19.08.2018 - 14:25 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Zurück zu den Wurzeln

"Die Pfarrei Pappenberg wurde aus militärischen Gründen aufgelöst, weinend sind sie abgezogen", schließt damaliger Pfarrer Wolfgang Ederer im Jahr 1938 die Taufmatrikel ab. 80 Jahre später kehren ehemalige Pappenberger wieder zurück.

Die Kirche am Pappenberg stand im Jahr 1952 ohne Turmhelm.
von Autor MORProfil

(mor) Gemeinsam mit Weihbischof Reinhard Pappenberger, Besuchern und ihren Nachkommen kommen rund 80 Jahre nach der Absiedelung zurück. In der Wüstung dominiert die Ruine der einstigen Marienwallfahrtskirche, deren Patrozinium im August gefeiert wurde. Pappenberg war einer der zentralen Orte bei der Erweiterung des Übungsplatzes vor 80 Jahren. Das Dorf besaß eine viel besuchte Marienwallfahrtskirche mit dem Gnadenbild der Schwarzen Madonna von Pappenberg. Ein Großteil der Pappenberger wurde nach Wolfskofen bei Regensburg umgesiedelt, wo auch die prachtvolle Inneneinrichtung des Kirchenbaus steht.

Die Maria-Himmelfahrts-Kirche Pappenberg war ein einschiffiges, gotisches Bauwerk aus drei Perioden, deren erste Mauern bis in das 12. Jahrhundert zurückreichen. Sie war eine gut besuchte Wallfahrtskirche und stand bis zur Auflösung unter Denkmalschutz. "Das ist ein für die Gegend ungewöhnlich schöner Bau", vermerkte der Oberpfälzer Kirchenführer bereits im vorigem Jahrhundert.

Nach der Absiedelung im Jahr 1938 wurde das verlassene Dorf weiter erhalten, das leere Kirchenschiff diente als Lagerstätte für Panzermotoren und Ersatzteile, weiß der 89-jährige Engelbert Reiter zu erzählen. Nach Einmarsch der Amerikaner wurde erlaubt, Baumaterial von den Häusern zu holen - die Bauten wurden dem Verfall preisgegeben. Die Natur holt sich nun das zurück, was ihr einst mühsam abgerungen wurde. Nur selten kann die Wüstung am Rande der Impact Area besucht werden, von daher wäre ein Erhalt der Ruine, wie es an der Dorfstelle Hopfenohe geschehen ist, sinnlos. Und dennoch kümmert sich jemand um das einzigartige Areal: Revierförster Andreas Irle konnte bereits im Frühjahr mit seiner Waldarbeitergruppe, unterstützt von der Bauabteilung der US-Armee-Garnison und der Bundeswehr, einzeln wachsenden Bäume auf der Kirchenmauer und am Turm entfernen. Der meterhohe Aufwuchs ließ durch den Wind die Mauern noch schneller einfallen. Nun halten Stümpfe und Wurzeln im Natursteinmauerwerk die Wände etwas zusammen.

Für Insekten und Vögel sind Ruinen und Mauerreste ein idealer Lebensraum. Kohl- und Blaumeise, Mauersegler, Hausrotschwanz oder Kleiber sind nur einige Vogelarten, die davon profitieren. Auch Fledermäuse wie das braune Langohr nutzen Höhen und alte Keller, wie sie unter der Kirche noch vorhanden sind, weiß Irle zu berichten. Bei der Befreiung der Mauern vor dem Aufwuchs war auch Lew Gardner, Command Sergeant Major beim 7th ATC, dabei. Die Amerikaner zeigen sich immer interessiert an der Geschichte am Erhalt dieser Naturreservate.

Gepflegt wird auch der Vorplatz der Kirche: Michael Speckner, einer der Waldarbeiter von Irles, erneuerte das Kreuz vor der Kirchenruine, das einst der Eschenbacher Männerverein zu den vorhergehenden Jahrestagen aufstellte. Neu fundamentiert wurde auch die Tafel mit dem Gnadenbild der Schwarzen Madonna. Diese wurde 2010 bei der ersten Andacht mit Weihbischof Pappenberger errichtet. Nun steht ein weiterer Besuch des namensverwandten Weihbischofs Reinhard Pappenberger aus Grafenwöhr, und zwar am 25. August an einem schießfreien Tag. Neben den Wolfskofern werden auch Gruppen auch Eschenbach, Vilseck, Sorghof und Grafenwöhr teilnehmen. Organisiert sind die Touren, die bereits ausgebucht sind, vom Heimatverein.

Altarraum nach der Räumung 1938.

Revierförster Andreas Irle (links) befreite mit seinen Helfern die Mauern des Turms und der Kirchenruine vom meterhohen Aufwuchs. Interessiert an der Aktion zeigte sich Command Sergeant Major Lew Gardner (Mitte).

Die Ruine der Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt in Pappenberg. Neu erstellt und neu fundamentiert wurden das Erinnerungskreuz und das Gnadenbild.

Ein Wallnussbaum wächst unter dem noch stehenden Eingangsbogen mitten im Kirchenraum gegen Himmel.

Postkarte

Ostansicht

Inneneinrichtung

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