Mit bis zu 100 Sachen im Kart über die Strecke

Geschwindigkeit ist seine Spezialität: Der neunjährige Mikka Trapp aus Groschlattengrün ist der jüngste deutsche Kartrundstreckenfahrer in der Miniklasse.

Mikka Trapp geht mit seinem Kart bundesweit auf die Strecke. Sein Idol ist Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton.
von Ulla Britta BaumerProfil

Erst die Pflicht, dann das Vergnügen. Darauf legt Niklas Trapp viel Wert und schaut darauf, dass Sohn Mikka nach der Schule die Hausaufgaben erledigt. Danach kann wieder für Mikkas aufregendes und aufwendiges Hobby gearbeitet werden. Aufwendig deshalb, weil der Neunjährige bereits hochklassig Kart fährt.

Mikka - der rein zufällig fast den gleichen Vornamen trägt wie der frühere finnische Formel-1-Weltmeister Mika Häkkinen - ist 2019 in die Rundstreckenliga der Rotax-Max-Clubsportserie (Klasse Micro Max) aufgenommen worden. Das bedeutet, dass er 2019 siebenmal bundesweite Wettkämpfe absolviert hat. Bis zu 100 Stundenkilometer bringen die Jungs auf den Tacho. Zwar treibt dies Mama Melanie Trapp manche Angstschweißperle auf die Stirn. Dennoch unterstützen die Eltern Mikka nach Kräften dabei, seinen Traum zu leben. In Fachkreisen werde ihm ein großes Talent nachgesagt, erzählen sie. "Was für uns heißt, dass wir unseren gesamten Familienalltag von Montag bis Freitag schaffen müssen", berichtet Melanie Trapp. Denn nahezu jedes Wochenende verbringt die Familie auf Kartbahnen im ganzen Bundesgebiet, von Wackersdorf bis Frankfurt.

Einstieg mit vier Jahren

"In Italien bin ich Elektroauto gefahren. Da war ich vier", erzählt Mikka vom Ursprung seiner Leidenschaft. Wieder daheim, bekam er sein erstes Kart, trainierte in Eger und bewies gleichzeitig in der Jugendgruppe des MSC Wiesau sein Talent. Als Sechsjähriger gewann er erste Rennen, 2018 wurde er Dritter bei den Nordbayerischen Meisterschaften und Sechster bei den Bayerischen Meisterschaften in der Altersklasse 1 sowie Gesamtsieger beim Regionalpokal Oberfranken. Mikka war seiner Altersgruppe im Slalom-Kartsport vorausgeeilt. Und so fiel die Entscheidung für Mikkas Teilnahme an der Bundesstrecke. "Auf der Fachmesse in Offenbach fanden wir mit der Rotax-Max-Serie eine gute Einsteigermöglichkeit", erklärt Niklas Trapp. Wie es gängige Praxis im Rennsport sei, hätten Sponsoren gefunden werden müssen. "Wir fanden einen Unternehmer in Wunsiedel", freut er sich.

2019 durfte der dann Achtjährige in der Klasse Micro Max mit 8-PS-Boliden fahren. Mikka erzählt vom ersten Rennen in Wackersdorf, bei dem er Zehnter unter 22 Teilnehmern wurde. Eine Schrecksekunde gab es für die Familie im Mai: Mikka stieß beim Training auf der Oppenrod-Strecke in Hessen gegen das Kart eines anderen Fahrers, das sich vor ihm drehte. Aus war's mit dem Start beim Wettkampf. "Mein Gestell war verbogen wie ein Regenbogen", trauert der Junge dem unverschuldet versäumten Rennen nach.

Die Trapps schafften einen Wohnwagen an, um Mikka an den Wochenenden bis Köln oder Stuttgart zu begleiten. In Bopfingen landete er auf Platz sieben, in Belleben belegte er mit seinem neuen Kart der Marke "Maranello" Platz zehn. Nach der Sommerpause holte sich der Senkrechtstarter in Wittgenborn Platz drei, im badischen Liedolsheim wurde er Sechster. Seine erste Rundstreckensaison beendete Mikka mit Rang neun.

Lewis Hamilton als Vorbild

In diesem Jahr steigt er in die Mini-Klasse auf und ist bundesweit der jüngste deutsche Kartfahrer in dieser Liga. Geht alles gut, kann Mikka auch an Rennen in Belgien und den Niederlanden teilnehmen. Während der neunjährige Grundschüler von einer Formel-1-Karriere träumt, wie sie sein Idol Lewis Hamilton hingelegt hat, denkt der Vater über die weitere Finanzierung des kostspieligen Hobbys seines Sohnes nach. "Wir brauchen mehr Sponsoren", sagt er frei weg und deutet lachend mit dem Finger auf Mikkas Rennfahrer-Helm: "Hier wäre noch Platz." Ein Sponsor hat sich auf der Werbefläche bereits platziert.

Mikka und sein Vater Niklas Trapp schauen sich eines der Rennen noch einmal auf dem Tablet an.
Vater Niklas Trapp, Mikkas sechsjährige Schwester Nila, Mikka und Mutter Melanie Trapp (von links) suchen im Internet nach einem Campingplatz für ihren Wohnwagen. Damit geht es an Wochenenden zu Rennen im ganzen Bundesgebiet.
Mikka (ganz vorn) hat immer öfter die Nase weit vorn.
Mikkas Kart ist ein professionelles Renngefährt.
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