29.07.2020 - 15:59 Uhr
GuteneckOberpfalz

Erfolg mit Büchern über homosexuelle Beziehungen

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Um die Liebe zwischen Männern drehen sich Christina Hartingers Bücher. Doch gelesen werden sie zu 90 Prozent von Frauen. Die 34-jährige Autorin aus Pischdorf (Gemeinde Guteneck) hat ihre eigene Interpretation, warum das so ist.

Beim Schreiben darf Christina Hartinger nur Kater Felix Gesellschaft leisten.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Christina Hartinger lebt in einer ländlichen Idylle, in einem alten, sanierten Haus in der Ortsmitte von Pischdorf mit Ehemann Matthias, den beiden Kindern und Kater Felix. Im Elternhaus ihres Mannes lassen sich die beruflichen Interessen des Paares verbinden: Der Whisky-Kenner hat sich auf Verkostungen und und Online-Handel verlegt. Seine Frau schreibt Bücher. Christina Hartinger ist Autorin, übersetzt aber inzwischen auch überwiegend Romane englischsprachiger Kolleginnen.

Das Leben Homosexueller

Als etwas "speziell" bezeichnet die 34-Jährige, die früher als Gärtnermeisterin tätig war, augenzwinkernd ihren Lesestoff. Die weltoffene Frau schreibt Gay Romance: Über das Auf und Ab, die Beziehungen, das Leben Homosexueller. Die gebürtige Fürtherin verschlug die Liebe zu ihrem Mann Matthias nach Pischdorf. Hier sitzt sie oft stundenlang am PC im Büro oder liegt mit dem Laptop auf den Knien in der Hängematte im Garten. Christina Hartinger hat "schon immer gerne gelesen", meist englische Fassungen, und dabei festgestellt, "dass die Übersetzungen ins Deutsche oft miserabel sind".

"Es ist ja nicht mein Problem, wenn jemand damit ein Problem hat".

Christina Hartinger

Vor etwa sechs Jahren begann sie selbst zu schreiben. Inzwischen sind zehn Bücher in englischer und zehn in deutscher Sprache erschienen, die sich vorwiegend um die Beziehungen Schwuler ranken - natürlich mit einem entsprechenden Touch Erotik. Christina Hartinger lässt ihre Fantasie schweifen, holt sich Anregungen in Facebook-Gruppen, bei Freunden. "Ich habe auch männliche Testleser", lacht sie. Ihre Romane sind lediglich zu fünf Prozent als gedrucktes Taschenbuch gefragt, 95 Prozent der Käufer bevorzugen die E-Book-Variante. Und 90 Prozent der Leser sind Frauen. Christina Hartinger hat eine einfache Erklärung dafür: Ihre Hautfiguren sind Männer, "keine Frauen, mit welchen sich die Frauen vergleichen würden".

Männer geben sich das Ja-Wort

Moosbach

Das E-Book ermöglicht auch "dezentes" Lesen. "Es macht sich eben nicht so gut, wenn Business-Frauen in der Mittagspause ein Buch aufschlagen, dessen Cover Männer mit nacktem Oberkörper zeigt", meint Hartinger. Und es gibt durchaus Leserinnen, die an einem Tag ein Buch verschlingen. Das erinnert fast an die "Julia"-Romanheftchen früherer Tage.

"Einer mehr als geplant", "It‘s just us", "Langer Weg zum Glück", "Unerwartet Alpha": Warum sind Christina Hartingers Bücher so gefragt? Die 34-Jährige versteht ihr Handwerk. "Ich habe gelernt, welche Schlüsselworte eine Szene braucht, um Gefühle, Emotionen auszulösen". Ganz nüchtern bezeichnet sie ihre Bücher als Konsumartikel. "Ich bin kein Shakespeare". Das sagt sie auch zu ihrem Mann, der Klassiker bevorzugt.

Gefragte Übersetzerin

Die beiden arbeiten zu Hause. Einen Großteil der Hausarbeit erledigt Ehemann Matthias. Christina Hartinger hat fixe Abgabetermine, braucht Rückzugsmöglichkeiten zum Schreiben. "Doch wir können auch gut davon leben," meint sie selbstbewusst. Großen Anteil daran haben ihre Englischkenntnisse, die sie seit vier Jahren beruflich zweigleisig fahren lassen. Die Sprache ist ein Türöffner: Freundschaften mit Autorinnen entstanden, und es kamen erste Anfragen, ob sie auch Romane übersetzen würde. Christina Hartingers Auftraggeberinnen suchten nach jemanden, der Stimmungen, Gefühle in eine andere Sprache transportieren kann, genau das richtige Wort findet. Korrigieren, Grammatikfehler ausbessern, treffend formulieren – das macht inzwischen einen Großteil ihrer beruflichen Arbeit aus. Viktoria Quinn, Nora Phoenix, E.L. Todd zählen zu ihren Auftraggeberinnen. Das sind dann auch Hetero-Geschichten. Für E.L. Todd hat die Pischdorferin 36 Bände von "Für immer" übersetzt. Der letzte erscheint im August.

Hobby zum Beruf gemacht

Vor einem Jahr kam eine weitere erfolgreiche Schriftstellerin als Kundin dazu: Die US-Today-Bestsellerautorin Natasha Knight. Inzwischen hat Christina Hartinger rund 60 Bücher übersetzt. Ihre Tätigkeit ist ein Fulltime-Job, auch wenn er sich oft in der Hängematte abspielt. Stundenlanges eintauchen in Handlungen, sich konzentrieren, "das macht auch ganz schön platt", betont die 24-Jährige. Doch sie liebt ihre Arbeit, genießt das Privileg, dass Hobby und Beruf identisch sind, und dass sie von Zuhause aus arbeiten kann. "Ich mache beruflich das, was mir Spaß macht". Auch mit ihrem Lesestoff fühlt sie sich von ihrer Umgebung voll akzeptiert: "Es ist ja nicht mein Problem, wenn jemand damit ein Problem hat."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.