22.07.2019 - 19:02 Uhr
Oberpfalz

Großbritannien, ganz allein in der Welt

Großbritannien erlebt gerade, wie es ist, als Land auf sich gestellt zu sein. Nun soll mit Boris Johnson eine Politiker Premier werden, der vor allem große Töne spuckt. Ein Kommentar von Alexander Pausch.

Boris Johnson ist haushoher Favorit auf das Amt des britischen Premiers.
von Alexander Pausch Kontakt Profil
Kommentar

Unter dem Vor-Vorgänger des künftigen britischen Premiers Boris Johnson galten die Briten als die engsten Verbündeten der USA. Das trug dem damals regierenden Tony Blair sogar den Spottnamen Bushs Pudel ein. Zu dieser Zeit saß George W. Bush im Weißen Haus und der Labour-Premier war nur allzu gern bereit an dessen Seite in den Irak einmarschiert. Mehr als ein Jahrzehnt später warf eine britische Regierungskommission Blair schwere Fehler vor. Anders als die Rhetorik vorgab waren Planung und Vorbereitung "völlig unzureichend".

Heute schickt sich wieder ein Politiker an, in den britischen Regierungssitz in Downing Street einzuziehen, der ein besonderes Redetalent hat. Johnson nutzt dies nicht, um Kriege zu rechtfertigen. Er wirbt seit langem für ein Ausscheiden aus der Europäischen Union. Seine Argumente sind wenig stichhaltig, bisweilen schlicht erfunden. Um dies festzustellen, braucht es keine Regierungskommission. Es genügt ein Blick in den britischen und den europäischen Haushalt.

Die Briten erleben gegenwärtig, wie es ist, auf sich allein gestellt zu sein. Obwohl sie auf amerikanischen Wunsch hin in Gibraltar einen iranischen Tanker gestoppt haben, sind sie nun in der Auseinandersetzung mit Teheran auf sich gestellt.

Der amerikanische Außenminister hat noch einmal deutlich gemacht, dass sich die Briten gefälligst selbst um ihre Schiffe kümmern sollen. Die einstige britische Nibelungentreue zählt unter Präsident Donald Trump nicht mehr. Mit Europa haben es sich die Briten selbst verdorben. Spanien grollt, die Europäische Union schweigt. So ist es wenn ein Land allein ist.

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Kommentare

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A. Schmigoner

Ein gelungener Kommentar von Alexander Pausch, zumal er sich wohlwollend vom gestrigen, sehr oberflächlichen Kommentar von Wolfgang Würth „Schluss mit Appeasement-Politik“ abhebt.
Neue Töne im DnT! Der jahrzehntelange Konsens in Deutschland, „nie wieder Krieg“ zu führen, scheint für Würth nicht mehr zu zählen. Der internationale Versuch, das von den Wirtschaftssanktionen ausgezehrte Land (der iranische Ölhandel wurde von den USA wieder verboten und Geldtransfers unterbunden) vertraglich von der Atomrüstung abzuhalten und die gesamte Region durch Handel zu stabilisieren wird als Schwäche dargestellt.
Alle gegen den Iran erhobenen Vorwürfe treffen auch auf Russland und China zu. Sollen wir auch gegen diese Länder in den Krieg ziehen? Auch hier Schluss mit Appeasement-Politik?
Alexander Pausch legt hier eine tiefergreifende und reflektiertere Analyse der Situation vor. George W. Bush und Tony Blair marschierten Seite an Seite in den Irak ein, um die „irakische Beteiligung“ an den Anschlägen auf das World-Trade-Center zu rächen und um Massenvernichtungswaffen zu zerstören, die nie existierten. Beides hatte die CIA erfunden. Der wahre Beweggrund waren damals die Ölvorräte des Irak, die heute von westlichen Ölkonzernen gefördert werden. Anders als von Wolfgang Würth dargestellt, gilt der zweite Irakkrieg inzwischen als die Urkatastrophe der Region, die seither nicht wieder stabilisiert werden konnte. Mit Saudi-Arabien strebt ein weiteres Despotenregime nach der Vorherschaft in der Region, -hochgerüstet vom Westen.
Aus den Fehlern des zweiten Irakkrieges sollte zumindest gelernt werden, dass man aufgrund falscher Fakten nicht in den Krieg zieht.

24.07.2019