06.08.2018 - 14:18 Uhr
Griesbach bei MähringOberpfalz

Jubiläum "durchziehen"

Eigentlich würde es den OWV Griesbach dieses Jahr bereits seit 87 Jahre geben. Nach mehreren Revitalisierungsversuchen gelingt allerdings erst 1978 eine beständige Wiedergründung. Dann aber legte der Verein richtig los.

OWV-Vorsitzender Ludwig Gradl wirft anlässlich der Feier zum 40. Wiedergründungsjubiläum einen Blick in die Vereinschronik.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Gegründet wurde der Zweigverein zwar 1931, erster Vorsitzender war der Revierförster Ludwig Holl, allerdings bestand der Verein nur etwa drei Jahre - 1934 kam die Gleichschaltung aller Vereine im dritten Reich, erklärt jetziger OWV-Vorsitzender Ludwig Gradl.

Zwei Versuche, den Zweigverein nach dem Zweiten Weltkrieg in der 50er Jahren wieder aufleben zu lassen, scheitern. "Die Leute haben andere Interessen, als für die Heimat, die Natur und fürs Wandern ihre Freizeit zu opfern", heißt es 1958 im Schreiben an den Hauptverein nach Weiden, als der Zweigverein zum zweiten Mal aufgelöst wird.

Seit 40 Jahren an der Spitze

Mit der großen Gebietsreform in Bayern 1978, als die politische Gemeinde Griesbach aufgelöst wurde, wurde der Gedanke wieder laut, im Ort einen Heimatverein zu gründen. Den Anstoß zur Versammlung gaben damals Karl Bach, erster Bürgermeister der neuen Gemeinde, und Peter Kasseckert, ehemaliger Polizeiobermeister, der zu dieser Zeit in Griesbach lebte. Zum ersten Vorsitzenden wählten die 13 Gründungsmitglieder, von denen heute noch sechs aktiv im Verein sind, Ludwig Gradl zum Vorsitzenden. Er führt den OWV als Heimat- und Kulturverein seit der Wiedergründung vor 40 Jahren. Am Wochenende, 11. und 12. August, feiert der Verein das 40-jährige Bestehen seit der dritten Wiedergründung.

"Ich wurde damals als jüngstes Mitglied zum Vorstand gewählt. Mit 28 macht heute keiner mehr den Vorsitzenden eines Heimatvereins", erinnerst sich Ludwig Gradl. Derzeit ist er mit zehn weiteren Helfern mit den letzten Vorbereitungen für das Wiedergründungsfest am Wochenende beschäftig.

Das Fest will der 68-Jährige noch als Vorstand "durchziehen". Eigentlich standen bereits im März bei der OWV-Jahreshauptversammlung Neuwahlen an, aber "das haben wir auf nach das Fest verschoben", so der Griesbacher. Dann möchte Gradl sein Amt abgeben, auch wenn er nicht ganz wegkommen wird.

Auf Leute zugehen

In den 40 Jahren seines Wirkens hat er viele Anstöße und Ideen ins Vereins- und Dorfleben eingebracht. "Man muss auf die Leute zugehen, um was zu erreichen", erklärt Gradl. "Alleine schafft das kein Mensch." Ohne den Zusammenhalt vieler, hätte der Verein keine so reiche Geschichte. Bereits in den ersten Jahren nach der Wiedergründung startete der OWV steil durch: Es wurde bald ein eigener Wanderwimpel angeschafft, bei der Feier "700 Jahre Griesbach" 1985 organisierten die Bürger einen der ersten historischen Festzug mit verschiedenen Wägen und Fußgruppen. Gradl erzählt von Jugendgruppen und Frauengruppen im Verein. "Früher gab es auch eine Theatergruppe und eine Musik-Gruppe", weiß der Vorsitzende. Der OWV unternahm Reisen an die Mosel oder in den Schwarzwald, Familienwanderungen, immer an Christi Himmelfahrt zur Unterkellermühle. Der Zweigverein veranstaltete Ausstellungen im Jugendheim und im ehemaligen Schulsaal.

Alles in Eigenregie

Mit der Renovierung des Stöckl-Haus, eigentlich ein Nebengebäude des einstigen Guts, ging 1990 ein langgehegter Wunsch des OWV in Erfüllung. Nachdem Vereinsmitglieder in Eigenregie die Mauern trockengelegt und den alten Fußboden herausgerissen hatten, wurde 1992 ein neuer Dachstuhl aufgestellt. Gleichzeitig ging es an den Bau des OWV-Vereinsheims direkt neben dem Stöckl-Haus. Mit beiden Baustellen ging es zügig voran. "Wir arbeiteten fast jeden Tag auf der Baustelle", erinnert sich Gradl. Im Sommer 1994 wurden beide Häuser auf der Anlage eingeweiht. Insgesamt leisteten die Helfer 9500 Arbeitsstunden in einer vierjährigen Bauzeit ab.

"Oft wurde im originalgetreu nachgebauten Backofen zweimal in der Woche gebacken. Brot, Kuchen, Pizza. Da war immer narrisch viel los", erzählt der Vorsitzende und blättert in der Vereinschronik. Auch das Vereinsheim war schon mal belebter erinnert sich der 68-Jährige an gesellige Feste und Schlachtschüsselessen.

Viele Aktionen

Zu den alljährlichen Hauptaufgaben des Vereins, der über 200 Mitglieder hat, gehört es, sich um die Wanderwege im Gemeindebereich und im Ort zu kümmern. Zweimal im Jahr werden der Nurtschweg und der Main-Mies-Weg, sowie vier Rundwanderwege gewandert und dabei Äste zurückgeschnitten und die Markierungen überprüft. Die Mitglieder stellen Sitzbänke auf und mähen zweimal im Jahr im Dorf. Gemeinsam mit der Feuerwehr wird der Maibaum aufgestellt. Der OWV übernahm auch das Johannisfeuer, als sich die Landjugend auflöste.

Auch wenn früher mehr im Verein los war, ist der OWV Griesbach nicht untätig. 2005 wurde die Schriftenreihe "Griesbacher Heimat" herausgegeben. Vor zwei Jahren erneuerte der Verein das Quellgebiet und den Bachlauf der Mies und stellte eine Tafel auf. 2016 veröffentlichte wurde ein Buch über Kleindenkmäler in der Pfarrei. Die Kinder- und Jugendgruppe ist sehr aktiv. Vieles trägt Gradls Handschrift. Was den 68-Jährigen antreibt: "Heimatliebe. Du musst dein Eck richtig mögen."

Feier zum 40. Wiedergründungsfest:

Festprogramm

Der OWV Griesbach feiert sein 40. Jubiläum zur Wiedergründung am Samstag und Sonntag, 11. und 12. August, am Gelände des Vereinsheims. Der Samstag startet um 19 Uhr mit dem Festkommers sowie Ehrungen der Mitglieder. Danach ist ab 21 Uhr Zoiglabend mit der „Tanzlmusi“ der Großkonreuther Blaskapelle. Am Sonntag ist um 8.45 Uhr Kirchenzug, um 9 Uhr beginnt der Festgottesdienst in der St.-Martinskirche mit dem Chor „Grenzenlos“. Anschließend ist Frühschoppen beim Vereinsheim. Danach gibt es Mittagessen und am Nachmittag Kaffee und Kuchen. Es gibt ein Kinderprogramm mit Zauberer Franz, musikalisch unterhält Karl Gleißner.

1988 im Freilandmuseum Neusath: Die OWV-Männer führen handwerkliche Arbeiten wie Strick schlagen und Besen binden vor.

Früher gab es beim OWV Griesbach auch eine Theatergruppe, erzählt Vorsitzender Luswig Gradl

Anfang der 1990er Jahre erfühllte sich ein langgehegter Traum für den OWV Griesbach: Neben der Sanierung des Stöckl-Haus wird auch ein neues Vereinsheim in Eigenregie gebaut. 1994 werden beide Gebäude feierlich eingeweiht.

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