07.08.2019 - 17:37 Uhr
MünchenOberpfalz

Grüne werben für mehr Bio-Landbau in Bayern

Fast ein Drittel der Felder und Wiesen in Bayern sollen in gut zehn Jahren ökologisch bewirtschaftet werden. Die ehrgeizige Marge ist nach Ansicht der Grünen zu schaffen - aber nur unter bestimmten Bedingungen.

Ein Milchschaf in einem Biolandwirtschaftsbetrieb.
von Jürgen UmlauftProfil

Die Grünen im Landtag fordern eine von Freistaat unterstützte Offensive zur besseren Vermarktung von Bio-Lebensmitteln. Nur so könne das mit dem angenommenen Artenschutz-Volksbegehren verankerte Ziel von 30 Prozent Bio bis 2030 erreicht werden, erklärte Fraktionschef Ludwig Hartmann in München. Nötig seien ein "Aktionsplan Bio 2030", um den Absatz anzukurbeln, und enger verzahnte Strukturen vom Erzeuger über den Handel bis zum Konsumenten, um Landwirten die Umstellung auf Bio-Produktion zu erleichtern. "Die Botschaft muss lauten: Bio aus Bayern für Bayern", sagte Hartmann.

Nach einer vom Marktforschungsinstitut Ecozept im Auftrag der Grünen erstellten Studie sind die Chancen für den Absatz von mehr Bio-Produkten im Freistaat gut. Der Trend hin zu ökologischen und fair gehandelten Lebensmitteln sei "konstant hoch", erklärte Ecozept-Geschäftsführer Burkhard Schaer. Die jährlichen Zuwächse seien aber zu niedrig, um das 30-Prozent-Ziel bis 2030 zu erreichen. Ohne zusätzliches Marketing und eine effizientere Wertschöpfungskette werde der Bio-Anteil von derzeit 10 auf maximal 15 Prozent bis 2030 ansteigen. Nachbarländer wie Österreich, Frankreich und die Schweiz seien dagegen längst auf dem Pfad, das 30-Prozent-Ziel zu erreichen.

Um für Bio-Bauern einen verlässlichen Absatzmarkt in Bayern zu schaffen, forderte Hartmann, in Kantinen öffentlicher Einrichtungen mehr Bio-Kost anzubieten. Zudem sollten Förderprogramme für den Tourismus und die Gastronomie durch eine Bio-Komponente ergänzt werden. Die Grünen Agrarpolitikerin Gisela Sengl verlangte von Staatsregierung und Bauernverband ein "klares Bekenntnis zu bio und regional". Nur beides zusammen könne die heimische Bio-Produktion und den Bio-Absatz stärken. Koordiniert werden müsse dies durch ein Referat für Öko-Landbau im Agrarministerium, fachlich unterstützt von einem eigenen Institut für Öko-Landbau an der Landesanstalt für Landwirtschaft.

Nach Angaben Schaers sind viele Landwirte grundsätzlich bereit, auf Bio-Produktion umzustellen. Um den Schritt zu gehen, fehle ihnen aber oft die Ertragssicherheit. Wichtig seien deshalb langfristige Lieferverträge mit Handel oder Lebensmittelproduzenten, wie es sie dank steigender Absatzzahlen in Österreich oder Frankreich gebe. Für die Verbraucher hielt Schaer die Mehrkosten beim Kauf von Bio-Produkten für verkraftbar. Derzeit gebe jeder Deutsche pro Jahr im Durchschnitt 130 Euro mehr für Bio-Produkte aus, bei Erreichen des 30-Prozent-Ziels wären es rund 300 Euro.

Hintergrund:

Bio-Landbau in Bayern

Nach Angaben des bayerischen Agrarministeriums gibt es im Freistaat gut 10 000 bäuerliche Öko-Betriebe, die rund 350 000 Hektar nach ökologischen Standards bewirtschafteten. Das entspricht einem Anteil von etwa elf Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Bayern liegt damit hinter dem Saarland (16,5 Prozent) und Baden-Württemberg (14 Prozent) auf Rang drei in Deutschland. In Österreich liegt der Anteil des Öko-Landbaus bei knapp 24 Prozent. Der durchschnittliche Jahresgewinn eines bayerischen Öko-Bauernhofs lag im Geschäftsjahr 2016/17 bei 58 491 Euro, knapp 6000 Euro über dem eines konventionellen Betriebes. Die Gründe sind höhere Verkaufserlöse, aber auch deutlich höhere Beihilfen für Umweltleistungen. Öko-Betriebe haben einen höheren Personal-, aber erheblich niedrigeren Dünge- und Pflanzenschutzmittelaufwand. (jum)

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