Der Wissensdurst der Stiftländer ist riesig. Schon eine halbe Stunde vor dem eigentlich Beginn des Infomarkts schauen am Donnerstag die Leute im Saal der "Petersklause" vorbei. "So gut war noch keiner dieser Termine besucht", freut sich Carolin Kürth. Die Referentin für Bürgerbeteiligung beantwortet mit ihren acht Kollegen an vier Bildschirmen mit Touchscreen und über zehn Stellwänden die Fragen der Bürger.
Die Karten und Luftbilder erleichtern die Diskussion und helfen, einen genauen Überblick zu bekommen. Auf den Monitoren können die Interessierten in die Karte hineinzoomen und den Trassenverlauf exakt verfolgen. Zudem werden einzelne Kriterien wie Wasserschutzgebiet und Industriegebiet aufgezeigt. Außerdem sehen die Bürger, wo beispielsweise ein Naturdenkmal im Weg steht oder eine Gasleitung verläuft.
Dabei dreht sich alles um den von Tennet favorisierten Korridor für den Abschnitt C (zwischen Hof und Pfreimd), der auch das Stiftland stark betrifft. In dem 1000 Meter breiten Korridor hat das Unternehmen den möglichen Erdkabelverlauf (etwa 15 Meter breit) schon eingezeichnet.
Viele Anpassungen
Ein Landwirt aus Pilmersreuth an Straße stellt wie viele andere überrascht fest, dass die Stromleitung direkt durch eines seiner Felder führt. "Das geht gar nicht. Da müssen wir noch einmal reden." Kürth versucht zu beruhigen, denn "es wird noch viele Anpassungen geben". Die momentan Linie werde nicht so bleiben. Die Trassenachse könnten alle Bürger bis Mitte Februar noch weiterentwickeln.
Dafür nutzt Tennet ein Online-Karten-Portal auf seiner Homepage. Dabei kann man in einem Geoinformationssystem (GIS) Hinweise zu Besonderheiten im Raum (punktuell und in der Fläche) als auch neue Vorschläge für den möglichen Verlauf der Erdkabelleitung innerhalb des Korridors geben. "Allerdings ersetzt diese Möglichkeit nicht die Stellungnahme gegenüber der Bundesnetzagentur", weiß die Referentin.
David Hahn steht an einem anderen Bildschirm Rede und Antwort. Bürger aus Kleinkonreuth und Matzersreuth wundern sich, dass die geplante Umgehungsstraße um Tirschenreuth noch nicht mit in die Planungen einbezogen ist. Hahn zeigt, wie es möglich ist, in das GIS-System die neuen Informationen einzugeben. Andere plädieren noch immer dafür, dass die Stromleitung an der Autobahn entlangläuft.
Es kommen aber auch einige Leute vorbei, die nicht direkt betroffen sind. "Es interessiert mich einfach. Ich habe mich mit der Materie wegen des Ostbayernrings befasst", erklärt Stefan Eckstein aus Kleinsterz. Er sieht die geplante Erdverkabelung kritisch. "Ich glaube nicht, dass auf der Fläche wieder so viel wächst wie vorher." Zudem wundert ihn, dass in Oberfranken der Widerstand viel größer ist.
"Ich merke, die Leute sind zufrieden, wenn man auf sie eingeht und ihnen alles erläutert", sagt Kürth. Es seien viele Grundstückseigentümer gekommen. Die Diskussionen in Großbüchlberg empfindet sie "als sehr konstruktiv". Im Gegensatz dazu sei die Stimmung beim Infomarkt in Seußen ein wenig aggressiv gewesen. Denn dort äußerte sich auch die Bürgerinitiative (BI) "Seußen wehrt sich". Diese hätte schon im Vorfeld Banner aufgehängt.
Weitere Infomärkte
Auch am Mittwoch beim Termin in Gattendorf bei Hof sei eine BI vor Ort gewesen: Die Bürgerinitiative "Wurlitz und Umgebung" spricht sich gegen die Stromtrasse aus. "Es ist natürlich in Ordnung, wenn sie dagegen sind. Aber in diesem Fall sind wir der falsche Ansprechpartner", macht Kürth deutlich.
Im Gegensatz dazu hat sich im Stiftland noch keine BI gegründet oder treten Bürger in einer größeren Gruppe auf. Bei den nächsten Infomärkten wird sich das für Tennet schon wieder ändern. Denn diese sind am Montag, 21. Januar, in Windischeschenbach im Pfarrsaal der Pfarrei St. Emmeram und am Dienstag, 22. Januar, in Weiden in der Max-Reger-Halle, jeweils von 15 bis 20 Uhr. In diesem Gebiet ist die BI "NEW/WEN gegen die Monstertrasse - für eine dezentrale Energiewende" aktiv.















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