19.02.2021 - 13:43 Uhr
Großkonreuth bei MähringOberpfalz

Kosten für Multifunktionshaus in Großkonreuth bewegen sich in der Kalkulation

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Das Multifunktionsgebäude am Anger ist ein Aufreger. Zu unrecht, meinen Bürgermeister und Planer. Die Wogen wollen sie mit Fakten etwas glätten.

Das Multifunktionsgebäude am Anger in Großkonreuth sorgt für emotionale Diskussion im Gemeinderat. Gerade die Kosten sind Mittelpunkt der Diskussion. Zu unrecht, nimmt Architekt Peter Hilgarth Stellung. Denn mit der Kalkulation liege man im Rahmen.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Das Gebäude in der Ortsmitte gibt jetzt schon eine Vision von einem lebhaften Zentrum, das für vielerlei Möglichkeiten sorgen wird. Noch freilich herrscht wenig Aktivität auf dem Gelände, dafür aber umso mehr im Marktgemeinderat. Von Kostenexplosion, ungenügenden Informationen oder Defiziten bei der Mitbestimmung war da die Rede.

Grund für Planer Peter Hilgarth den Anstoß für eine etwas sachlichere und informativere Zwischenbilanz zu geben. Und dabei betont nicht nur er, dass sich eigentlich alles im kalkulierten Rahmen bewegt. Gerade was die Kosten anbelangt. Am nächsten Montag, in der Sondersitzung des Marktgemeinderates, wird das Multifunktionsgebäude der einzige Punkt sein.

Bei einem Gespräch mit Oberpfalz-Medien vor Ort wollte Architekt Peter Hilgarth, zusammen mit Landschaftsarchitektin Gisela Fanck-Reiter zur aktuellen Diskussion Stellung beziehen. Der Planer sah es dabei für notwendig an, mit sachlichen Informationen die Wogen etwas zu glätten, zumal auch die geäußerten Argumente für ihn schwer nachzuvollziehen sind. "Ich bin etwas verwundert vom Verlauf der Diskussion", betont der Architekt beim Treffen an der Baustelle. Und stellt dabei deutlich heraus, dass der Gemeinderat stets in die Entwicklung mit eingebunden gewesen sei. Seit den Entscheidungen im November 2019 seien die Verantwortlichen in allen Schritten immer mit eingebunden und beteiligt gewesen, unterstreicht nicht nur der Planer, sondern auch Bürgermeister Franz Schöner. Genauestens hätte sich auch im Vorfeld das Gremium über das Projekt Gedanken gemacht, erinnert Hilgarth etwa an Bustouren zu Beispielen sowie die verschiedenen Workshops.

Und bei der Kostensituation will der Planer auch zur sachlichen Betrachtung appellieren. "Das ganze Vorhaben ist von Anfang an zusammen mit der Gemeinde und den Mitgliedern des Gemeinderates entwickelt worden", erinnert Hilgarth. Schon im November 2019 sei dann das Projekt umfassend vorgestellt worden, mit der damaligen Kostenschätzung allein für das Gebäude von rund 372 000 Euro. Franz Schöner erinnert an Anregungen, etwa aus den Reihen der Vereine, die zu Veränderungen geführt hätten. So sollte ein Fliesenboden einen Raum auch für die Obstpresse nutzbar machen. Oder eine zusätzlich Beleuchtung für einen Festplatz neben dem Gebäude ausgelegt sein. Dadurch seien die Kosten, so der Bürgermeister, auf rund 400 000 Euro geklettert. Mit Blick auf die zwischenzeitlichen Kostensteigerungen im Bausektor würde das Vorhaben also keinesfalls den Rahmen sprengen.

Wenig verständlich waren für den Planer deshalb auch Aussagen, dass "die Kosten aus dem Ruder laufen". Schließlich sei noch nicht alles ausgeschrieben und somit die endgültige Summe auch nicht bekannt. Zudem seien gerade bei den Außenanlagen die Wünsche des Gremiums auf Einsparungen berücksichtigt worden. Das sei zudem Ziel der Gemeinderatssitzung gewesen, ergänzt Gisela Fanck-Reiter. Der Ansatz von 215 000 Euro soll deshalb auf rund 190 000 Euro reduziert werden. Hier seien Eigenleistungen der Bürger mit eingerechnet worden. Zur Fördersituation vermerkte Hilgarth, dass mit den noch offenen Vergaben eine genaue Aussage derzeit nicht zu treffen sei. Zudem hätte der Fördergeber bei der Beschreibung der förderfähigen Kosten das entscheidende Wort.

Diskussion im Gemeinderat über das Multifunktiongebäude in Großkonreuth

Mähring

Diskussion im Gemeinderat über das Multifunktiongebäude in Großkonreuth

Mähring

Die emotionale Diskussion wollen die Verantwortlichen mit den Informationen im Vorfeld der Sondersitzung etwas dämpfen. Dabei erinnern sie auch, dass im Zuge der Bauausführung jede Woche Treffen vor Ort ermöglicht wurden. Nicht alle haben daran aber teilgenommen. Überhaupt ist Franz Schöner, der schon 12 Jahre im Gemeinderat aktiv dabei ist, um eine Verbesserung der Zusammenarbeit im Gremium bemüht. Freilich kennt er die besondere Problematik, die drei ehemals eigenständigen Gemeinden unter einen Hut zu bekommen. Dabei verkennt Schöner auch nicht, dass in Mähring und Griesbach ähnliche Projekte bereits in Eigenregie ausgeführt wurden. Doch die hohe Förderung über das Amt für Ländliche Entwicklung hätte eben in Großkonreuth für andere Voraussetzungen gesorgt. Eines stellt der Bürgermeister bei dem Gespräch besonders heraus: Er bemühe sich, alle Gemeindeteile gleich zu behandeln. "Ich will keinem was wegnehmen", betont Schöner. Am Montag werden die Planer bei der Sondersitzung sich den Fragen des Gremiums stellen.

Kosten laufen nicht aus dem Ruder

In der Diskussion um das Multifunktionsgebäude hält es Architekt Peter Hilgarth (links) für notwendig, sachliche Informationen beizusteuern. Ebenso Bürgermeister Franz Schöner. Zum Gespräch mit Oberpfalz-Medien war auch Landschaftsarchitektin Gisela Fanck-Reiter gekommen.

Gemeinderat stets eingebunden

Hintergrund:

Dorfgemeinschaftshaus nicht zu stemmen

Ein Wort will Bürgermeister Franz Schöner beim Treffen am Anger auch zu den gestoppten Plänen für das "Dorfgemeinschaftshaus" verlieren. Mit der Aussicht auf eine hohe Förderung durch das Amt für Ländliche Entwicklung (500 000 Euro) sei hier vor Jahren, ebenfalls nach Workshops und Beratungen, mit einem ersten Konzept mit Kosten von weit über einer Million Euro gestartet worden. Bühne und Saal seien etwa enthalten gewesen, doch hätte die Gemeinde priorisieren sollen, was genau gemacht soll. Schließlich hätte die Gemeinde auch das ehemalige Raiffeisengelände in Griesbach und die frühere Feuerwehrscheune in Mähring im Plan.

Ein Kostenüberschlag durch Architekten Hilgarth hatte dann, mit Verzicht auf den Dorfladen, eine Summe von rund 900 000 Euro ergeben. Immer noch deutlich zu viel, konstatiert Schöner, nachdem bei bester Förderung der Gemeinde 400 000 Euro verblieben wären. Die würden die Finanzen der Gemeinde arg strapazieren. Und bei einer nachgereichten Überlegung aus dem Gemeinderat hätten etwa Kosten für den Umgriff oder das Mobiliar gefehlt.

Das "Dorfgemeinschaftshaus" sei mit Blick auf die hohe Belastung deshalb zurückgestellt worden. Allerdings könnte das Projekt immer wieder beantragt werden.

"Das ganze Vorhaben ist von Anfang an zusammen mit der Gemeinde entwickelt worden."

Architekt Peter Hilgarth

"Ich will keinem was wegnehmen.“

Bürgermeister Franz Schöner

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