Großschönbrunn bei Freihung
11.06.2023 - 09:20 Uhr
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Hotel und Buffet für Insekten von Naturgärtnern in Großschönbrunn

Monokulturen, Pestizide, Giftstoffe, Boden-Versiegelung, fehlende Blumenwiesen - all das sorgt für den Garaus der Insekten. In Großschönbrunn gibt es zwei Naturgärtner, die wissen, wo sich das kleine Getier wohlfühlt und viel dafür tun.

Das gravierende Insektensterben hat verheerenden Folgen. Studien zur Folge ist die Zahl der Insekten in Deutschland in den vergangenen 30 Jahren um rund 76 Prozent eingebrochen. Gut 70 Prozent aller Tierarten weltweit sind Insekten, die zu den artenreichsten Gruppen aller Lebewesen zählten und in allen Ökosystemen dieser Welt zu Hause sind. Für die Naturgärtner Daniela und Christian Dotzler aus Großschönbrunn steckt hinter diesen Zahlen Brisanz: „Es gibt zahlreiche Gründe, die Artenvielfalt zu erhalten und vor allem zu bewahren - ökologische, ökonomische, soziale und auch ethische. Der offensichtlichste Grund ist, dass die biologische Vielfalt die Grundlage für das Leben auf der Erde und für die sogenannten ‚Dienstleistungen der Ökosysteme‘ ist. Zerstören wir diese, dann sägen wir den Ast ab, auf dem wir sitzen.“ Das Ehepaar lebt in einem Einfamilienhaus mit Vorgarten, einer Streuobstwiese und insgesamt 1590 Quadratmeter Grund rund ums Haus. Daneben bewirtschaften die beiden eine nochmals rund 2000 Quadratmeter große Fläche, die sie gepachtet haben. Überall entstanden Inseln, die sie "Naturmodule für die Artenvielfalt" nennen. Daniela und Christian Dotzler setzen sich dafür ein, mehr Rückzugsgebiete für die heimischen Insekten, Tiere und Pflanzen zu schaffen. Ihr Ziel ist es, Flächen wie Wiesen, Ackerland und Wald, welche für die landwirtschaftliche Nutzung weniger interessant sind, zu pachten, um dort Pflanzen- und Wildbienen-Oasen sowie regelrechte Insekten-Tankstellen zu errichten.

Ohne Bestäubung keine Ernte

"Dienstleister" wie beispielsweise die Bienen, würden nach den Aussagen der Dotzlers Obstbäume und andere Blütenpflanzen bestäuben. Ein Großteil der Nahrungsmittel hängt maßgeblich von Insektenbestäubung ab. Aber nicht nur Bienen des Imkers sind gefordert, auch viele Wildbienen wie Mauerbienen, Holzbienen sowie Hummeln, Schmetterlinge und Käfer würden nach Aussagen der Dotzlers bis zu 80 Prozent unserer wertvollen Nahrungspflanzen, Obst und Wildobst bestäuben. Ohne diese Bestäubung der Insekten würde es kaum Obst in unseren Gärten geben, machen die Dotzlers klar. Ihre Ernte ist vielfältig: "Wir kultivieren jährlich rund 15 Kartoffelsorten, welche variieren und auch mal mehr oder weniger sein können. Ebenso versuchen wir Bohnen, derzeit über 100 Sorten zu vermehren. Neben klassischen Stangen- und Buschbohnen gibt es Erdnüsse, Sojabohnen usw. In unseren derzeit vier kleinen Gewächshäusern, stehen viele verschiedene Tomaten, Gurken, Paprika, Meter-Bohnen, Peperoni, Physalis, Auberginen, Salate", beschreiben sie auf ihrer Homepage hortus-bios.de.

Christian Dotzler, selbst Imker, zitiert aus dem Weltagrarbericht seinen Antrieb: „Der ökonomische Wert der Bestäubungsleistung durch Insekten dürfte weitaus höher sein als bisher vermutet: Allein in Deutschland generieren Bienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber jedes Jahr einen Wert von 3,8 Milliarden Euro.“ Einst hätten in Deutschland 400 verschiedene Wildbienen gelebt, heute sei ein großer Teil vom Aussterben bedroht. Christian Dotzler: „Man vermutet sogar über 70 Prozent aller Arten sind durch die industrialisierte Welt bedroht. Nicht zuletzt auch wegen der modernen Gärten mit Steinpisten und Nadelgehölzen." Seiner Meinung nach sollte an jedem Steingarten ein Schild stehen: "Hier ruht Biene Maja, verhungert, weil man Steine nicht essen kann.“

Die Dotzlers arbeiten mit Privatpersonen, Kommunen, Firmen, Vereinen und Verbänden eng zusammen. Einige Flächen im Landkreis Amberg-Sulzbach werden bereits nach diesem Prinzip gepflegt. Die Naturgärtner sind weiter auf der Suche nach solchen künftigen Lebensinseln für Insekten. Ob in der Stadt oder auf dem Land, landkreisweit oder oberpfalzweit – damit soll ein Netzwerk für die Biodiversität über die kommenden Jahre geschaffen werden.

Mähen mit dem Balkenmäher

Die Dotzlers bewirtschaften die gepachteten Flächen "naturnah". Das heißt: "Mähen und Pflegen erfolgt in Etappen und gezielt rücksichtsvoll - meist per Hand, an manchen Flächen mit Balkenmäher." Die Mahd muss abwelken, aussamen und wird in der Regel per Handarbeit abgetragen und abtransportiert. „Das ist sowohl zeitlich wie auch körperlich eine Herausforderung. Dient aber dem Renaturieren und dem Fortbestand von Pflanzen, welche dringend von den Insekten benötigt werden“, sagte Daniela Dotzler. Um dieses Projekt zu verwirklichen, freuen sich die Dotzlers über jeden, der eine Naturpatenschaft übernimmt und sich so daran beteiligt, die Umwelt in kleinen Schritten wieder natürlicher zu gestalten.

Info:

Tipps der Naturgärtner

  • Die kleinste Blühwiese ist der Blumentopf.
  • Eine wilde Ecke im Garten schaffen, wo Käfer, Wildbienen und Co zuhause sein können. Auch abgestorbenes Holz gehört dazu.
  • Auf chemische Reinigung von Wegen und Flächen verzichten, in Pflasterfugen könnten sich beispielsweise die Sandbienen wunderbar vermehren.
  • Pflanzen organisch und biologisch düngen. Nachhaltige Erde verwenden.
  • Beratung zur Gestaltung eines naturnahen Gartens und Infos zu Patenschaften unter Telefon 09622/6388, per Mail hortus-bios[at]gmx[dot]de und auf www.hortus-bios.de
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