05.11.2019 - 09:44 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Zurück zu den Wurzeln

Früher waren Haag und Langenbruck blühende Ortschaften, heute liegen sie im Sperrgebiet. Und auch wenn dort schon lange niemand mehr lebt, so geraten die einstigen Bewohner nicht in Vergessenheit. Den Beweis gibt es stets an Allerheiligen.

Viele Gläubige nahmen die Möglichkeit der Friedhofsbesuche im Sperrgebiet wahr. Pfarrvikar Hrundaya Kumar aus Vilseck segnet dabei auf dem Langenbrucker Gottesacker die Gräber.
von Autor MORProfil

"Wenn wir ferne sind und weit, wer wird denn am Grabe beten zur Allerseelenzeit“? Die Frage stellte einst der Heimatdichter Erhard Trummer aus dem aufgelösten Übungsplatzdorf Haag. Alljährlich wird sie von den Nachkommen der Haager und Langenbrucker beantwortet, die auch heuer wieder die beiden Friedhöfe im Sperrgebiet besuchten.

Der Vorsitzende des Soldaten- und Kriegervereins Sorghof, Werner Werner Stubenvoll, kümmert sich seit Jahren um den Erhalt der Gedenkstätten und die Organisation der Friedhofsbesuche. Franz Zeilmann und Andreas Kreuzer von der US-Armee Garnison Bavaria begleiteten die Gruppe. Schon eine Woche vor diesem Besuch bot die die Army den Angehörigen die Möglichkeit, die Gräber auf dem Langenbrucker Friedhof herzurichten.

Der Langenbrucker Friedhof liegt am Rande der Rose Barracks und wurde nach Auflösung der Ortschaft auch weiterhin gepflegt. Mitten im Übungsplatz liegt an der Alten Reichsstraße 85 der Haager Friedhof. Durch die Arbeiter der Bundeswehr wurde der Gottesacker im Jahr 1992 saniert. Mit seinen reichlich verzierten Grabmälern aus Sandstein stellt er ein Kleinod im Sperrgebiet dar.

Pfarrvikar Hrundaya Kumar aus Vilseck sprach die Gebete und segnete die Gräber. Durch die jährlichen Besuche zur Allerheiligenzeit wird die Verbundenheit der früheren Bewohner und deren Nachkommen zu ihrer alten Heimat dokumentiert. Die Ansiedlungen wurden vor über 80 Jahren aufgelöst. 3500 Menschen aus 58 Orten, Gehöften und Weilern mussten im Dritten Reich bei der Erweiterung des Platzes ihre Heimat verlassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die US-Armee den Truppenübungsplatz und baute ihn zum größten und modernsten Ausbildungsgelände der US-Armee in Europa aus. Die einst blühenden Orte wurden gleich nach Kriegsende frei gegeben, um Material zum Aufbau neuer Siedlungen außerhalb des Sperrgebietes zu errichten. Heute sind in den Wüstungen nur noch Keller, Brunnenlöcher und wenige Mauerreste zu finden. Im Bestand gesichert wurde Kirchenruine Hopfenohe, und zusammen mit den Ruhestätten in Haag sowie Langenbruck ist sie auch oft Ziel für die von der US-Armee genehmigten Besucherfahrten.

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