30.11.2018 - 12:28 Uhr
Großensees bei LeonbergOberpfalz

Glatteis im Landkreis Tirschenreuth: Milchlaster schlittert gegen Garage

Im ganzen Landkreis Tirschenreuth kam es am Freitagvormittag wegen Glatteis zu Verkehrsunfällen. In Dobrigau bei Leonberg rutschte ein Milchtransporter gegen eine Garage.

Der Milchlaster krachte gegen eine Garagenmauer in Dobrigau.
von Martin Maier Kontakt Profil

Die Erstmeldung hörte sich dramatisch an: "Lkw in Haus gefahren, Gebäude ist eingestürzt." Die Informationen waren laut Jürgen Meyer, Pressesprecher der Integrierten Leitstelle Nordoberpfalz, von einem Passanten gekommen. Daher wurden auch zahlreiche Rettungskräfte aus der Umgebung alarmiert.

Vor Ort in Dobrigau stellte sich die Lage aber als nicht so schlimm heraus. Der Fahrer eines Milchlasters hatte bei der Anfahrt zu einem Bauernhof auf dem Kopfsteinpflaster die Kontrolle über seinen Lastwagen verloren. Das Gefährt krachte gegen eine Garagenmauer. Der Fahrer verletzte sich nach Angaben der Polizei leicht am Fuß.

Die ILS hatte wegen der unklaren Lage viele Rettungskräfte alarmiert: die Feuerwehren aus Großensees, Mitterteich, Tirschenreuth, Waldsassen, die Werkfeuerwehr Schott, das THW Marktredwitz, vier Rettungswagen (zwei waren vor Ort) und zwei Ärzte. Einige Kräfte konnten auf dem Weg zum Einsatzort wieder umkehren. Laut Polizei entstand an der Garage "kaum Schaden".

Das war aber am Freitagvormittag bei weitem nicht der einzige Verkehrsunfall im Landkreis Tirschenreuth. Die Polizeiinspektion (PI) Waldsassen rückte zu sieben Einsätzen aufgrund von Eisglätte aus, darunter der Vorfall in Dobrigau. Auf der Kreisstraße bei Leonberg rutschte ein 38-Tonnen-Lastwagen in den Straßengraben. "Aber ansonsten sind wir relativ glimpflich davon gekommen", erklärte PI-Leiter Markus Damm. Im Bereich der PI Kemnath kam es zu zehn Verkehrsunfällen. Es blieb immer beim Blechschaden.

Die PI Tirschenreuth zählte zwischen 6.30 und 7.30 Uhr in den Gemeindebereichen Tirschenreuth und Plößberg acht Verkehrsunfälle aufgrund plötzlich einsetzenden Regens und der damit verbundenen Straßenglätte, wie Polizeihauptkommissar Norbert Helgert mitteilte. Den Schaden an den Fahrzeugen und Verkehrseinrichtungen schätzte er auf insgesamt rund 50.000 Euro. Bei zwei Auffahrunfällen bei Erkersreuth wurden drei Fahrzeuginsassen leicht verletzt. Dabei handelte es sich hauptsächlich um Prellungen und Verstauchungen, die ambulant behandelt wurden. In Tirschenreuth schlitterte ein Auto beim Abbiegen über eine Verkehrsinsel und rutschte gegen einen Lastwagen. "Es war aber zum Glück nur ein Blechschaden", so Polizeikommissar Tobias Säckl. Außerdem fuhr ein Wagen gegen einen Stromkasten. Und in Plößberg rutschte ein Räumfahrzeug in einen Gartenzaun. Der Schaden sei aber nicht sehr groß gewesen.

„Wir rackern wie die Wahnsinnigen mit hochgefahrener Besetzung“, sagte der stellvertretende Leiter der Integrierten Leitstelle Nordoberpfalz, Jürgen Meyer, am Freitagmorgen. 177 Notrufe in Weiden sowie den Landkreisen Neustadt und Tirschenreuth zählte die ILS schließlich insgesamt bis 12 Uhr. „So gegen 6 Uhr ging’s richtig los.“

Auch das Rote Kreuz hatte im Landkreis Tirschenreuth alle Hände voll zu tun. "Um 7.48 Uhr ist der sogenannte Sonderbedarfsfall alarmiert worden", erklärte stellvertretender Kreisgeschäftsführer Sven Lehner. Dadurch wurden neben dem regulären Bedarf sieben zusätzliche Fahrzeuge in den Dienst genommen. Dies kamen aus Mitterteich, Waldsassen, Kemnath (2), Tirschenreuth (2) und Erbendorf.

Die Witterungsbedingungen verhinderten auch die Sitzung des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Nordoberpfalz. Auf der Tagesordnung im Landratsamt Tirschenreuth stand eigentlich die Entscheidung für einen weiteren Rettungswagen-Standort im östlichen Landkreis. Da nur vier Verbandsräte anwesend waren, musste die Sitzung verschoben werden. Sie soll noch heuer nachgeholt werden.

Hintergrund:

Wegen des Glatteises fielen (fast) alle Schulen im Landkreis Tirschenreuth aus. Nach Rücksprache mit den Rektoren traf Schulamtsdirektor Rudolf Kunz diese Entscheidung. "Ich habe da ein Portal, wo ich das eingeben kann. Darüber bekommen auch die Radiostationen Bescheid", erklärt er das Prozedere. Dem Weidener machten die Straßenverhältnisse ebenfalls zu schaffen. Als er in der Max-Reger-Stadt um 6.15 Uhr losfuhr, seien noch alle Straßen frei gewesen. "Ab Pilmersreuth an der Straße war aber dann Chaos pur." Schon zu dieser Zeit hätten sich zig Kollegen aus dem gesamten Landkreis auf seinem Handy gemeldet. "Wenn es anstatt eines Portals eine App geben würde, hätte ich schon zu dieser Zeit den Unterricht an den Schulen abgesagt", hat Kunz einen Verbesserungsvorschlag. Schließlich kam er erst um 7.30 Uhr im Schulamt in Tirschenreuth an und konnte alles veranlassen.

Falls Kinder aber doch schon in der Schule waren, wurden sie betreut. Und in der Grundschule Friedenfels gab es trotzdem Unterricht. "Dort gibt es keine Bus-Schüler", erläutert Kunz. Ein Lob hat er noch für die Rektoren: "Die sind alle klasse. Alle haben mir Bescheid gegeben."

Der Milchlaster krachte gegen eine Garagenmauer in Dobrigau.
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