13.04.2021 - 16:47 Uhr
Güttern bei FuchsmühlOberpfalz

Hilferuf aus dem Gewächshaus

Viele Einzelhändler im Kreis Tirschenreuth sehen durch die aktuellen Öffnungsregelungen ihre Existenz gefährdet. Einer von ihnen ist Gartenbau-Ingenieur Hans-Joachim Schinner aus Güttern.

Gartenbau-Ingenieur Hans-Joachim Schinner (Mitte) erläuterte Landrat Roland Grillmeier (links) und Bürgermeister Wolfgang Braun seine Situation.
von Externer BeitragProfil

Die Rücknahme der Sonderregelungen zur Öffnung von bestimmten Geschäften ist Gartenbau-Ingenieur Hans-Joachim Schinner sehr sauer aufgestoßen. "Mit Normalität hat das nichts mehr zu tun. Da treffen Leute Entscheidungen, die von der kleinen Wirtschaft keine Ahnung haben", sagte der Chef von Gartenbau & Floristik Schinner in Güttern vor einigen Tagen im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Zudem kündigte der Gemeinderat an, aus der CSU auszutreten.

Nun besuchten Landrat Roland Grillmeier und Bürgermeister Wolfgang Braun den Unternehmer, um sich laut Mitteilung des Landratsamts vor Ort über die Sondersituation der Gartenbaubetriebe mit Gewächshäusern zu informieren. Man sei mit vielen Einzelhandelsbetrieben im Landkreis in Kontakt und laufend bemüht, die örtliche Wirtschaft zu unterstützen.

Hans-Joachim Schinner hatte vor einigen Tagen angekündigt, wegen Corona-Politik aus der CSU auszutreten

Tirschenreuth

Kritik nicht gegen Landkreis

Hans-Joachim Schinner stellte dar, dass – anders wie bei vielen anderen Ladengeschäften – der Verkauf in Gartenbaubetrieben nicht auf einer begrenzter Geschäftsfläche stattfindet, sondern vor allem im Frühjahr in den weitläufigen Gewächshäusern. Hier könne man den Zugang sogar noch begrenzen. Damit würden sich nur wenige Menschen mit Abstand und Maske in den gut durchlüfteten Anlagen aufhalten. Er sei zufrieden gewesen mit der Lösung des Freistaates, Blumenläden den Verkauf zu ermöglichen, was seit Montag aber nun aus Gleichbehandlungsgründen wieder aufgehoben wurde.

Seine Kritik habe sich ausdrücklich nicht an den Landkreis beziehungsweise an die Kommune gerichtet, sondern an die Regierungen in Berlin und München. Schinner wolle auch keine Sonderbehandlung, aber die Berücksichtigung der besonderen Situation der Branche. Jetzt beginne für sechs bis acht Wochen die wichtigste Pflanzzeit im Gartenjahr und die nun in den Gewächshäusern stehenden Blumen könnten nur bis Mitte Juni verkauft werden, dann sei der Bedarf der Bevölkerung gedeckt. "Die Zeit drängt gewaltig", so Schinner.

Testmöglichkeiten in Betrieben

Landrat Roland Grillmeier stellte dar, dass man momentan mit der Entwicklung im Grenzland "einigermaßen zufrieden" sei. Die Infektionszahlen hätten sich dank vielfältiger Maßnahmen nach unten entwickelt. Ob es gelinge, diese stabil unter einer 7-Tage-Inzidenz von 100 zu bringen, – "was momentan der Idealzustand wäre" – müsse man abwarten, wenn nun Schulen und Kitas in Notbetreuung oder nach und nach wieder in Betrieb gehen.

Seit Montag gilt unter anderem für Baumärkte, Gärtnereien und Buchhandlungen: Bei einer 7-Tage-Inzidenz zwischen 100 und 200 sind Terminshopping-Angebote („Click & Meet“) zulässig. Dazu nötig ist ein negativer Corona-Tests. Der Landrat kündigte an, dass mit den Kommunen, dem Roten Kreuz und örtlichen Engagierten die Testmöglichkeiten weiter ausgebaut werden. Auch die Betriebe sollten Testmöglichkeiten mit Bescheinigungen anbieten. Hier gehe beispielsweise das Landratsamt mit gutem Beispiel voran. Man biete den Mitarbeitern zweimal in der Woche Tests an und stelle Bescheinigungen aus, mit denen die Mitarbeiter dann einen Tag auch Einkaufen können.

Station in Wiesau geplant

Ein ähnliches Engagement erhoffe sich der Landrat von mehr Firmen. "Dann müsse man nicht nur für einen Einkauf zum Testen gehen, sondern könnte dies praktisch in der Arbeit erledigen." Auch Hans-Joachim Schinner sah dies laut Mitteilung als eine Möglichkeit. Allerdings schränkte er ein: „Dies muss man noch mehr bewerben und einfacher gestalten.“ Für sein Saisongeschäft sei dies aber nur bedingt nutzbar. Deswegen werde er sich weiter für eine Ausnahme einsetzen

Bürgermeister Wolfgang Braun stellte heraus, dass er in Kontakt mit Bürgermeister-Kollegen Toni Dutz sei. Denn in Wiesau sei eine Schnellteststation im Pfarrzentrum geplant, um Einkaufen in den umliegenden Orten zu ermöglichen.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.