09.07.2018 - 10:16 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Ausflug nach „Amerika“

Der Besuch der neuen Netzaberg-Kirche und die Fahrt zu zwei alten Kirchenruinen gehörten zu den Höhepunkten eines Ausflugs, den der Kulturverein 1794 von Neustadt am Kulm ins US-Lager Grafenwöhr organisiert hatte.

Am Militärflugplatz hatte der Reiseführer Gerald Morgenstern (Zweiter von links) die Besichtigung eines Helicopters organisiert. Der Vorsitzende des Kulturvereins Wolfgang Haberberger (links) dankte Morgenstern für einen gelungenen Ausflug.
von Autor OWProfil

(ow) Vorsitzender Wolfgang Haberberger hatte den Autor des Buches „Truppenübungsplatz Grafenwöhr, gestern – heute“ Gerald Morgenstern als Reiseführer gewonnen. Zu Beginn der Reise durch „Klein-Amerika“ wurde der „DOM“ des Truppenübungsplatzes, die Netzaberg Chapel, besucht. Dabei kamen die Besucher des multifunktionalen Kirchengebäudes, welche für acht verschiedene Religionsausrichtungen gebaut wurde, aus dem Staunen nicht mehr raus. Vom überproportionalen Taufbecken, welches bei Taufen mit mehreren Kubikmeter Wasser gefüllt werden muss, übergehend zum wandlungsfähigen Alter hin zu den Religionsunterrichtsräumen: Das Gebäude offenbarte dabei viele Nuancen des religiösen Lebens, welche Berücksichtigung finden können.

Nach dem Besuch ging die Reise mit Gerald Morgenstern weiter. Dieser war viele Jahre als Soldat auf dem Truppenübungsplatz tätig und konnte so von vielen Gegebenheiten rund ums Militär berichten. Durch seine Recherche für sein Buch war ihm auch die Historie des modernsten Truppenübungsplatzes in Europa wohl bekannt. Mit seinen Geschichten aus früherer Zeit konnte er seine Zuhörer begeistern.

Er wusste zum Beispiel, dass der letzte Pfarrer von Hopfenohe Johann Ritter 1935 versuchte, wegen der St.-Peter-und-Paul-Kirche die Erweiterung des damaligen Übungsplatzes zu verhindern. Er wollte dieses Gotteshaus zur größten Kirche der Region ausbauen und glaubte, dass dann dieser Kelch vorübergehen würde. Heimlich sammelte er für sein Projekt Gelder, die dann aber von den Nazis konfisziert wurden. Das Dorf wurde 1939 umgesiedelt und die Kirche dem Verfall preisgegeben.

Auf der Fahrt durch „Klein-Amerika“ durchquerten die Kulturvereinsanhänger zunächst die amerikanische Wohnsiedlung Netzaberg. Hier wohnen seit zehn Jahren in 830 Wohneinheiten Soldaten mit ihren Familien. Das Zentrum, bestehend aus einem riesigen Schulkomplex, einem Kindergarten und einer Kirche ist eingezäunt und die Gruppe musste erstmals eine Wache passieren. In der modernen Netzaberg Chapel erfuhren die Ausflügler, dass mindestens sieben verschiedene religiöse Vereinigungen dort ihre Gottesdienste abhalten.

Anschießend beschrieb Morgenstern bei einer Rundfahrt durchs Hauptlager die neuen modernen Truppengebäude. Aber er zeigte auch an Beispielen Bauten aus der Gründerzeit. Der aus Nürnberg stammende Architekt Jürgen Sievers hatte damals im fränkischen Stil die Gebäude mit Fachwerken ausgestattet. Am Militärflugzeug bewunderten die mitfahrenden Feuerwehrinteressierten die riesigen Löschtrucks des Fire Departments. Auf der Landebahn wartete bereits eine Crew mit ihrem Helicopter. Der Pilot erklärte sein Fluggerät und beantwortete anschließend alle Fragen. Nach einer Anmeldung bei „Range Control“ begann eine Entdeckungsreise in ein für die meisten unbekanntes Naturjuwel.

Morgenstern leitete den Bus auf Forststraßen dorthin, wo bei Schießbetrieb akute Lebensgefahr besteht. Im Schussgebiet der Range 117 demonstrierte er mit Hilfe eines Rangetechnikers verschiedene Szenarien, die die Panzerbesatzungen bei ihrer Ausbildung bekämpfen müssen. Neben „Pappkameraden“, die plötzlich aus dem Dickicht auftauchen, gibt es aufklappbare Panzerziele. Im hinteren Bereich der Schießbahn kann ein Schießen auf bewegliche Ziele geübt werden.

Im sonst menschenleeren Areal wurden die Eindringlinge wenig später von einem Seeadler begrüßt. Mehrmals wechselte Rotwild kurz vor dem Bus über den Weg. Am „Ursprung“, einer Quelle, aus der Gase aus dem Erdinneren Quarzsand in eine strudelnde Bewegung versetzen, sahen sich die Teilnehmer in eine andere Welt versetzt. Immer wieder wies Morgenstern auf ehemalige Ortschaften hin, von denen oft nur noch einige wenige Mauerreste zu sehen sind.

Den Halt an der Kirchenruine Hopfennohe nutzten viele, um sich an den dort angebrachten Informationstafeln über die Geschichte dieses Ortes zu informieren. Bei der Heimfahrt zeigte der Reiseführer noch die zweitgrößte Kirche dieser vergessenen Region. Aus einem Dickicht von Bäumen ragen heute nur noch Teile des Turms der Marienwallfahrtskirche des ehemaligen Dorfes Pappenberg hervor.

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.