27.04.2021 - 11:19 Uhr
Güttern bei FuchsmühlOberpfalz

Gärtnerei Schinner verschenkt einen Teil des Komposthaufens an Markus Söder

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Mit einem "Geschenkpäckchen", adressiert an die Bayerische Landesregierung, möchte Gartenbau-Ingenieur Hans-Joachim Schinner aus Güttern ein Zeichen setzen. Der Inhalt: verwelkte Gemüse- und Blumenpflanzen vom Komposthaufen.

Hans-Joachim Schinner (links) hat einen Teil seiner Mitarbeiter an den Komposthaufen gebeten. Dort wurde das besondere Geschenk zusammengestellt, um es auf die Reise in die Landeshauptstadt zu schicken.
von Werner RoblProfil

Die 1905 gegründete Gärtnerei Schinner zählt zu den führenden Gartenfachbetrieben. Unter anderem war sie an der Internationalen Gartenschau 1983 in München beteiligt, wo sich der Traditionsbetrieb aus dem Fuchsmühler Ortsteil Güttern vorstellen durfte. Der ideenreiche Jungunternehmer Hans-Joachim Schinner, der den Betrieb aktuell leitet, hat sein Geschäft gleich auf mehrere Standbeine gestellt. Wichtigste Säulen sind das Ladengeschäft und der Online-Handel mit Erzeugnissen aus den Treibhäusern im Steinwald. Zudem fanden im großen "Gwäxhaus" Konzerte, Ausstellungen und an manchen Wochenenden auch Hochzeiten statt.

„Bis uns Corona einholte, konnte ich mich nicht beklagen“, gesteht Schinner im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Während des anschließenden Rundgangs verweist er aber auf vergammelte Blumen- und Gemüsepflanzen, die auf ihre Entsorgung warten. Einer der Mitarbeiter schiebt einen Schubkarren vorbei. Dessen Ziel ist der Komposthaufen nahe der Treibhäuser. „Mir blutet das Herz“, kommentiert Schinner den permanent wachsenden Erd- und Pflanzenhügel mit verwelkter Ware. Einen Teil davon – wenn auch nur symbolisch – verschenkte Schinner nun an Ministerpräsident Markus Söder.

Der Gartenbau-Fachmann aus Güttern möchte mit seinem Protest auch die Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Michaela Kaniber, ansprechen. "Es wäre schön, wenn auch sie von meinem 'Geschenk' etwas abbekäme, um über die Situation in den Gärtnereien nachzudenken", macht Schinner seinem Unmut Luft. Dem Päckchen beigefügt hat er ein Schreiben, in dem Schinner seine Ansichten zur aktuellen Lage in den Gartenfachbetrieben offen darlegt.

Hohe Kosten, viel Aufwand

Im Text erinnert er daran, dass die Hauptsaison begonnen habe. Allen müsse klar sein, mahnt Schinner, dass die Waren aufgrund der kürzlichen Beschlüsse "nicht verkauft, geschweige denn erhalten werden können". Folge sei - so der Unternehmer - die Vernichtung der mit Kosten und viel Aufwand produzierten Gemüse- und Zierpflanzen. "Click & Meet" könne die Verluste nicht auffangen, ergänzt der Gütterner Gärtner.

Ausdrücklich verweist Schinner auf die Verderblichkeit seiner beziehungsweise der in den rund 1200 bayerischen Gartenbaubetrieben gezogenen Pflanzen und spricht von einem „Massenmord der erzeugten Lebensmittel“. Schinner fordert, dies zu verhindern. „Daher wende ich mich per Brief und verdorbener Ware an die Verantwortlichen unserer Regierungsspitze im Freistaat", fasst er zusammen. Dem Text folgen noch Hans-Joachim Schinners Unterschrift und die Ergänzung: „Hochachtungsvoll, Ihr Gärtner.“

Die Idee, einen kleinen Teil des Komposthaufens nach München beziehungsweise an den Ministerpräsidenten zu schicken, stammt laut Schinner von einem Kollegen aus Niederbayern. „Ich habe die tolle Idee sofort aufgegriffen. Auch ich möchte meinen Beitrag leisten“, kommentiert er sein persönliches „Geschenk“ nebst Schreiben, das bei der Postannahmestelle in Wiesau auf den Weg gebracht wurde.

Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien betont Schinner: „Ich hoffe, dass ich den Verantwortlichen in der Politik, auch im Namen meiner Familie und Mitarbeiter, einen ausdrucksvollen Einblick in die reelle Gesamtsituation verschaffen kann." Er schiebt nach: „Ich will die Dimension des Desasters live verdeutlichen.“ Er betont, dass ein Einkauf bei ihm in Güttern nur mit negativem Corona-Test möglich sei. „Mit der Päckchen-Aktion möchte ich meine Solidarität mit den Betrieben, wo dies nicht möglich ist, zum Beispiel im nahen Raum Fichtelgebirge, unter Beweis stellen.“

„Froung und kumma“

Schinner meint, dass sich landesweit Kollegen mit je einem Päckchen der Aktion anschließen werden. „Die Gärtnereien sind vernetzt. Somit könnten sich rund 1200 Päckchen auf den Schreibtischen der Regierung türmen“, rechnet Schinner vor. Zu „Click & Meet“ vertritt Schinner die Meinung: „Viele – vor allem die ältere Generation – können damit nichts anfangen.“ Schinner empfiehlt – wenigstens in der Oberpfalz - eine Namensänderung: „Froung und kumma (fragen und vorbeischauen), wäre besser.“

"Jetzt ist Pflanzzeit."

Hans-Joachim Schinner

Gartenbau-Ingenieur Hans-Joachim Schinner betont: „Ich bin verärgert und sehr enttäuscht. Der Verkauf kann nicht verschoben werden. Jetzt ist Pflanzzeit!“ Außerdem lässt er anklingen, dass er bereits eine weitere Protestaktion plane, um seinem Missfallen Nachdruck zu verleihen: „Ich bin fest entschlossen, demnächst einen großen Teil des Komposthaufens auf einen Lkw zu laden, um mit den verdorbenen Pflanzen aller Art die Staatsregierung kostenlos zu beliefern.“

Inzwischen hat sich die Sachlage im Freistaat aber schon wieder geändert: Wie die Bayerische Staatsregierung am Dienstagnachmittag verkündete, dürfen ab Mittwoch, 28. April, unter anderem Gartenmärkte und Blumenfachgeschäfte wieder inzidenzunabhängig öffnen.

Kürzlich informierte sich Landrat Roland Grillmeier in der Gärtnerei Schinner

Güttern bei Fuchsmühl
Der Gütterner Unternehmer Hans-Joachim Schinner ist enttäuscht und verärgert. Dem Päckchen werde mit großer Sicherheit auch noch eine Lkw-Ladung mit Kompost folgen, betont er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

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