Holz-Art und Stall-Cams

Land-, Forst- und Teichwirtschaft sind prägend für das Stiftland und die Region. Mit der „Erlebniswelt Waldnaabaue“ sollen sie den Menschen näher gebracht werden. Die Anlagenbauten haben begonnen.

Landwirtschaftsdirektor Wolfgang Wenisch veranschaulicht die Idee der Großensterzer "Bildergalerie" mit zwei Bilderrahmen.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

(tr) Die "Erlebniswelt Waldnaabaue" bei Großensterz nimmt nur langsam Formen an. Bei der forstwirtschaftlichen Komponente ist der eigentliche Rundweg schon gut zu erkennen. Vom landwirtschaftlichen Rundkurs fehlt praktisch noch jede Spur. Das wird sich bald ändern. Seit zwei Jahren geht es darum der "Erlebniswelt Waldnaabaue", die das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) sowie der Forstbetrieb gemeinsam schultern, Leben einzuhauchen.

Neue Ausschreibungen

Dass sich das Ganze immer wieder verzögert läge daran, dass bei der boomenden Wirtschaftslage, die Angebote der Firmen überteuert wären, gar keine gemacht würden oder die Betriebe schlicht und einfach keine Zeit hätten und nicht genug Facharbeiter fänden. Davon können Betriebsleiter Gerhard Schneider, sein Stellvertreter Florian Fischer, vom Forstbetrieb Waldsassen und der Leiter des AELF, Landwirtschaftsdirektor Wolfgang Wenisch ein Lied singen.

"Bei den ersten Ausschreibungen im Frühjahr waren die Angebote oft völlig überzogen oder wir haben erst gar keine Antwort bekommen", sagen Schneider und Fischer. Momentan liefen neue Ausschreibungen. Schneider ergänzt, dass er sich wünsche, dass hier vor allem heimische Betriebe zum Zuge kämen.

Detailplanung im Herbst

Für den landwirtschaftlichen Erlebnispfad sei ein rund 3,5 Kilometer langer Rundweg geplant, erklärt Wenisch bei einem Gespräch mit den Oberpfalz-Medien". Start und Ziel ist am Wanderparkplatz bei Großensterz. Im Herbst soll die Detailplanung beginnen. Umgesetzt würden die Vorstellungen in 2019. Als Baubeginn ist das Frühjahr anvisiert.

Am Waldrand beim Parkplatz entstehe eine "Bildergalerie", die ähnlich, wie das mit dem Zoomobjektiv einer Kamera möglich ist, in großen Rahmen das Dorf Großensterz in verschiedenen Perspektiven zeigt. Einmal kommt dabei die Weitwinkel-Perspektive mit viel Landschaft zum tragen. Im zweiten Rahmen wird das Dorf in seiner Gesamtheit, als wäre es mit einem Normalobjektiv aufgenommen, zu sehen sein und im dritten Rahmen ist nur noch ein einzelner Hof (Teleobjektiv) zu erkennen. Von dieser "Galerie" aus schlängelt sich der Rundweg vom Waldrand ab dem Wanderparkplatz die kleine Straße hinauf zur Hauptstraße, quert diese und führt weiter Richtung Mitterteich. Laut Wolfgang Wenisch existiert dort bereits ein kleines Biotop, wo eine Vogelbeobachtungsstation gebaut werden soll. Der Rundkurs geht weiter Richtung ATS-Sportplatz. Dort soll eine Hütte errichtet werden, die aussieht wie ein überdimensionaler Tisch mit zwei Stühlen. Von hier zweigt der Weg wieder Richtung Großensterz ab. In einem Hof sollen Webcams aufgestellt werden, die Einblicke in das Stallleben von Hühnern und Schweinen gewähren, damit sich der Verbraucher ein Bild von der Tierzucht machen kann. Auch eine Imkerei könne möglicherweise mit dabei sei. Etwa 180 000 Euro sind für die Maßnahmen veranschlagt.

Turm nicht "gestorben"

Der geplante Aussichtsturm in die Waldnaabaue, der "Leuchtturm" des Projekts, sei derzeit nicht finanzierbar, aber nach Wenischs Ansicht nicht gänzlich "gestorben". Sollte sich in den kommenden Jahren ein Fördertopf auftun, in den das Projekt passe, werde es sofort wieder aufgenommen.

Die forstliche Erlebniswelt ist bereits im Bau. Der etwa 3 Kilometer lange Rundweg soll zu Fuß mit Rad, mit oder ohne Familie erlebbar werden. Im Sommer kommenden Jahres soll er fertiggestellt sein. "Das ist zumindest das Ziel", sagt Forstbetriebsleiter Gerhard Schneider. Gestartet wurde im Herbst vergangenen Jahres. Der Weg als solcher ist angelegt, der Wanderparkplatz fasst jetzt etwa 25 Autos und die Attraktionen, die der Forstbetrieb mit eigener Manpower beisteuert sind weitestgehend fertig. Auffällig ist das Begrüßungsportal in Form eines großen Insektenhotels. Im Vergleich zu Hotels in denen Menschen absteigen direkt eine "Bettenburg", für verschiedenste Krabbler. Siegfried Schwarzbauer und Josef Reichenberger haben hier mit der Motorsäge ein Meisterwerk geschaffen. Sie und weitere Mitarbeiter des Waldsassener Forstbetriebs sind wahre Künstler mit dem schweren Gerät und ihre Werke begegnen dem Wanderer auf dem Rundweg auf Schritt und Tritt.

Lebensgroßer Braunbär

So der lebensgroße Braunbär und ein Thron mit Löwenkopf, die Peter Dietz geschaffen hat. Der Balancierweg aus riesigen hölzernen Steinpilzen geht auf das Konto von Josef Reichenberger. Die Wildschweinrotte am Wegesrand hat Siegfried Schwarzbauer aus dem Holz gearbeitet. Der große phantasievolle Kinderspielplatz mit Spielgeräten aus Holz, der unweit des Parkplatzes entsteht, hat bereits sein Fundament. Alle Geräte sollen aus heimischer Lärche gefertigt werden. Die etwa einen Hektar umspannende Familien-Mountainbike-Strecke ist bis auf die Wippelemente ebenfalls angelegt. In den Moosteich wird noch ein etwa zehn Meter langer Steg hineingebaut, um von dort besser Vögel beobachten zu können. Eine Bank und Schautafeln vervollkommnen diese Station. Etwa 300 000 Euro werde das Projekt kosten. Der Löwenanteil, etwa 90 Prozent, läge bei der AELF, der Rest beim Forstbetrieb.

Noch etwas schwebt den Forstleuten vor. "Holz-Art" im Wald. Dabei beziehe sich das "Art" im Wort auf die Kunst. Schneider und sein Stellvertreter stellen sich dabei vor, dass künftig in einem großen Areal am Rundweg Künstler vor Ort mit Holz arbeiten. Den Waldsassener Holz-Skulpturen-Künstler Wolfgang Horn habe man bereits gefragt. Jeder der sich angesprochen fühlt, soll sich beim Forstbetrieb Waldsassen, Telefon: 09632-9 22 30 melden. "Wir stellen gerne ein beliebig großes Areal zur Verfügung und spendieren in einem bestimmten Rahmen auch das Holz", sagt Schneider. "Dort könnten Workshops, Seminare Dauerausstellungen oder thematisierte Ausstellungen stattfinden", schwärmt der Förster weiter.

Florian Fischer und Gerhard Schneider (von links) Hand in Hand mit dem Bären, den Peter Dietz mit der Motorsäge geschaffen hat.
Hier entsteht der Familien-Mountainbike-Parcours.
Ein Stacheldrache am Wegesrand.
Eine Wildschweinrotte am Waldrand von Siegfried Schwarzbauer.
Der Thron mit Löwenkopf stammt ebenfalls von Peter Dietz.

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