23.04.2020 - 14:33 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Ein g'standner Kerl

Obwohl der Mercedes GLA ein Riesenerfolg war, kommt die nächste Generation radikal verändert auf den Markt. Der einstige Zwitter - halb A-Klasse, halb SUV - ist erwachsener, praktischer und gefälliger.

An eine liegende Acht erinnert die Form der großen Lufteinlässe unterhalb des mächtigen Kühlers.
von Berthold Zeitler Kontakt Profil

Mit dem neuen GLA (ab 37 721 Euro) rundet Mercedes sein Kompaktwagensegment ab. Acht verschiedene Modelle bieten die Stuttgarter hier an. Das ist allein in dieser Klasse eine Vielfalt, wie sie andere Hersteller insgesamt anbieten können: Von der Limousine über das Coupé bis hin zu einem Shooting Brake - und jetzt gibt es sogar zwei Kompakt-SUV. Den erst im vergangenen Jahr vorgestellten GLB, der vom Aussehen her eher an die kultige G-Klasse erinnert. Und den neuen GLA, der optisch an den GLE angelehnt wurde. Mit diesem gefälligeren Look passt er jetzt optisch besser in die Stuttgarter SUV-Familie. Runde Formen mit fließenden Flächen, einzig die Powerdomes auf der Motorhaube sorgen für Ecken und Kanten.

Der Neue zeigt wahre Größe: Zwar ist der GLA im Vergleich zum Vorgänger etwa gleich lang. Aber ein um drei Zentimeter längerer Radstand sowie die Erhöhung der Karosserie um ganze elf Zentimeter haben aus dem Kleinen ein echtes Raumwunder gemacht. Jetzt sitzt man endlich auch wie in einem echten SUV. Ganze zehn Zentimeter höher als in der ersten Generation. Und 14 Zentimeter höher als in der herkömmlichen A-Klasse.

Auch das Cockpit präsentiert sich stark aufgewertet, gegen Aufpreis gibt es sogar die moderne Widescreen-Optik. Die Sprachsteuerung MBUX ist bereits in der Serienausstattung mit dabei. So digital wie möglich - das ist das Schlagwort der Stunde. Deshalb sind fast alle Assistenzsysteme der Premiumklasse auch in dem Kompakt-SUV erhältlich. Gegen entsprechende Aufpreise, das versteht sich von selbst. Neu ist die Rettungsgassenfunktion, die das Auto bis Tempo 60 automatisch am Rand der Fahrspur chauffiert. Oder die Ausstiegswarnung, eine raffinierte, erweiterte Funktion des Totwinkelwarners. Zunächst blinkt es nur am Spiegel, wenn sich ein Fahrzeug nähert (auch Radler). Legt man aber seine Hand auf den Türgriff, um auszusteigen, ertönt ein zusätzlicher Warnton.

Sogar ein Ausstattungsfeature, das dem SUV-Flaggschiff GLS vorbehalten war, haben die Entwickler dem neuen GLA mitgegeben. Natürlich kann man vortrefflich darüber streiten, ob man die Waschstraßenfunktion braucht - aber wer schon mal vergessen hat, das Seitenfenster zu schließen, der wird dankbar dafür sein. Mit einem einzigen Befehl werden alle Fenster zugemacht, die Seitenspiegel angeklappt, und das Auto schaltet auf die Frontkamera um, so dass der Fahrer sein Auto exakt zwischen den beiden Waschsäulen platzieren kann. Beim Ausfahren und ab Tempo 20 nimmt der Bordcomputer diese Maßnahmen wieder zurück.

Überhaupt hat Praxistauglichkeit bei der Entwicklung des GLA eine große Rolle gespielt. Das trifft auch auf die Lademöglichkeiten zu. Dank eines höhenverstellbaren Bodensystems entsteht bei umgeklappter Rückbank zum Beispiel eine durchgehend nahezu ebene Fläche. Das Volumen liegt bei stattlichen 1420 Litern und damit knapp unter dem eines Kombis wie etwa dem Audi A4 Avant.

Mitgedacht haben die Techniker auch bei der Rückbank. Sie ist um bis zu 14 Zentimeter verschiebbar und im Verhältnis 40:20:40 teilbar. Gut, wenn sperrige Gegenstände eingeladen werden müssen, hinten aber trotzdem noch ein oder zwei Personen sitzen sollen.

Bewährtes gibt es bei den Motoren. Hier kommen die bekannten Vierzylinder-Diesel und Benziner zum Einsatz, die bei der Einführung der A-Klasse erneuert wurden. Angesichts des doch recht stattlichen Fahrzeuggewichts von gut 1,6 Tonnen ist der 1,3-Liter Benziner mit 163 PS nicht unbedingt empfehlenswert. Und auch beim Diesel sollte man auf den 220 d und seine 190 PS zurückgreifen. Damit lässt sich der Mini-GLE recht ordentlich bewegen. Ein Rennauto wird freilich nicht aus dem SUV, auch wenn mit allerlei technischem Schnickschnack das Wanken und Nicken der staksigen Karosserie unterdrückt wird.

Wer umweltfreundlich bestellen will, der muss noch ein wenig auf die Hybridvariante warten. Hier wird der 1,3-Liter-Benziner mit einem 102 PS starken Elektromotor ergänzt. Rein elektrisch soll der grüne GLA dann bis zu 60 Kilometer rollen. Angekündigt ist der 250 e bereits, aber noch nicht bestellbar.

Unser Fazit: Den Mutigen gehört die (Auto-)Welt. Daimler hat aus dem charakterstarken Millionenseller GLA ein echtes Mercedes-SUV gemacht. Gewonnen hat er bei den SUV-typischen Merkmalen wie Sitzhöhe und Übersicht, verloren hat er - leider - seinen unverwechselbaren Charme. (mid)

Klettertauglich und kein reiner Poser ist der neue GLA genauso wie alle anderen Mercedes-SUV.
Das Offroad-Fahrprogramm ist in der Allrad-Version 4matic automatisch mit an Bord.
Turbinen-Luftdüsen und ein Widescreen ? das sind die Designmerkmale, die sich durch die ganze Kompaktklasse ziehen.
Stark wie ein Stier wird der GLA erst, wenn AMG einsteigt. Dann wird es ein Triebwerk mit über 400 PS geben.
Mit höhenverstellbaren Böden und teilbarer Rückbank ist man für jede Lade-Situation gerüstet.
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