Krippen.

Eine besondere Begegnung machte Morgenstern erst kürzlich. Bei einer Begehung wollte er mit einem Bekannten eine Höhle besichtigen. Zu aller Überraschung war ein junger Hirsch darin. Morgenstern drückte auf den Auslöser, bevor der Hirsch das Weite suchte. Dieser war aber nur ein Vertreter des größten Rotwildreviers in ganz Bayern. Der „Himmel der Hirsche“ ist auch ein beliebtes Jagdgebiet. In neun Revieren werden jährlich über 1200 Abschüsse getan. Der Bestand sei leicht rückläufig: Vor Jahren habe Morgenstern einmal ein Rudel mit über 500 Tieren fotografiert – heute ein seltenes Bild.

Bei dem nachgewiesenem Wolfspärchen warten die Förster immer noch auf Nachwuchs. Die Adler sind in den 1980er Jahren zurückgekehrt und brütet regelmäßig, Grafenwöhr sei die „Keimzelle der Adlerpopulation in ganz Bayern“. Hinzu kommen Kraniche, Schwarzstörche und Bekassinen: 100 von nur 900 in Bayern sind hier ansässig.

Die Umweltabteilung der US-Armee hat nach einer Kartierung 800 Pflanzen- und Tierarten der Roten Listen festgestellt. Förster sagen: „Die Natur am Truppenübungsplatz ist vor 110 Jahren stehen geblieben.“

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